Gebetserhörung – Fehlanzeige?

Seit Langem bete ich für eine Familie, dass sie doch endlich Frieden mit Gott findet. Bisher hat sich nicht viel getan. Trotzdem bin ich zuversichtlich, denn ich weiß: Gott erhört Gebet. Aber ich weiß auch, dass Gott am Willen der Menschen Halt macht. Er drängt sich niemandem auf und respektiert unsere Entscheidung.

Die Frage ist: Was, wenn sich diese Menschen, für die ich bete und die ich sehr liebe, nicht für Jesus entscheiden? Muss ich dann sagen: „Gebetserhörung – Fehlanzeige?“ Nein, das kann ich so nicht bestätigen.

Von Beginn meines Glaubenslebens an erlebte ich immer wieder, wie Gott Gebete erhört. Wenn manche heute keine solche Erfahrungen mehr im Gebet machen, sollten sie sich fragen, woran das liegen kann: Bete ich zu selbstsüchtig, zu egoistisch? Frage ich nicht zuerst nach dem Willen Gottes, sondern eher nach meinen Wünschen? Wo ist mein Vertrauen zu dem lebendigen Gott? Der Apostel Johannes fordert uns auf: „Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass er uns hört, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten“ (1Jo 5,14).

Um auf das oben Geschriebene zurückzukommen: Ist es nicht Gottes Wille, dass Menschen errettet werden? Doch, es ist sogar sein erklärter Wille. Das steht deutlich in 1. Timotheus 2,4: „Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ Wie gesagt, Gott macht Halt am Willen des Menschen. Er drängt sich niemals auf. Letztlich bleibt die Entscheidung, ein Leben mit dem Herrn Jesus zu leben, ganz in der Hand des Menschen. Aber Gott wird ihnen helfen, die rechte Entscheidung zu treffen.

Wie ist das nun, wenn ich um andere Dinge bitte? „Wenn wir etwas bitten nach seinem Willen.“ Das habe ich im Laufe meines Glaubenslebens oft erlebt. Gott erhört Gebet. Manchmal tut er es ganz anders, als wir es uns vorstellen oder wünschen. Gott ist souverän und kein Gebetsautomat oder Wunscherfüller. Aber er ist ein liebender Vater, der darauf achtet, dass seine Kinder das haben, was sie bedürfen.

1980 begann mein Dienst bei der Barmer Zeltmission. Der erste Wagen war ein alter Bauwagen, bei dem, wegen des Gewichts, ständig die Reifen platzten. So beteten wir für einen Wohnwagen. Der sollte auch geeignet sein, meine Familie (also mehrere Personen) unterzubringen, wenn sie mich am Missionszelt besuchten. Wir fanden bei einem Händler einen Wagen, der uns geeignet schien. Jetzt ging es darum, dass der Wagen von der Zeltmission gekauft wurde. Meine Kinder beteten wie die Weltmeister. Als unser Vorstand dem Kauf zustimmte, schrie meine Tochter (damals 9): „Beten nützt doch etwas!“ So lernten auch schon meine Kinder recht früh, Gott zu vertrauen. Ja, beten nützt etwas!

Und wenn Gott unsere Gebete so nicht erhört? Dann hat er einen anderen, besseren Plan, auch das habe ich immer wieder erfahren dürfen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir in unseren Gebeten immer zuerst nach dem Willen des himmlischen Vaters fragen. Das hat selbst unser Herr so praktiziert. Ihm ging es immer um die Verherrlichung des Vaters. „Dein Wille geschehe!“ war sein Credo, als er, kurz vor seiner Gefangennahme, im Garten Gethsemane im Gebetskampf lag. Sein Gehorsam Gott gegenüber brachte ihm den furchtbaren Tod am Kreuz. Sollten nicht auch wir in unseren Gebeten dahin kommen zu sagen: „Dein Wille geschehe!“?

In einem Brief des Apostels Paulus lesen wir, dass er „einen Pfahl im Fleisch“ hatte (2Kor 12,7). Was genau das war, lässt die Bibel offen. Auf jeden Fall scheint es dem Apostel zu schaffen gemacht zu haben. Dreimal flehte er deshalb zu dem Herrn (Vers 8). Gottes Antwort fiel anders aus, als er es sich gewünscht und erfleht hatte. „Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne“ (2Kor 12,9). Paulus genügte das. Ja, noch mehr, er kommt dahin zu sagen: „Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“(2Kor 12,10).

Hat nun Gott sein Gebet erhört? Ich meine: JA, das hat er. Aber total anders als Paulus es erbeten hatte. Für den Apostel war eines immer wichtig, dass der Herr groß und verherrlicht wird. Lernen wir, dem Herrn zu vertrauen; er weiß schon, was morgen ist! Wir wissen nicht einmal, was die nächste Minute bringt.

 

Welche Gebete erhört Gott?

Gott erhört alle die Gebete, …

  • die nach seine Willen sind und
  • die nicht aus einem selbstsüchtigen Herzen kommen.

Er antwortet auf sie, wenn sie …

  • glaubend und
  • ohne Zweifel vor ihn gebracht werden.

Welche Gebete erhört Gott nicht?

Gott erhört die Gebete nicht, …

  • die gegen seinen heiligen Willen sind;
  • die aus unlauterem und unversöhnlichem Herzen kommen;
  • die leichtsinnig und gedankenlos heruntergeplappert und im Unglauben gesprochen werden.