Wie kommt es zur Gewissheit des Heils?

Vor einigen Jahren hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Ich war viele Jahre Schulelternbeirat in Haiger. An diesem Tag wurde unser Schulleiter verabschiedet. Nachdem wir alle unsere Reden gehalten hatten, saßen wir mit acht Personen an einem Tisch. Plötzlich fragte mich – so quer über den Tisch – ein ehemaliges Schulleitungsmitglied: „Herr Jaeger, darf ich Ihnen heute Mittag mal eine Frage stellen? Ich gehe ja auch in die Kirche, lese auch ab und zu in der Bibel. Aber Sie reden immer von einer Beziehung zu Jesus. Was meinen Sie damit?“ Nun – ich hatte das Essen schon auf dem Teller, aber das war für mich nun die Gelegenheit, vor den Ohren aller Tischnachbarn das Evangelium zu erklären.

Was hat dieses Erlebnis mit unserer Frage nach der Gewissheit zu tun?

Wer „nur“ in die Kirche geht, wer „nur“ Bibel liest etc., tut ja Gutes – aber das führt nicht zur Gewissheit. Vor Jahren sprachen wir in einem 8. Schuljahr über die Frage, wie man Christ wird. Ein Schüler meinte, indem er in die Kirche gehe. Ein anderer antwortete: „Du bist blöd. Wenn du eine Nacht in der Garage schläfst, wirst du auch kein Auto.“ Er hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Nun kann man gerade am Wort ‚Kirche‘ deutlich machen, worauf es ankommt. ‚Kirche‘ ist abgeleitet vom griechischen Adjektiv kyriake und heißt: „dem HERRN gehörig“. Zur wahren Kirche gehören also die, die dem Herrn Jesus gehören. Christ ist derjenige, der Christus in sich hat. Und damit kommen wir der Antwort auf die Frage nach der Gewissheit schon näher.

Entscheidend ist die Beziehung zu Jesus Christus

Glaube ist in der Bibel kein religiöser Fachbegriff, sondern hat immer mit Vertrauen in eine Person zu tun. Das Wort „Glauben“ kommt mehrere hundert Mal im Neuen Testament vor und nahezu immer festgemacht an dieser einen Person: Jesus Christus.

Es geht also um die Beziehung zu IHM. Wir glauben nicht an eine Gemeinde oder Kirche. Wir glauben nicht an eine Idee oder Ideologie. Wir glauben an Jesus, den Sohn Gottes.

Gerne vergleiche ich die Beziehung zu IHM mit meiner Ehe. Wenn mich jemand fragt, ob ich verheiratet bin, eiere ich nicht herum und sage so vage: „Bin mir nicht sicher“, sondern antworte freudig: „JA! Ich weiß, dass ich im Dezember 1981 meine Annette geheiratet habe.“ Als äußeres Zeichen trage ich einen Ring an der rechten Hand. Genauso weiß ich, dass ich im Januar 1969 mein Leben an Jesus Christus festgemacht habe.

Gewissheit hat also immer mit dieser Beziehung zu tun. Das kommt auch in vielen Stellen des Neuen Testaments zum Ausdruck. Lesen wir z. B. 1. Johannes 5,12.13: „Wer den Sohn hat, hat das Leben. Wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.“ Der Glaube an Jesus führt zur Gewissheit.

Der religiöse Mensch kennt keine Gewissheit

Religion (von lat. re-ligare = zurück-verbinden) hat immer mit Leistung zu tun. Der Mensch versucht aus eigener Kraft, eine Rückverbindung zu Gott zu schaffen. Er weiß genau, dass er nicht so ist, wie er sein müsste, um zur Gottheit zu passen. Und deshalb will er die Gottheit zufriedenstellen. Nun weiß er nie, ob er genug geleistet hat. Deshalb kennt der religiöse Mensch keine Gewissheit.

Leider stelle ich fest: Es gibt auch eine christliche Religion. Sie setzt auf Sakramente, die die Bibel als solche nicht kennt. Sie hat zu tun mit Menschen und menschlichen Vorschriften. Sie hat tun mit Pilgerstätten und Gegenständen. Schade, dass sehr bald im Laufe der Kirchengeschichte aus dem biblischen Evangelium eine christliche Religion wurde.

In den Religionen geht es um den Menschen und seine Leistung, im Evangelium geht es in erster Linie um Gott und seine Gnade.

Gewissheit kennt nur der begnadigte Sünder

Als Mensch bin ich in einer ausweglosen Lage. Ich kann mir selbst nicht helfen. Ich stecke im Sumpf der Sünde, aus dem ich alleine nicht herauskomme. Ich bin auf Gottes Hilfe angewiesen. Gnade ist das Entgegenkommen Gottes.

Ich kann Gott gar nichts bringen – nur meine Sünde. Und genau hier liegt das Geheimnis. Wenn ich als Mensch meine Hilflosigkeit erkenne, greift Gottes Liebe nach mir. Und diese Liebe ist so stark, dass Paulus in Römer 8 schreiben kann: „Nichts kann mich von dieser Liebe trennen, weder Tod noch Leben, weder Gewalten noch Mächte …“ (Lies die Verse 35-39.)

Gottes Liebe zeigt sich in Jesus Christus. Er starb für mich. Und sein vergossenes Blut ist das einzige „Sakrament“ (Heilmittel), das die Bibel kennt. Sein Blut wäscht rein von aller Sünde!

Deshalb – Gewissheit kennt nur der begnadigte Sünder. Und als solcher darf ich mich täglich freuen und meinem HERRN danken, dass ich ganz sicher weiß, dass ich eines Tages bei ihm sein werde. Denn:

„Ich weiß, wem ich glaube!”
(nach 2Tim 1,12)