Wachsen durch Kritik

Die meisten Christen, die ich kenne, dienen dem Herrn und anderen mit einem aufrichtigen und ernsthaften Herzen. Wir geben unser Bestes. Vielleicht treffen uns daher einige Arten von Beschwerden oder Kritik besonders hart. Wir können uns schnell missverstanden, nicht wertgeschätzt oder abgewiesen fühlen.

Unsere natürliche Reaktion ist dann uns selbst zu verteidigen, unhaltbare Punkte in der Kritik, oder auch Schwächen in dem Leben desjenigen, der uns kritisiert, zu finden. Wenn wir nicht aufpassen, können wir wütende Einzelgänger werden, die sich selbst bemitleiden. Vielleicht hören wir auf, von Gott gegebene Aufgaben zu erfüllen. Oder wir werden bitter, aggressiv und damit Christus unähnlich!

Wie hast du reagiert, als du zum letzten Mal kritisiert wurdest?

Menschen kritisieren andere aus unterschiedlichen Gründen. Denken wir einmal über die folgenden biblischen Beispiele nach…

Was kritisiert wird:

1. Autorität

Mose und Aaron waren damit beschäftigt zu tun, was Gott ihnen aufgetragen hatte. Dann kritisierte eine Gruppe von Männern, angeführt von Korah, ihren Führungsstil. “Ihr beansprucht zu viel!” beschwerten sie sich. Einige Menschen haben ein Problem mit jeglicher Art von Autorität. Wie reagierte Mose? “Als Mose das hörte, warf er sich auf sein Angesicht” (4Mo 16,1-4). Er brachte die erlittene Kritik im Gebet vor Gott.

2. Ziele und Überzeugungen

Der Apostel Paulus war ein hingegebener und fleißiger Diener Gottes. Doch viele widersprachen seinen von Gott gegebenen theologischen Ansichten. Einige von seinen Überzeugungen prallten mit denen von anderen gottesfürchtigen Männern und Frauen aufeinander. Aber Paulus blieb treu und leidenschaftlich: “Und ich jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.” Dann gab er noch die folgende wichtige Einsicht weiter: “Soviele nun vollkommen [oder: gereift] sind, lasst uns darauf bedacht sein! Und wenn ihr in irgendetwas anders denkt, so wird euch Gott auch das offenbaren. Doch wozu wir gelangt sind, zu dem lasst uns auch halten!“ (Philipper 3,14-16) Zu Seiner Zeit wird Gott selbst Seine Wahrheit deutlich machen. Nur Er kann starke Meinungen und tiefe Überzeugungen verändern.

3. Motive

Als David seine Empörung darüber äußerte, wie Goliath die Armeen des lebendigen Gottes beleidigte, kritisieren Davids Brüder ihn! “Ich kenne deine Vermessenheit und die Bosheit deines Herzens wohl”, sagte sein ältester Bruder (1Sam 17,28). Das muss weh getan haben! Aber David ließ sich von dieser Kritik nicht lähmen. Eine Kritik kann uns den nötigen Anreiz geben, einmal unsere Motive zu untersuchen. Nutze diese Chance! Oft sind unsere Motive gemischt. Wir können Gott bitten, unsere Herzen zu reinigen. “[Der Herr] … wird auch das im Finstern Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen! Und dann wird jedem sein Lob von Gott zuteil werden” (1Kor 4,5). Die richtige Motivation ist sehr wichtig.

4. Gewohnheiten

Manchmal ist nicht das, was wir tun, sondern wie wir es tun, die Ursache für Kritik oder Unbehagen. Unser Dienst oder auch unser Geld werden eventuell abgelehnt wegen der Art und Weise, wie wir dienen oder geben. Der Apostel Paulus, ein erfahrener Reisender, wusste sehr genau, wie wichtig kulturelle Feinfühligkeit ist. Er bat sogar um Fürbitte, “damit mein Dienst für Jerusalem den Heiligen angenehm ist” (Röm 15,31). Wenn es um die Art geht, wie man bestimmte Dinge tut, oder um neutrale Angelegenheiten in der Kultur und Tradition, empfiehlt Paulus eine selbstlose Anpassungsfähigkeit. “Denn wer Christus auf diese Weise dient, wird von Gott anerkannt und von den Menschen geachtet. Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau der Gemeinde beiträgt” (Röm 14,17-22 NeÜ).

Kritik annehmen

Die Absicht konstruktiver Kritik ist, dir oder einer gemeinsamen Sache weiter zu helfen. Die Absicht destruktiver Kritik ist, zu verletzen, zu erniedrigen, dich zu ersetzen oder auszuschalten. Einige Menschen fühlen sich von allen Formen der Kritik angegriffen. Sie weisen ihre Kritiker zurück oder ignorieren sie. Andere wissen, dass göttliche Kritik immer aufbauende Kritik ist, und akzeptieren deshalb nur die Kritik, die sie für konstruktiv halten.

Meine Beobachtung ist, dass fast jede Kritik, ob konstruktiv oder nicht, einen Kern nützlicher Wahrheit in sich trägt. Nicht alle Spiegel sind gerade und sauber, aber derjenige, der Kritik zurückweist, ist wie jemand, der Spiegel zerstört. Winston Churchill hatte Recht, als er sagte:

“Kritik mag nicht angenehm sein, aber sie ist nützlich. Sie erfüllt dieselbe Funktion wie der Schmerz im menschlichen Körper: Sie lenkt unsere Aufmerksamkeit auf eine ungesunden Sachlage”.

Auf Gott hören

Das nächste Mal, wenn du eine ernsthafte Beschwerde oder irgendeine Kritik erhältst, widerstehe der Versuchung, sie nicht ernst zu nehmen, darauf zu reagieren oder einen Gegenangriff zu starten. Bring die Kritik in Gottes Gegenwart. Leg sie vor Ihn hin. Bitte den Herrn, dir in dieser Beschwerde den Anteil an Wahrheit zu zeigen, den du hören sollst. Wenn du ihn entdeckt hast, kannst du den Rest der Kritik wegfallen lassen. Wenn du die schmerzhafte Wahrheit, die in der Kritik verborgen ist, finden und akzeptieren kannst, wirst du dadurch wachsen. Auf diese Weise wird die Kritik dich aufbauen statt dich zu entmutigen. Wenn wir Gott erlauben, durch unsere Kritiker zu uns zu sprechen, werden wir lernen dem Herrn Jesus ähnlicher zu werden und Gottes Wort besser zu verstehen. Oder wir werden erkennen, dass wir etwas verändern sollten – entweder in dem, was wir tun, oder in dem, wie wir es zur Zeit tun.

Gott glauben

Wenn Kritiker mit Gottes Wort in Konflikt stehen, dann lass dich nicht von ihnen erschüttern. Glaube Gott. Egal, was andere sagen, du bist ein geliebtes und wertvolles Kind Gottes. Egal, was andere sagen, gilt: “Eure Mühe im Herrn ist nicht vergeblich!” (1Kor 15,58). Andere mögen dich verachten, zurückweisen, dich in Misskredit bringen oder vergessen, was du getan hast, aber “Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Liebe, die ihr zu seinem Namen bewiesen habt, indem ihr den Heiligen gedient habt und dient” (Hebr 6,10).

Der griechische Philosoph Aristoteles pflegte zu sagen: “Kritik ist etwas, das wir leicht vermeiden können, indem wir nichts sagen, nichts tun und nichts sind.” Für uns als Christen sind das keine Optionen. Entscheide dich dazu, die nächste Kritik, die dir begegnet, positiv aufzunehmen. Und dann entscheide dich sie zu nutzen, um durch sie zu wachsen.