Jedem sein Kreuz!

Das größtmögliche Glück?

Fast alle Menschen streben ein langes, glückliches Leben an: Abitur, Ausbildung, Karriere, gute Beziehungen, Gesundheit, Reisen und zum Schluss eine angenehme Zeit in einer niveauvollen Seniorenanlage mit Wellness-Abteilung.

Was ist eigentlich verkehrt daran? Wir leben doch nur einmal – zumindest auf dieser Erde! „Größtmögliches Maß an Glück, die größtmögliche Summe an Lust für die größtmögliche Zahl an Menschen zu erreichen“ – das war die Devise des englischen Philosophen und Sozialreformers Jeremy Bentham (1748–1832). Seine Gedanken sind bis heute aktuell, natürlich vorrangig bei Menschen, die meinen, dass es kein Leben nach dem Tod gibt und darum alles in den wenigen Jahrzehnten des irdischen Lebens erreicht werden muss – koste es, was es wolle. Plante nicht auch der Kommunismus das Paradies auf Erden?

Dieses Denken begann allerdings nicht erst mit J. Bentham. Schon in der Antike waren Einschränkungen und menschliches Leid ein großes Übel. Lag es vielleicht daran, dass die antiken Götter unsterblich und ewig jung waren und keine Vergänglichkeit und kein Leid kannten?

Jenseits von Eden …

Doch unsere Welt ist nicht heil! Daran ändern auch die Ideologien nichts. Sie sind etwas „Ausgedachtes“, menschliche Ideen, deren Realisierung grundsätzlich zum Scheitern verurteilt ist, weil die Sünde uns Menschen unfähig macht, das Gute zu tun. Darum gibt es nie endendes Leid auf dieser Erde. Es ist durch uns verursacht – das ist die bittere Realität. Aber das ist nicht alles!

Wenn Gottes Sohn leidet

Warum änderte Jesus Christus nicht mit einem göttlichen Befehl alles Leid dieser Welt? Warum litt er selbst in unfassbar schrecklicher Intensität – und das für uns sündige Menschen?

Spätestens seit Jesus Christus auf dieser Erde litt und schlussendlich durch sündige Menschen an das Kreuz genagelt wurde, müssen wir Leid total anders bewerten. Seine Leiden am Kreuz auf Golgatha sind mehr als sinnvolle Leiden, ja, es sind herrliche Leiden, weil er sich aus Liebe freiwillig bis in den Tod opferte, um Erlösung zu schaffen. Und war nicht schon sein Weg aus der himmlischen Herrlichkeit auf diese Erde eine unvergleichbare Erniedrigung (Philipper 2,5-11)?

„Nimm teil an den Leiden!“

Vielleicht war Timotheus erschrocken, als Paulus ihm schrieb: „Nimm teil an den Leiden als ein guter Streiter Christi Jesu!“ (2. Timotheus 2,3). Ist es nicht normal, allen Schwierigkeiten möglichst aus dem Weg zu gehen?

„Nimm teil!“ Paulus will Timotheus klarmachen, dass ein Mitarbeiter (Streiter) Gottes nicht vor Problemen flüchtet, die sich zwangsläufig mit dem Auftrag Gottes ergeben, sondern sie bewusst annimmt. „Nimm teil!“, das heißt auch, dass es weitere Christen gibt, die sich im Werk Gottes abmühen und sich über jeden freuen, der sich dazustellt und engagiert mitarbeitet. „Nimm teil!“, das heißt auch: Sei nicht „leidensscheu“, sei kein „unmännlich verzärtelter Typ“, sondern jemand, der zu kämpfen gelernt hat!

Jetzt für Jesus Christus leben

Das ist unsere Chance und Aufgabe. Was darf es kosten, ein Mitarbeiter des Herrn Jesus zu sein? Dazu fällt mir Epaphroditus ein, der mutige Mann aus der Gemeinde Philippi (Philipper 2,25ff.), der den risikoreichen Auftrag übernimmt, mit einer hohen Summe Geld zu Paulus nach Rom zu reisen. Nicht mit einem gemeinde-eigenen Jet, sondern mit den beschwerlichen Transportmitteln der damaligen Zeit. Vielleicht per Frachtschiff und zu Fuß.

Epaphroditus hat dabei sein Leben aufs Spiel gesetzt und war „dem Tode nahe gekommen“. Was da wirklich passiert ist, wissen wir nicht. Wurde er ernstlich krank? War er wegen des Geldes in Kämpfe und Auseinandersetzungen verwickelt worden? Das wissen wir nicht. Nur das ist klar: Epaphroditus hat sein Leben im Dienst für Gott und für seine Brüder und Schwestern in Philippi eingesetzt. „Haltet solche in Ehren“, schreibt Paulus.

Das sind auch heute die Männer und Frauen, die ihre eigenen Wünsche hintenan stellen, die bereit sind, sich auch für eine Zeit von ihrer Familie zu trennen, um irgendwo im Werk Gottes mitzuarbeiten. In manchen Liedern „geben wir uns total hin“, „mit unserem ganzen Sein“, und viele sind „bereit, für Jesus zu sterben“ – wobei das Letzte in unserem Land derzeit kaum eintreten wird. Aber unser Leben könnten wir jetzt investieren, auch wenn das anstrengend wird. Und: Gott sieht den ehrlichen Einsatz, und es ist nicht entscheidend, was getan wird.

Christen mit Profil

Der Begriff „Charakter“ bedeutet (altgr.) „Prägung“. Unser Charakter (auch der geistliche) entsteht in der Auseinandersetzung mit den vielfältigen Einflüssen in unserem Leben – und wie wir darauf reagieren. Entscheiden wir uns für das Richtige und Gute? Für das Schwere oder das Leichte? Oder sogar für das Falsche und Schlechte? Wie verhalten wir uns in Situationen und Prozessen, die uns nicht gefallen? Z. B. wenn wir krank oder arbeitslos werden? Oder wenn es in der Firma knirscht, oder wenn wir ungerecht behandelt werden?

Auch die Ereignisse, die wir menschlich negativ bewerten, können zum Plan Gottes gehören, um unseren Charakter zu formen und unserer Persönlichkeit Profil zu geben. Doch wie entstehen Profile? Je nach Material werden Profile geschnitten, gefräst, gepresst, geätzt oder geschliffen – und das ist oft ein „gravierender Eingriff ins Material“. So lässt Jesus Christus Ereignisse in unserem Leben zu, die uns prägen, die uns umgestalten in das Wesen unseres HERRN und uns zum Dienst in Familie, Gemeinde und Gesellschaft qualifizieren.

Wir folgen einem HERRN, der Hunger und Schmerzen erlebte, der abgelehnt wurde, keine Anerkennung erwartete und oft einsam war. Wer diesem HERRN nachfolgt, vergisst sich selbst, erträgt für eine begrenzte Zeit (2Kor 4,17) Leiden und lebt aus der kommenden Herrlichkeit – einer Herrlichkeit, die ein „überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit“ hat.

 

„Sein Kreuz tragen“

Diese Redewendung geht auf folgendes Vorbild zurück: Das Kreuz ist durch die Kreuzigung Christi zum beherrschenden Symbol der christlichen Kirche und Weltanschauung geworden. Viele Redensarten haben sich aus populären Zitaten des Neuen Testamentes entwickelt. Bei Matthäus 10,38, Lukas 14,27 und an anderen Stellen heißt es: „Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ Seit dem 13. Jahrhundert ist diese Wendung im übertragenen Sinn zum Ausdruck für Kummer, Sorgen und Leid gebräuchlich geworden.