Klare Kante bei der Verkündigung des Evangeliums

Im Wörterbuch der Redensarten steht unter „klare Kante zeigen“: „sich eindeutig positionieren; seinen eigenen Standpunkt klar nennen; sich abgrenzen; streng vorgehen.“

Das ist keine leichte Aufgabe für die Gemeinde Jesu. Auf der einen Seite ein wirksames Werkzeug in der Hand Gottes sein, aber gleichzeitig sensibel gegenüber den geistlichen Bedürfnissen der Menschen um uns her zu bleiben, also nicht „kantig“ sein.

Diese große Verantwortung aus Gründen der Bequemlichkeit zu vernachlässigen, wäre ein Verrat des biblischen Auftrags, den der Herr Jesus seinen Jüngern nach seiner Auferstehung erteilt hat: „In seinem Namen muss Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Völkern“ (Lukas 24,47). Der Apostel Paulus beschrieb ihn so: „So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“ (2. Korinther 5,20-21).

Die Botschaft, die wir bringen, ist nicht eine von vielen Wahrheiten, sondern wir verkündigen die Wahrheit als eine Person: Jesus Christus, und nur ihn allein. Wenn Leute rufen: „Das ist intolerant!“, dann sage ich: „Sie haben Recht!“ Es ist intolerant. Leider sind viele Christen so „tolerant“ und verschweigen, dass Jesus Christus allein die Wahrheit ist, zugunsten einer menschlichen, humanistischen oder religiösen Wahrheit, die aber keine Wahrheit ist. Da ist klare Kante gefordert! Da müssen wir uns eindeutig positionieren und streng vorgehen.

Zur Wahrheit gehört auch die Lehre der Hölle. Heute ist vielen Menschen die biblische Lehre der Hölle peinlich. Deswegen macht man bestenfalls Witze über sie. Tatsache ist aber, dass der Herr Jesus öfter von der Hölle als vom Himmel geredet hat. Mit gutem Grund. Er weiß, was für ein furchtbarer Ort sie ist, weil er sie erschaffen hat. Aber nicht für uns Menschen, sondern für den Teufel und seine Bande (Matthäus 25,41). Adam und Eva sind, als sie in Sünde fielen, von der Seite Gottes auf die Seite des Widersachers gewechselt und laufen, wie der Teufel, in Richtung Hölle. Und mit ihnen alle ihre Nachkommen.

Um den Menschen die Möglichkeit zu geben, von diesem „Weg des Verderbens“ (Matthäus 7,13) runterzukommen, ist der Sohn Gottes auf die Welt gekommen und hat am Kreuz den Preis bezahlt, den Gott für unsere Sünden festgesetzt hat: Tod, das heißt Trennung von der Quelle des Lebens. Als der Herr Jesus am Kreuz hing und es auf Golgatha finster wurde, da starb er und wurde für uns von der Quelle des Lebens getrennt. Mit seiner Auferstehung aus den Toten hat er den Weg bereitet, damit jeder, der ihm sein Leben anvertraut, gerettet wird (Johannes 3,16). Dieses Evangelium bekannt zu machen ist der Auftrag jedes Christen (2. Korinther 5,18-21).

Dieses Evangelium muss „den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben“ beinhalten (Judas 3). In der religiösen Welt gibt es viele Glaubensbekenntnisse, aber nur der Glaube, der aus der Verkündigung des Wortes Christi kommt (Römer 10,17), rettet von den Sünden (Galater 3,22-28). Kein anderes Glaubenssystem kann uns retten. Nur der Glaube an den Herrn Jesus rettet. Das ist die reine und einfache Botschaft des Evangeliums, offenbart von Jesus und seinen Aposteln.

Dieses Evangelium muss freimütig und kompromisslos gepredigt werden, so wie wir das z. B. auch bei Paulus und Barnabas sehen (Apostelgeschichte 9,27-29; 14,3; 19,8). Sie wollten nicht Menschen gefallen, sondern predigten, um Seelen zu retten, wobei sie bereit waren, um Christi Willen zu leiden (Galater 1,10). Merken wir, dass wir viel zu lernen haben?

Dieses Evangelium muss Sünde, Irrtümer und falsche Lehre deutlich ansprechen. Die Predigt des Paulus wurde nie durch Unsicherheit oder unverständliche Worte verdunkelt. Er predigte nicht Weisheit von Menschen, sondern leicht verständlich die Weisheit Gottes (1. Korinther 2,1-8; 5,1-8).

Heute wird so eine klare Haltung nicht überall gewünscht, aber Paulus warnte Timotheus: „Ich bezeuge eindringlich vor Gott und Christus Jesus, der Lebende und Tote richten wird, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre!“ (2. Timotheus 4,1-2).

Dieses Evangelium enthält positive und negative Botschaften! Viele Verkündiger wollen nur noch das Positive, jeder soll sich wohlfühlen. Nicht verurteilen, keine Namen nennen, keine Gefühle verletzen, stattdessen unterhaltsam sein. Immer mehr Verkündiger haben ihre geistliche Waffenrüstung samt dem Schwert des Geistes abgelegt und stattdessen ein Gewand der Beliebigkeit angelegt, mit einer Zuckerstange in der Hand. Ein Bruder plädierte für positives Predigen, weil man nach seiner Meinung mit Honig mehr Fliegen fangen kann. Das macht mich sehr traurig, wenn jemand die Verkündigung des Evangeliums mit Fliegenfangen vergleicht. War das die Methode Jesu? Nein. Der Herr Jesus war negativ, als er die Pharisäer zurechtwies (Matthäus 23). Paulus war negativ, als er Petrus zurechtwies (Galater 2,11- 14). Der Herr Jesus und die Apostel waren negativ, aber gleichzeitig auch sehr positiv, voller Liebe und Mitgefühl. Paulus zeigt das in seinem Brief an die Thessalonicher (1. Thessalonicher 2,3-8).

Nicht zuletzt muss dieses Evangelium aus Liebe zur Wahrheit und aus Liebe zu den Menschen verkündigt werden. Vielen mangelt es an dieser Liebe.

Schmerzt es dich, die vielen Menschen zu sehen, die das Wort Gottes hören, aber noch nicht errettet sind? Zu dieser Liebe gehört natürlich auch, von den Freuden und dem Lohn des Himmels zu reden. Zur klaren Kante gehört, Sünde anzusprechen und vor der Hölle zu warnen (Apostelgeschichte 18,1-11; 1Kor 6,9-11; 2Thes 1,9). Sünder müssen aufgefordert werden, umzukehren und dem Herr Jesus zu glauben. Aber dann sollen sie sich an allem freuen, was ihnen der Herr Jesus mit der Errettung schenkt.

Lass dich neu entzünden für diesen kostbaren „… Dienst, den (auch du) von dem Herrn Jesus empfangen (hast): das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen“ (Apostelgeschichte 20,24).