Weihnachten – und Gott schweigt …

Achtzig Verse weit ist Lukas schon gekommen in seinem Evangelium. Gott hat geredet – durch sein Wort, durch Engel und Visionen, im Tempel und zuhause, durch Wunder, zu glaubenden Frauen und einem zweifelnden Mann, durch ein ungeborenes Kind und den Heiligen Geist, durch Lobpreis und Weissagung.

Gott sendet auf jedem Kanal und macht sich jedem verständlich.

Und dann wird’s ernst für Maria: die Zeit der Geburt naht. Der Bauch ist dick, das Bewegen fällt schwerer – und dann der Marschbefehl in den Süden! Ausgerechnet jetzt fällt dem Kaiser ein, dass er gerne seine Steuertabellen überprüfen würde! „Gott, hast du das mitbekommen? Was sollen wir machen – soll ich Maria in dem Zustand auf einen Esel setzen? Es geht doch um deinen Sohn – könntest du da nicht eine Ausnahmeregelung für uns erwirken …? Nein? Doch? …“

Der Himmel schweigt. Und Josef folgt den Umständen.

Sie reisen. Es kommt, wie es kommen musste: die Wehen setzen ein. Sie sind erleichtert, in Bethlehem zu sein. Hier müsste sich doch ein ruhiges und sauberes Plätzchen finden, um das Kind zu bekommen! Leider nicht. Auch die letzte Herberge ist ausgebucht. „Gott, wo bist du? Wir brauchen dich jetzt dringend! Wir sind hier mit deinem Sohn unterwegs. Erste Geburt, keine Ahnung, keine Hilfe und noch nicht mal ein Zimmer – was soll ich mit meiner Maria tun?“

Der Himmel schweigt wieder. Und Josef folgt seinem Verstand. Wenn’s ernst wird, ist man doch auf sich alleine gestellt …

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Oder? Schwieg der Himmel wirklich?

Josef folgte den Umständen – und landete genau in dem Dorf, für das Micha 500 Jahre früher die Geburt des Messias vorhergesagt hatte.

Josef folgte dem Verstand – und erlebte so, wie exakt Gottes unterschiedliche Wege mit unterschiedlichen Menschen zusammenpassen. Hirten kommen, und sie wissen Bescheid.

„Woher wisst ihr, dass wir hier sind?“

„Hat uns ein Engel eben auf dem Feld gesagt.“

„Wow! Ich wünschte, der wäre auch mal wieder zu uns gekommen – wir wollten unser Kind eigentlich nicht in einer Futterkrippe unterbringen …“

„Wir sind heilfroh, dass ihr das Kind nirgendwo anders hingelegt habt. Die Krippe war das Erkennungszeichen, das uns der Engel genannt hat!“

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Manchmal hörst du Gott laut und unüberhörbar. Und manchmal erwartet er, dass du das nutzt, was er bereits früher gezeigt oder geschenkt hat. So oder so bringt er dich dorthin, wo dich dein Nächster braucht, wo sich seine Pläne erfüllen – wo ER heute in dir zur Welt kommen will.