Wie können wir anbeten?

Mit voller Stimme singen wir: „Ich will dich anbeten“, oder: „Ich will dich erheben“, aber ist der Wunsch, Gott anzubeten, schon Anbetung? Selbst wenn wir biblisch richtige Formulierungen verwenden? Wünsche und richtige (liturgische) Formulierungen bewirken nicht zwangsläufig oder gar automatisch eine (geistliche) Wirklichkeit. Wie aber können wir Gott und Jesus Christus anbeten, so wie Gott es möchte?

Anbetung geht von Gott aus!

Es ist interessant, was Jesus Christus über Anbetung sagt: „Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten“ (Joh 4,23-24). Der Herr bespricht dieses herausragende Thema erstaunlicherweise hier nicht mit theologisch Hochgebildeten, sondern mit einer sündigen, aber Gott suchenden Frau an einem einsamen Ort, am sogenannten Jakobsbrunnen.

Schon im Alten Testament beteten glaubende Menschen Gott an, der dafür sehr genaue Anordnungen gab, wie z. B. die Opfer vorbereitet und dargebracht werden sollten, damit er sich daran erfreuen konnte (5Mo). Mit Jesus Christus und seinem Opfer auf Golgatha hat es einen heilsgeschichtlichen Paradigmenwechsel gegeben. Von Gott angewiesene Praktiken, die ein „Schatten der zukünftigen Wirklichkeit“ (Hebr 10,1) waren, finden ihr Ende, denn größer als alle alttestamentlichen Praktiken ist Jesus Christus: „Ich sage euch aber: Größeres als der Tempel ist hier“ (Mt 12,6).

Neutestamentliche Anbetung benötigt keine „heiligen“ Orte und keine sakralen, heiliggesprochenen Gebäude voller Gold. Alle äußeren Elemente wie z. B. die pastoralen Gewänder haben nicht die geringste geistliche Bedeutung, auch nicht ausgedachte Rituale von Menschen. In Christus ist das levitische Priestertum mit allen seinen äußerlichen Ritualen beendet. Anbetung braucht keine Kerzen, keinen Weihrauch, keine sakramentalen Handlungen und keine feierliche Liturgie, denn Anbetung ist eine Sache des Herzens (1Petr 2,5).

Und Emotionen? „Wir können Gott nicht in einem Rauschzustand finden, einerlei, ob dieser Rausch durch Alkohol oder durch Äther oder durch eine prachtvolle Musik hervorgerufen wird. Solange wir berauscht sind, sind wir nicht bei Gott, sondern nur bei uns selbst.“ (Aus: Karl Heim, Das Wesen des evangelischen Christentums, Leipzig 1929.)

Darum: Anbetung können allein Gott und Jesus Christus wirken – durch den Heiligen Geist! Er macht aus neugeborenen Menschen geheiligte Anbeter. Ja, und dann kann ein Christ Gott und Jesus Christus im Urwald anbeten oder auch in der Weltstadt Paris. Allein oder zusammen mit vielen. Entscheidender als das, was wir tun, ist, wer wir (wirklich) vor Gott sind!

In Geist und Wahrheit anbeten

Der Heilige Geist spielt die entscheidende Rolle, wenn es um Anbetung geht. Was will der Heilige Geist wirken? Was können wir vom Heiligen Geist lernen? Welches Ziel, welche „Leidenschaft“ hat der Heilige Geist? Jesus Christus sagt: „Er (der Heilige Geist) wird mich verherrlichen“ (Joh 16,14). Verherrlichen! Den Sohn Gottes ins „Rampenlicht“ stellen. Wenn wir den Heiligen Geist haben, und von ihm geleitet werden, muss das auch unsere Leidenschaft, unser oberstes Lebensziel sein.

Der Heilige Geist leitet in die ganze Wahrheit

Er redet nicht von sich selbst, sondern offenbart uns als Autor der Bibel die Wahrheit über Jesus Christus. Denn wer die Bibel nicht kennt, kann Christus nicht kennen. Und wer Christus nicht kennt, kann ihn nicht anbeten! Darum offenbart der Heilige Geist gerade in den neutestamentlichen Briefen, wer Christus heute ist. Was erfahren wir nicht alles über den Herrn im Kolosserbrief! Und welche ergreifende Herrlichkeit des Herrn Jesus wird uns im Hebräerbrief vorgestellt!

Der Heilige Geist lehrt uns alles über Christus, damit wir ihn verherrlichen können. Er öffnet unsere Augen für die Größe und Schönheit des Christus. Größer als alle Wunder, die der Herr Jesus tat, ist er selbst. Das erfüllt unsere Herzen, und wir erkennen nicht nur, „was Jesus Christus alles tun kann“, sondern – und das ist wichtiger – wir erkennen, „wer er ist“! Wir brauchen seine Herrlichkeit in unseren Herzen, denn „in ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis“ (Kol 2,3).

Die Bibel ist die vollständige, ultimative und abgeschlossene Offenbarung über Christus.

Wir verherrlichen Gott, den Vater

Die große Freude des Vaters ist sein Sohn Jesus! Er hat ihn nach dem triumphalen Sieg am Kreuz auf Golgatha „über die Maßen“ erhöht (Phil 2,6-11). Diese Erhöhung führt zugleich zur Verehrung oder besser „Verherrlichung“ Gottes, des Vaters (V. 11). Der Heilige Geist verherrlicht Jesus Christus zur Ehre des Vaters. Nur wenn wir immer wieder neu über die Person Jesus Christus ins Staunen kommen, werden wir zu neuer, zur „ersten Liebe“ erweckt; und nur in dieser inneren Haltung können wir anbeten, wie Gott es möchte.

Eine permanente Gefahr

In allen wiedergeborenen Menschen wohnt der Heilige Geist, und darum sind sie berufen, berechtigt und fähig, Jesus Christus anzubeten. Dennoch kann sich alles um uns drehen. Wir singen dann „würdig das Lamm“, weil er dafür sorgt, dass es uns gut geht. Wir wissen mehr über unsere Erlösung und darüber, was Jesus Christus eigentlich noch alles für uns tun könnte, als über ihn, den Erlöser selbst.

Vor längerer Zeit plante ich bewusst persönliche Gebetszeiten, in denen ich keine einzige Bitte aussprechen wollte, sondern nur die Größe und Herrlichkeit meines Herrn beschreiben wollte. Erst da merkte ich, wie wenig ich meinen Herrn wirklich kannte. Über andere Dinge hätte ich detailliert stundenlang reden können. Ich merkte, dass ich viel mehr die Bibel studieren muss, um Jesus Christus so gut zu kennen, dass ich ihn nicht nur von seinen Taten reden kann, sondern vorrangig von seinem Charakter, Wesen und seiner Herrlichkeit. Der Kolosser- und der Hebräerbrief wurden mir sehr wichtig.

Werden nicht auch unsere Mahlfeiern immer mehr zu unserem Gedächtnis? Weil wir es nicht schaffen, von 168 Wochenstunden 0,6 %, d. h. eine Stunde, für unseren Herrn ganz alleine zu verwenden? Uns selbst zu vergessen? Nur IHN zu sehen? Genau das ist das Wesen des Heiligen Geistes, und das will er auch in uns wirken. Denn Anbetung verehrt Jesus Christus und Gott – sie zielt nicht darauf, uns glücklich zu machen, denn Anbeter sind sowieso glücklich, wenn sie Jesus Christus kennen.

Vielfältige Ausdrucksformen

Die Ausdrucksformen der Anbetung sind vielfältig. Der Heilige Geist wirkt Stille, Schweigen, lautes Lob, starke und heilige Empfindungen, Niederfallen; er lässt Menschen angesichts des Wirken Gottes verstummen oder im Geist jubeln. Entscheidend ist, ob Anbetung durch den Heiligen Geist gewirkt wird. Er wird uns lehren, wer Jesus Christus ist, und er wird Anbetung wirken, die im persönlichen Leben beginnt.