Schritte zu einem intensiven Gebetsleben (3)

3. Schritt: Bitten und Gottes Handeln erwarten

Abraham gilt als Vorbild des Glaubens. Zu Recht. Das heißt aber nicht, dass er keine Fehler gemacht hat. Tatsächlich ist es so, dass Abraham einen ganz bestimmten Fehler immer wieder gemacht hat.

Als er eine Zeit lang in Ägypten lebte, gab er seine gut aussehende Frau Sara als seine Schwester aus. Er hatte Angst, man könnte ihm Sara weg- und ihm selbst das Leben nehmen. Er benutzte eine Lüge, weil er Gott in dieser Sache einfach nicht vertrauen wollte (1. Mose 13,18-19). Trotzdem half Gott ihm in großer Freundlichkeit aus der Patsche. Später ist Abraham exakt das Gleiche bei König Abimelech von Gerar noch einmal passiert: Wieder flüchtete er sich in eine Lüge. Wieder gab er Sara als seine Schwester aus. Wieder hielt das Vertrauen zu Gott bei ihm nicht durch (1. Mose 20,2-5). Und wieder half ihm Gott sehr freundlich aus den entstandenen Schwierigkeiten. Und später noch, als die Erfüllung von Gottes Versprechen, er werde mit Sara einen Sohn haben, auf sich warten ließ, bewährte (zeigte) Abraham das Vertrauen zu Gott wieder nicht. Er ließ sich von Sara überreden und zeugte mit seiner „Hausangestellten“ Hagar ein Kind (1. Mose 16,1-3). Das führte später zu erheblichen Problemen. Trotzdem ließ Gott ihn nicht im Stich.

Wer den Gott der Bibel um etwas bittet, findet sich nicht selten in einer ähnlichen Situation wie Abraham wieder: Jetzt muss er das Vertrauen bewähren, bis die Erhörung des Gebets eintrifft.

Nun kann Gott sehr schnell sein. Ich selbst habe erlebt, wie er ein drängendes und schier unlösbares Problem innerhalb von nur 15 Minuten geräuschlos und höchst elegant aus dem Weg räumte. Aber das ist nicht immer so. In der Regel vergeht zwischen Bitte und Erfüllung der Bitte eine gewisse Zeit. In dieser Zeit muss das Vertrauen zu Gott bewährt werden.

Wer betet, muss Gottes Handeln erwarten und das Vertrauen zu ihm bewähren.

Für mich persönlich war das eine schwere Lektion. Bei mir lief es manchmal so: Tauchte ein Problem auf, dessen Lösung nicht abzusehen war, bat ich Gott um Hilfe. Gleichzeitig war ich aber oft ungehalten darüber, dass dieses Problem überhaupt da war. Warum hatte Gott das nur zugelassen, dass ich in eine so schwierige Situation geraten war? Ich wurde schnell mutlos und konnte mir auch überhaupt nicht vorstellen, wie Gott diese unangenehme Sache in den Griff kriegen könnte. Missgelaunt und gereizt ließ ich das Vertrauen zu ihm in dieser Angelegenheit los und versuchte, die Sache zu vergessen. Ich bewährte das Vertrauen nicht. Ich machte den gleichen Fehler wie Abraham.

Doch glücklicherweise geschah anschließend das Gleiche wie bei Abraham: In seiner großen, großen Freundlichkeit und Geduld nahm Gott sich trotz meines mangelnden Vertrauens der Sache an, erhörte zu seiner Zeit mein Gebet vollständig und half mir aus der Patsche. Das tat weh. Ich hatte mich bis auf die Knochen vor Gott blamiert und bat ihn sehr zerknirscht um Vergebung. Das wiederholte sich einige Male. Und immer wieder reagierte Gott in gleicher Weise: Ungeachtet meines mangelnden Vertrauens half er mir nach einer Weile umfassend aus meinen Schwierigkeiten heraus. Jedes Mal, wenn das geschah, war es umso peinlicher für mich. Gottes Güte beschämte mich sehr.

Dann stieß ich in der Bibel auf die eingangs erwähnten Berichte von Abraham. Ich begriff: Abraham hatte ein ganz ähnliches Problem gehabt wie ich! Er bewährte das Vertrauen auf Gott in schwieriger Lage nicht, sondern gab es vorzeitig auf. Gott half ihm zwar dann trotzdem (genau wie bei mir), gleichwohl war das Versagen Abrahams unübersehbar (ebenfalls wie bei mir). Ich begriff: Ich machte andauernd den gleichen Fehler wie Abraham.

Das brachte mich zum Umdenken. Ich fasste einen Entschluss: Das sollte mir nicht noch mal passieren, dass ich das Vertrauen zu Gott aufgab, nur um dann wenig später von seiner großen Güte und Freundlichkeit beschämt zu werden. Das wollte ich in Zukunft anders handhaben. Ich wollte Abrahams Fehler nicht endlos wiederholen!

Wenn ich heute in eine schier ausweglose Lage gerate und versucht bin, alten Verhaltensmustern zu folgen und übellaunig und gereizt das Vertrauen zu Gott in irgendeiner Angelegenheit abzubrechen, dann stelle ich mir selbst konsequent die Frage: „Willst du es wirklich wieder wie Abraham machen und am Ende von Gottes Güte beschämt werden? Willst du wirklich Abrahams Fehler noch einmal wiederholen?“ Meine Antwort lautet dann natürlich „Nein“, und so gebe ich mir Mühe, das Vertrauen zu Gott aufrechtzuerhalten und sein Handeln zu erwarten. Und wenn das dann kommt, ist die Freude umso größer.

Jeder, der treu in der Nachfolge Jesu unterwegs ist, muss lernen, auf Gottes Handeln zu warten, nachdem er ihn um etwas gebeten hat. Gott hetzt nicht. Er nimmt sich Zeit, und sehr oft erhört er unser Gebet anders (und viel besser!), als wir es uns ausgedacht und vorgestellt haben. Zwischen unserem Gebet und dem Moment, wo Gott handelt, liegt sehr oft eine Zeit der Bewährung unseres Vertrauens. Das heißt: Wir wissen zunächst nicht, wann und wie Gott unser Gebet erhören wird. Wir wissen nur, dass er sich der Sache, die wir vor ihn gebracht haben, ganz bestimmt annimmt. Bis es so weit ist, bewähren wir das Vertrauen zu ihm. Wir werden nicht ungeduldig, nicht missgelaunt und auch nicht gereizt, sondern bleiben fröhlich. Wir bleiben auch in der Anbetung Gottes und im Gehorsam der Nachfolge Jesu.

Zu seiner Zeit und auf seine Weise wird Gott handeln. Und dann wird bei uns die Freude umso größer sein, weil wir das Vertrauen zu ihm bewährt haben und jetzt Gottes souveränes Handeln erleben.

Wer betet, erwartet Gottes Handeln.

In der Zeitspanne zwischen dem Gebet und dem Handeln Gottes bewährt er das Vertrauen. Er macht nicht den gleichen Fehler wie Abraham.

 

Fortsetzung folgt: 4. Schritt – Nach dem Willen Gottes bitten

Teil 1: Den Vater im Himmel kennen und lieben

Teil 2: Die Anbetung Gottes