Macht zu Jüngern! – Zwei Prediger outen sich …

Seminar zum Thema: Flyer 4.-6.11.2018

Was ist eigentlich Jüngerschaft?

Was meinte der Herr Jesus eigentlich damit, als er bei seinem Abschied seinen Jüngern auf dem Ölberg sagte: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!” (Matthäus 28,19-20)?

„Mach’s nach!“

Als Kind habe ich häufg meinen Vater beobachtet, wie er an der Staffelei im Wohnzimmer stand und malte. Das faszinierte mich, wie auf der weißen Leinwand nach und nach ein stimmungsvolles Bild entstand. Ich habe zugeschaut, es nachgemacht, abgemalt und dabei gelernt. Dann nahm er mich mit, um mit ihm gemeinsam Motive in der Natur zu entdecken und auf dem Aquarellblock festzuhalten. Ich lernte von ihm die Grundlagen der Perspektive, der Farbmischung, des Bildaufbaus und des Beobachtens in der Natur. Er zeigte mir in Museen und Bildbänden die großen Künstler und ihre Bildsprache und Farbführung. So bekam ich Appetit auf meinen späteren Beruf als Grafiker. Er begleitete mich interessiert während des Studiums, und ich lernte von ihm, dass ein guter Grafker „nur der großen Schöpfung Gottes nachempfinden kann – der einzigartige und wahre Künstler ist und bleibt Gott!“ Seine wunderbare Schöpfung ist das Kreativste überhaupt, sowohl in Ästhetik als auch in Funktionalität. Ein Künstler erkennt Gott in der Schöpfung und kommt zum Staunen und zur Anbetung!

Nicht neu – und sogar biblisch!

Dieses Prinzip des Mitnehmens, des Vormachens, des Anleitens und des Nachmachens lernte ich bei meinem Vater. Wir finden es auf vielen Ebenen im geistlichen Bereich in der Bibel ebenso. Ein Josua lernte 40 Jahre lang von Mose für seine spätere Führungsrolle. Paulus zeigte dem jungen Timotheus auf seiner zweiten Missionsreise in der Praxis die Grundlage der Missionsarbeit, der Seelsorge, des Gemeindebaus und der Gemeindeführung. Er betonte dieses Prinzip in 2.Timotheus 2,2: „Was du von mir in Gegenwart vie ler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Menschen an, die tüchtig sein werden, auch andere zu lehren!“ und in Philipper 4,9 „Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein“. Diesen Vorgang, den man heute „Mentoring“, „Coaching“ oder „Learning by Doing“ nennen würde, kennt die Bibel also schon lange unter dem Stichwort „Jüngerschaft“. Der Herr Jesus ist so vorgegangen. Deshalb hatte er seine Jünger ausgewählt, „damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende“ (Markus 3,14).

Jammern hilft nicht!

Ich habe den Eindruck, dass wir in unseren Gemeinden dieses Prinzip in den letzten Jahrzehnten in vielen Bereichen‚ stark vernachlässigt haben. Wir müssen es uns neu bewusst machen und einüben, um eine kommende Generation zu befähigen, Mission und Gemeindebau zu praktizieren. Wir mögen den sinkenden „Grundwasserspiegel“ des geistlichen Lebens und der biblischen Kenntnis in den Gemeinden beklagen. Doch Jammern hilft nicht. Wir sind selber schuld und sollten unser Versäumnis an der nächsten Generation bekennen und Abhilfe schaffen. Wir sind Jünger Jesu geworden und haben von ihm den Auftrag, „Jünger zu machen“ (Matthäus 28,19). …

Wenn wir heute von Jüngerschaft reden, denken wir in der Regel an einen Kursus, an ein Trainingsprogramm, an einen Lehrgang, an eine Schulung. Doch ich bin überzeugt, dass das, was der Herr Jesus seinen Jüngern vermittelte, weniger ein zu lernendes Schulungsprogramm war, sondern eben eine praktisch erfahrbare Lebensgemeinschaft. Es ist nicht etwas Theoretisches, sondern zugleich angewandte Praxis! Der Jünger konnte seinen Lehrer beobachten. Nicht nur im Fachgebiet, sondern im all täglichen Leben. Paulus schreibt später den Geschwistern in Thessalonich: „So in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen” (1.Thessalonicher 2,8). Das heißt, Paulus hat sein Leben mit den Thessalonichern geteilt, er hat sie an seinem Alltag teilnehmen lassen. Er hat sie hineinschauen lassen, wie er lebte. …

Ein Prediger outet sich

Ein wenig davon habe ich erfahren dürfen, als ich in den 80er- Jahren einen der überörtlich tätigen Brüder begleiten durfte. Er diente in den Brüdergemeinden vor allem mit seiner guten seelsorgerlichen Art, machte Hausbesuche, besuchte die Geschwister der Gemeinden zu Hause, hörte sich die Nöte an, betete mit ihnen und machte Mut in der Nachfolge. Gerne denke ich an die Zeiten zurück, wenn er bei uns in der Gemeinde war. Ich durfte ihn dann häufig begleiten, da er selbst nicht Auto fuhr. Ich saß dann bei den Hausbesuchen in der Regel irgendwo im Hintergrund und hab still von ihm gelernt.

Manche Begebenheiten sind mir unvergesslich geblieben. Während er in unserer Gemeinde Besuche bei den Geschwistern machte, bekam er den Anruf, ob er in seiner Heimatgemeinde im hessischen Hinterland einen Beerdigungsdienst übernehmen könne. Er bat mich, ihn dorthin zu fahren. Auf der Fahrt machte er sich Gedanken über die Predigt in der Trauerhalle und ließ mich an seinen Gedanken teilhaben. Als wir seinen Heimatort erreicht hatten, bat er mich, noch kurz zu dem Trauerhaus zu fahren, damit er die Hinterbliebenen begrüßen könne. Ich wartete derzeit im Auto. Als er zurückkam, ließ er sich in den Beifahrersitz fallen und stöhnte: „Ach wärst du doch gleich zum Friedhof gefahren …” Ich schaute ihn verwundert an. Gequält sagte er mir, dass seine Gedanken über die Trauerpredigt völlig umsonst gewesen seien. Die Familie des Verstorbenen hätten einen völlig anderen Text ausgesucht, über den er predigen solle. „Eberhard”, meinte er seufzend, „lass uns beten, dass der Herr mir die rechten Worte in den Mund gibt.” Wir beteten und fuhren zum Friedhof. Bevor wir in die Halle gingen, bat er mich: „Bitte setz dich direkt unter die Kanzel und bete die ganze Zeit für mich! Ich weiß nicht, wie ich das überstehe!” – Nun, er hat es überstanden. Gut sogar. Der Herr hat geholfen. Mir aber ist es unvergesslich, dass er sich mir so geöffnet hat. Er hat mir gezeigt, dass auch er schwach ist, dass auch er Unterstützung und Gebet brauchte. Er ist an diesem Tag in meinen Augen gewachsen, als er sich klein und verletzlich machte und mir seine Schwachstellen zeigte. Da sind wir zusammengewachsen. Das hat mir damals sehr geholfen, als er sich mir gegenüber so geoutet hat.

… und hilft damit einem, der es noch werden sollte.

So konnte ich auch nicht Nein sagen, als er mich kurz darauf fragte, ob ich ihn zu einer längeren Reise in die damalige Tschechoslowakei fahren würde. Er hatte von den dortigen Gemeinden eine Einladung zu etlichen Diensten bekommen. Nachdem ich ihn in seinem Heimatort abgeholt hatte, sagte er mir auf der Fahrt zur Autobahn: „Du glaubst doch nicht, dass ich dich nur zum Autofahren mitgenommen habe. Heute abend in der Gemeinde in Pilsen wirst du predigen. Mach dir während der Fahrt Gedanken, worüber du predigen willst, wir werden uns darüber austauschen und miteinander beten. Wenn du nicht mehr weiterweißt, setzt du dich einfach, und ich mache weiter. Einverstanden?” Nun, die Fahrt bis ins tschechische Pilsen dauerte lange, und wir hatten etliche Stunden Zeit, über das Predigtthema nachzudenken und zu sprechen. Dass er eventuell einspringen würde, erleichterte mir den Gedanken an meine erste Predigt sehr. Und was soll ich sagen? Unser Herr hat wirklich geholfen. So wie ich damals unter seiner Kanzel gesessen und gebetet habe, so machte er es bei mir. — Später, als wir bei unseren Gastgebern in unseren Betten lagen, machte er mit mir „Predigtnachbesprechung” und wir dankten unserem Herrn für die Hilfe. — Gerne denke ich an diese praktische und hilfreiche Jüngerschaftsschulung zurück. In diesen zehn Tagen besuchten wir zehn Gemeinden, und ich durfte zehn Predigten halten, einschließlich Vor- und Nachbesprechung. Ein Jahr später machte ich eine ähnliche Reise mit einem anderen Bruder, und ich erlebte die gleiche praktische Predigtunterweisung. Diese Zweierschaft mit erfahrenen und begnadeten Brüdern hat mir sehr geholfen, und ich wünschte, dass das viel häufiger (und vielleicht auch systematischer) in unseren Gemeinden geschehen könnte. Ich muss bekennen, dass ich das leider selbst versäumt habe. Ich habe nicht jüngere Brüder geschult.
Darüber muss ich Buße tun und um Vergebung bitten. Ich habe zwar Jugendstunden gehalten, habe Bibelschulunterricht gegeben, aber in dieser Weise Jüngerschaft mit Jüngeren praktiziert, das habe ich leider nicht. Ich wünschte, ich könnte das nachholen. Vielleicht hilft dieses Buch, dass in Zukunft in unseren Gemeinden Jüngerschaft wieder ins Bewusstsein kommt und häufiger praktiziert wird.

 

Mehr biblische Einsichten, praktische Erkenntnisse und Erfahrungen finden sich in diesen drei Bänden:

  1. Staffelübergabe – Gemeinde für die nächste Generation  -> Ein Übergabe-Programm für Gemeinde-Mitarbeiter und Älteste
  2. Staffeltraining – Wie Gemeinde morgen gelebt werden kann  -> Ein Jüngerschafts-Programm zum Thema biblische Gemeinde
  3. Staffeltraining – Wie Glaube morgen gelebt werden kann  -> Ein Jüngerschafts-Programm zum Thema biblische Lehre

zu bestellen beim Autor (www.wachsen-im-glauben.de) oder bei der Christlichen Verlagsgesellschaft (www.cb-buchshop.de).