Von Plänen und Planänderungen

Eigentlich wollte ich heute nach Kolumbien fliegen – heute nachmittag um 15 Uhr wäre es von Amsterdam aus losgegangen. Aber aus gesundheitlichen Gründen haben meine Frau und ich vorgestern beschlossen, die dreiwöchige Reise abzusagen. Jetzt sitze ich hier mit gemischten Gefühlen. In meinem Kopf weiß ich, dass unsere Entscheidung gegen die Reise richtig ist – und doch wäre ich gerne gegangen. Das zeigt deutlich, dass es keine direkte Verbindung zwischen unseren Gedanken und unseren Gefühlen gibt. Gefühle verändern sich. In Höhen und Tiefen erleben wir Augenblicke des Friedens und der Unruhe, der Freude und des Frusts. Vielleicht ist es deshalb so wichtig, dass unser Leben mit Jesus auf dem Wissen um seine Offenbarung und dem Vertrauen auf seine Verheißungen beruht – nicht auf unseren Gefühlen. Gefühle und Erfahrungen können wunderschön sein, aber sie sollten keine Führungsrolle übernehmen. Manchmal täuschen sie uns. Manchmal sind wir aufgerufen etwas zu tun, das im Widerspruch zu unseren Gefühlen steht. Viele biblische Beispiele machen das sehr deutlich!

Wenn der Herr es will

Unerwartete Veränderungen der Umstände haben Auswirkungen in der Praxis. In den letzten zwei Tagen habe ich die Leute kontaktiert, die von unserer Absage betroffen sind, um zu erklären und um Entschuldigung zu bitten. Wenn wir Pläne machen,wollen wir sie gewöhnlich auch umsetzen. Es ist nicht falsch zu planen. Es ist sogar nötig und gut Pläne zu machen – aber immer mit einem Bleistift, nicht einem Kugelschreiber! – In Kolumbien ist es eine Angewohnheit der Kultur zu sagen: „Si Dios quiere“ – „Wenn Gott es will“ – nachdem man von einem Plan oder einem zukünftigen Ereignis gesprochen hat. Ich glaube, sogar Atheisten sagen es automatisch! Europäische Christen haben diesen Ausdruck früher auch oft benutzt. Beim Schreiben wurde gewöhnlich eine Kurzversion benutzt: „DV“ für das lateinische „Deo volente“ – „Wenn Gott es will“. Die Begründung finden wir in Jakobus 4,15: „Ihr solltet vielmehr sagen: ‚Wenn der Herr es will, werden wir leben und dieses oder jenes tun.‘“ (NeÜ)

Der Herr lenkt unsere Schritte

Hast du schon geplant, was du nach dem Sommer studieren möchtest? Hast du deinen Urlaub geplant? Überlegst du, noch ein Kind zu bekommen? … eine neue Beziehung einzugehen? … einen anderen Job zu suchen? Welchen Stellenwert gibst du dem Herrn Jesus, den Bedürfnissen seiner Gemeinde und seinem Reich in deinem Entscheidungsprozess? Bist du offen dafür, wenn er sich vielleicht einschaltet? Kannst du die Hand des Herrn auch in diesen unangenehmen Planänderungen oder Rückschlägen sehen? – Der weise Salomo schrieb: „Das Herz des Menschen plant seinen Weg, aber der HERR lenkt seinen Schritt“ (Spr 16,9). Letztendlich hat Gott alles in der Hand. Es ist gut, sich daran zu erinnern! Es hilft auch den Frust, den ich gerade spüre, zu besänftigen.

 

Zuerst erschienen bei PhilippNunn.com (Juni 2014)