Warum wir von Gott begabt werden müssen

„Ich werde meine Gemeinde bauen!“
(Matthäus 16,20)

Diese prophetische Aussage des Herrn Jesus enthält eine ungeheure Tragweite. Mit seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung legte er selbst das Fundament (1Kor 3,11) für dieses Bauwerk. Er selbst ist der Eckstein, auf den alles gründet und nach dem der ganze Bau ausgerichtet wird (Eph 2,20).

Die Gemeinde ist sein Vorsatz und sein Werk. Er baut sie nach seinem Plan, sowohl räumlich (die ganze Welt, alle Nationen) als auch zeitlich (von Pfingsten bis zur Entrückung). Dieses Bauwerk besteht aus allen erlösten Menschen, aus „lebendigen Steinen“ (1Pet 2,5), die aufgebaut werden zu „einem heiligen Tempel im Herrn“ (Eph 2,21).

Gottes Baustelle

Diese Menschen sind Gottes Werk, „eine neue Schöpfung“ (2Kor 5,17), „geschaffen in Christus Jesus“ (Eph 2,10).

Die eigentlichen Bauarbeiten begannen an Pfingsten mit dem Kommen des Heiligen Geistes. Bis zu jenem Zeitpunkt waren die Arbeiter noch nicht aktiv geworden. Ihr Herr hatte ihnen sogar den ausdrücklichen Befehl gegeben, noch nicht anzufangen, sondern auf die besondere Befähigung aus dem Himmel, „die Verheißung des Vaters“ (Apg 1,4) zu warten: „… ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt; und ihr werdet meine Zeugen sein …“ (Apg 1,8).

Der Unterschied zwischen den Jüngern vor und nach Pfingsten gibt eine überaus deutliche und anschauliche Antwort auf die Frage im Titel, „warum wir von Gott begabt werden müssen“.

Ist es nicht rätselhaft, dass die Jünger – obwohl sie den Sohn Gottes während seines Lebens auf der Erde so hautnah erlebt und seine vollkommene Belehrung genossen hatten – ohne Pfingsten untaugliche Arbeiter geblieben wären? Petrus wäre wohl wieder fischen gegangen, und die anderen Jünger mit ihm (Joh 21,3). Nun aber steht er, erfüllt mit dem Heiligen Geist, vor einer großen Menschenmenge und predigt furchtlos das Evangelium. Er fordert seine Landsleute, die den Messias getötet hatten, zur Buße auf. Die Botschaft erschüttert die Zuhörer und 3.000 unter ihnen bekehren sich (Apg 2,37-41).

Der Mensch tut alles, aber Gott wirkt alles. Der ungläubige Beobachter sieht an Pfingsten nur einen predigenden Fischer. Das Auge des Glaubens aber sieht einen durch den Heiligen Geist begabten Menschen, der zum Sprachrohr Gottes wird. Hatte Jesus seinen Jüngern nicht gesagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5)?

Bis zum Ende der Apostelgeschichte finden wir fortlaufend dieses Prinzip. Der Herr Jesus baut, wie er es vorausgesagt hatte, „ich werde meine Gemeinde bauen“. Der Bauleiter ist der Heilige Geist. Er „erfüllt und befähigt die Gläubigen“, „spendet Trost“, „redet“, „führt“, „bezeugt“, „sendet“, „setzt Älteste ein“, usw. Doch sehen kann ihn niemand. Gesehen werden nur die immer zahlreicher werdenden Bauleute – die Apostel und die Menschen, die durch sie zum Glauben kommen und ihrerseits Zeugen Jesu werden.

Die Apostelgeschichte nimmt ihren Lauf. Die ersten Märtyrer sterben. Das Evangelium erreicht die Heiden jenseits der Grenzen des römischen Weltreiches. Mit fortlaufender Niederschrift der Bücher des Neuen Testamentes ebben die Zeichen und Wunder ab, die der Heilige Geist unter den ersten Zeugen gegeben hat. Doch es wäre ein großer Irrtum zu glauben, dass er deshalb in seiner Wirksamkeit nachgelassen hätte. Die Bauweise, nach der die Gemeinde Jesu gebaut wird, ist grundsätzlich gleich geblieben.

Auch heute können Menschen nur zum Glauben kommen, wenn der Heilige Geist das Gewissen „überführt“ (Joh 16,8), den „Sohn Gottes offenbart“ (Gal 1,16) und Licht zum Verständnis gibt „für die Dinge, die uns von Gott geschenkt sind“ (2Kor 2,12). Das Gebet des Paulus für die Epheser (Eph 3,16-19) hat auch nach zweitausend Jahren Kirchengeschichte nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Auch wir brauchen heute den Heiligen Geist genauso zur Stärkung des inneren Menschen und zum Erkennen der „die Erkenntnis übersteigende Liebe Gottes“.

Wenn aber Bekehrung und Wachstum im Glauben nicht ohne den Heiligen Geist möglich sind, dann muss er auch bei allen anderen Tätigkeiten auf der göttlichen Baustelle beteiligt sein. Ohne ihn kann der Bauplan nicht gelingen. Die spezielle Befähigung der einzelnen Bauarbeiter, ihre Beziehungen untereinander, das Koordinieren ihrer Arbeits- und Verantwortungsbereiche usw.

Was gäbe es, wenn sich der große Urheber, Planer, Ausrüster und Leiter zurückzöge? Übrigbleiben würde wohl ein buchstäblich Heil-loses Durcheinander. Keine Frage, wir müssen von Gott begabt werden!