Vom Kämpfer zur Lampe

2. Samuel 21,15-17

Seit seinen jungen Jahren war David ein starker, dynamischer und furchtloser Kämpfer. Als junger Mann hatte er einen Löwen und einen Bären getötet, während er die Schafe seines Vaters hütete. Kurz danach trat er gegen den Philister Goliath an und vernichtete ihn, „weil er die Armee des lebendigen Gottes verhöhnt hatte“ (1Sam 17,37). Viele Jahre später „gab es wieder Krieg; und David zog aus und kämpfte gegen die Philister und richtete eine große Niederlage unter ihnen an, und sie flohen vor ihm“ (1Sam 19,8). Als er König war, wurden Davids Mut und seine Siege über die Feinde Israels legendär.

Eine Zeit des Übergangs

Aber eines Tages änderten sich die Dinge. „David zog hinab und seine Knechte mit ihm, und sie kämpften mit den Philistern. Und David war erschöpft“ (2Sam 21,15). Er entging nur knapp dem Tod, weil Abisai dazu kam und ihn rettete. David wurde allmählich alt. Seine körperliche Kraft und Ausdauer ließen nach. Er fühlte es. Seine Freunde wussten es. Seine Feinde konnten es sehen.

Wenn in unserem Herzen immer noch die Leidenschaft brennt, kann es schwierig sein, unsere eigene körperliche Realität anzuerkennen. Davids Männer, seine Freunde, stellten sich um ihn herum und „schworen ihm und sprachen: Du sollst nicht mehr mit uns ausziehen in den Kampf, damit du die Lampe (Leuchte) Israels nicht auslöschst!“ (V. 17). Wie hättest du als König  reagiert? Das war keine Empfehlung, ein Sabbatjahr einzulegen. Das war eine Aufforderung an ihn, das Kämpfen aufzugeben und nie wieder mit ihnen zusammen in einen Krieg zu ziehen.

Gefahren in Übergangszeiten

Manche Männer (Winston Churchill z.B., und in jüngerer Zeit Robert Mugabe in Zimbabwe) sträuben sich dagegen, die Verantwortung auf die nächste Generation zu übertragen. Was wir tun – unser Dienst, unsere Talente, unsere ‚Erfolge’ – können leicht zu unserer Identität werden! Es ist viel besser Andere vorzubereiten und Verantwortung schließlich taktvoll zu übergeben.

Es gibt solche, die zur Seite treten und sich dann negativ und kritisch darüber auslassen, wie die Schlacht weiter geschlagen wird. Sie können zynisch oder sogar bitter werden. Bitte lass das bei dir selbst nicht passieren! Aber denke auch nicht schlechter von dir selbst, weil du älter und in mancher Hinsicht schwächer geworden bist. Viele Jahre lang hast du mit Gott gelebt und dabei Reichtümer gesammelt, die nur die Zeit bringen kann.

Zieh dich nicht einfach zurück; hör nicht einfach auf und kappe alle Verbindungen. Verschwinde nicht einfach kleinlaut. Du kannst immer noch einen bedeutsamen und wertvollen Beitrag leisten – jetzt nicht länger als ein aktiver Kämpfer (durch dein Tun), sondern als eine Lampe (durch dein Sein)!

Die Lampe (Leuchte) Israels

David kehrte nach Jerusalem zurück. Er hängte sein Schwert in den Schrank und holte seine Harfe hervor. In diesen späteren Jahren wuchs seine lebendige Beziehung zu Gott. Er entdeckte, dass Gott „bei den Lobgesängen Israels thront“ (Ps 22,3). Er schrieb neue Musik und Psalmtexte. Er interessierte sich weiter für die Gegenwart und für die Zukunft. Er bereitete den Bau des Tempels vor, indem er Land dafür kaufte, Pläne machte, für Personal sorgte und Musiker anleitete. Er entdeckte, dass es möglich war, „noch im Greisenalter Frucht zu tragen“ (Ps 92,15). Aber vielleicht eine andere Art von Frucht!

Wenige Christen feiern heute noch die vielen Siege Davids in seinen Schlachten. Aber wir alle finden Trost und Inspiration in Davids Psalmen.

Wir brauchen auch heute Lampen

Wie werden die Älteren angesehen? Sie können ausgegrenzt, ignoriert und unmenschlich behandelt werden. Unter den älter Gewordenen wirst du Leute finden, die Verluste, tiefen Schmerz, behindernde Krankheiten erlebt haben, oder die mit Zweifeln, Zynismus, Versuchungen, Verrat und Entmutigung zu kämpfen hatten … und die immer noch glauben, immer noch lieben, immer noch wachsen möchten, immer noch hoffen und immer noch Gott anbeten. Sieh dich um nach solchen alten Lampen, die immer noch scheinen. Nach solchen, die innerlich „Tag für Tag erneuert werden“ (2Kor 4,16). Suche nach Möglichkeiten, um die Einsichten und Kraftquellen des Alters zum Nutzen des Leibes Christi festzuhalten.

„Schaut das Ende ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach“ (Heb 13,7).

Wie sehen die Älteren sich selbst? Alt zu sein ist in sich selbst noch nichts Bewundernswertes. Das geschieht automatisch. Benutze deinen ‚Seniorenausweis’ nicht, um etwas damit durchzusetzen oder einen Vorteil daraus zu ziehen.

Entscheide dich stattdessen dafür, eine Lampe zu sein! Jede christliche Gemeinschaft braucht gute Lampen. Sei einfach da! Biete denen, die noch lernen, sich abrackern und kämpfen, deine moralische Unterstützung an. Zeige ihnen lächelnd deine Anerkennung. Wenn du Menschen begegnest, die dafür offen sind, lass sie ruhig teilhaben an deiner Weisheit, deinen geistlichen Einsichten und deinen Erfahrungen im Leben und im Glauben. Sei ein Mentor. Lass dein Licht scheinen und deine Wärme ausstrahlen. Hör nicht einfach auf. Brich nicht alle Beziehungen ab. Zieh dich nicht zurück in ein Leben, das nur noch um dich selbst kreist. Entscheide dich, vom Kämpfer zur Lampe zu werden – und entscheide dich, es freundlich und würdevoll zu tun.