Gaben und Talente – Was kann ich selber tun?

Kein Talent vermehrt sich von allein. Zwar werden wir alle mit besonderen Begabungen geboren, doch wenn sie nicht gefördert werden, können sie sich nicht entfalten und werden manchmal gar nicht als Talent bemerkt. Und wer seine Talente nicht pflegt, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie verkümmern.

Das sind eigentlich Binsenweisheiten, die aber von manchen noch nicht begriffen worden sind. Dabei erzählte unser Herr die bemerkenswert klare Geschichte vom Umgang mit Talenten gleich zweimal (vgl. Lk 19, 1ff und Mt 25,14ff), und zwar – damit man die Prinzipien auch richtig versteht! – in zwei Varianten. In jeder Geschichte bekommen die Knechte den Auftrag, mit den anvertrauten Gaben zu arbeiten. Wie sie das getan haben, wird allerdings nicht gesagt. Wir bekommen nur das Ergebnis mitgeteilt. Zwei Knechte werden jeweils reich belohnt und einer wird bestraft. Und bei dem ist die Gesinnung besonders aufschlussreich.

Es geht um unseren Umgang mit Talenten. Was kann ich selber tun? Dazu einige Ratschläge.

1. Entscheide dich!

Entscheide dich, für wen du arbeiten willst. Du hast drei Möglichkeiten:

  1. Du kannst hauptsächlich dich selbst im Auge haben, wie der Knecht mit dem einen Talent in der Geschichte. Ihn interessierte das Anliegen seines Herrn nicht; ja, er ärgerte sich darüber, dass der Herr offenbar an ihm verdienen wollte. Und er wickelte das Geld in ein Schweißtuch. Das war in der damaligen Zeit eine sehr unsichere Aufbewahrungsweise. So geht man mit Geld, zumal mit fremden, nicht um. Aber dem Knecht war offenbar egal, was mit dem Geld seines Herrn passierte. In der anderen Variante erzählt der Herr, dass der Knecht das Talente vergrub. Das war zwar etwas besser, aber gar nicht gut. Wer nur an sich selbst denkt, an die Arbeit, die er hat, wenn er nach dem Auftrag seines Herrn handelt, und an die Verantwortung, die damit verbunden ist, der wird sich tatsächlich nicht rühren.
  2. Du kannst auch für jemand anders arbeiten. Du kannst dich für deine Familie krumm legen, du kannst dich für die Gesellschaft einsetzen, für die Armen in der Welt. Da gibt es eine Menge Möglichkeiten. Und das alles ist auch durchaus lobenswert. Du musst nur eins bedenken: Der Einsatz für den Nächsten ist nicht automatisch auch eine Arbeit für Gott.
  3. Du kannst für deinen Herrn arbeiten. Das heißt, du bist mit seinen Vorgaben einverstanden und legst dich ins Zeug, um die anvertrauten Gaben wenigstens zu verdoppeln. Damit ist nicht gemeint, dass du dich pausenlos in frommer Werkelei betätigst, sondern du tust, was Paulus sagt: „Alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn!“ (Kol 3,17). Also: Mit meiner Intelligenz, mit meiner Kraft und Liebe will ich mich für meinen Herrn einsetzen. Das ist eine Frage der Einstellung. Es kommt noch nicht einmal genau darauf an, was man konkret tut. Ich habe zum Beispiel einmal einen Bruder getroffen, der mir sinngemäß sagte, er habe die Gabe Geld zu verdienen. Ich war schon im Begriff tief Luft zu holen, als ich das hörte. Aber andere haben es mir bald bestätigt. Dieser Mann hat sein Geld immer wieder für seinen Herrn eingesetzt. Also arbeite für deinen Herrn, womit und wie ist zweitrangig!

Wer seine Talente im biblischen Sinn vermehren will, muss sich entscheiden, sie direkt oder indirekt für seinen Herrn einsetzen zu wollen.

2. Pack einfach mit an!

Pack einfach die Aufgabe vor deiner Nase an. Daraus ergibt sich schon alles Weitere. So hat es damals der Samuel dem Saul gesagt: „Tu, was deine Hand finden wird!“ (1Sam 10,7). Fang also da an, wo du bist. Träume nicht von Ruhm und Größe im Werk des Herrn. Vertue deine Zeit nicht mit irgendwelchen Gabentests. Vor dir liegen genügend Aufgaben, die du im Namen des Herrn tun kannst. Erwarte nicht, dass er dir extra einen Engel schickt, damit du endlich anfängst!

Ich war 14 Jahre alt, als ich in der Kinderarbeit gebraucht wurde. Also habe ich angefangen, kaum, dass ich selbst aus der „Sonntagsschule“ herausgewachsen war. Zwei Jahre später wurde ein Mitarbeiter in einer Kinderfreizeit benötigt. Ich sagte: „Wenn ihr mich gebrauchen könnt, mache ich gern mit.“ Dann fingen wir mit Jugendarbeit in unserer kleinen Gemeinde an. Dann kamen Jugendfreizeiten usw.

Fang einfach an, wo du Arbeit siehst. Mach die Augen auf. Und wenn du wirklich nicht weißt, was du im Werk des Herrn tun kannst, dann frage einen der Ältesten oder der verantwortlichen Brüder. Die werden dir schon sagen, was du tun kannst.

Wer seine Talente entwickeln will, soll anfangen zu arbeiten. Bei der Arbeit lernt man am meisten.

3. Setz dich ganz ein!

Setz dich ganz für deine Aufgabe ein. Der Prophet Sacharja hat einmal erwähnt, dass man den Tag kleiner Dinge nicht verachten soll (Sach 4,10). Egal wie klein die Aufgabe ist, die du bekommen hast, pack sie an! Du musst nicht alles können. Du hast sowieso nicht alle Talente. Und bei dem Talent, das du empfangen hast, bist du wahrscheinlich auch nicht Spitze. Aber das macht alles nichts.

Tue einfach deine Aufgabe so gut, wie du kannst. Dann wird dein Talent anfangen sich zu mehren.

4. Werde besser!

Lerne, deine Aufgabe besser zu tun. Beinahe hätte ich den Punkt genannt: „Überwinde deine Faulheit!“ Faulheit heißt nach den oben erwähnten Gaben-Geschichten nämlich: Sich weigern, die anvertrauten Talente für den Herrn einzusetzen. Und das bedeutet auch sich zu weigern, eine Zurüstung oder einen Kurs zu besuchen. Leider sieht man es oft, dass gerade die, die es am nötigsten hätten, jede Schulung verweigern. Aber die merken ihren Mangel ja nicht. Sie halten sich selbst für gut genug und sind von ihrer Weisheit ziemlich überzeugt. Wer so denkt, wird sein Talent verhungern und seine Geschwister ein Leben lang an sich leiden lassen.

Du solltest also nie glauben, dass du schon genug weißt. Lerne, deine Aufgabe besser zu tun!

Doch Vorsicht: Nicht jeder ist Autodidakt. Nicht jeder hat von vornherein die Disziplin sich selbst etwas beizubringen. Wer meint, dass er das nicht schafft, besuche lieber eine Bibelschule oder einen Intensivkurs, wo man ihm durch konkrete Aufgaben beim Lernen hilft.

Noch etwas: Lass dir etwas sagen! Sei bereit, dir Kritik anzuhören! Betrachte sie als äußerst hilfreich! Ermuntere andere sogar dazu. Um das zu verwirklichen, brauchst du natürlich die gute biblische Tugend der Demut. Aber stolze Menschen kann der Herr sowieso nicht ausstehen.

Wer sein Talent vermehren will, muss für seine Aufgabe fleißig lernen.

5. Bleib dran!

Im Gleichnis vom Sämann sagte der Herr, dass die in der guten Erde diejenigen sind, die das Wort bewahren und Frucht bringen mit Ausharren. Ohne Ausdauer geht es nicht! Ruhe dich nicht auf einem einmaligen Erfolg aus, sondern bereite jede Aufgabe sorgfältig vor. Halte jeden Tag deine Stille Zeit! Tue jeden Tag etwas für die dir gestellte Aufgabe. Ein bekannter Schriftsteller hatte den Grundsatz: „Jeden Tag eine Zeile!“ Das hieß nicht, dass er jeden Tag nur eine Zeile schreiben sollte, sondern mindestens eine.

Wer sein Talent vermehren will, sollte sich zwingen jeden Tag etwas für seine Aufgabe zu tun.

6. Wage auch Neues!

Irgendwann wird dir vielleicht eine neue Aufgabe angetragen oder dir kommt selbst die Idee, etwas Neues zu tun. Habe den Mut, Neues zu wagen. Betrachte das als Herausforderung von deinem Herrn und als Chance für dich. Aber sorge dafür, dass du alte Aufgaben in geeignete Hände übergibst, wenn du neue übernimmst. Du musst nämlich nicht alles tun! Aber alles, was du tust, sollst du für den Herrn tun.

Wer sein Talent vermehren will, muss auch neue Aufgaben wagen!

7. Sei dankbar!

Bleib dir bewusst, dass dein Talent vom Herrn kommt! Ihm hast du alles zu verdanken. Darum danke ihm immer wieder für die Gaben, die er dir gegeben hat, bzw. für die Aufgaben, die du für ihn tun darfst.

Sorge dich nicht um Anerkennung. Er sorgt schon dafür, dass du das Lob bekommst, das du brauchst. Sorge lieber dafür, dass er geehrt wird, wenn man dich lobt! – Du musst aber nicht so tun, als ob du kein Lob magst. Sei einfach dankbar! Vielleicht wirst du eines Tages dann auch dieses erstaunliche Lob aus dem Mund deines Herrn hören:

„Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn.“ (Mt 25,21)