Vollkorn Bibelleseplan und Gesprächsführer

Viele Christen halten es für richtig, kontinuierlich Bibel zu lesen. Aber es gelingt nicht wirklich. Häufig bleibt die Praxis hinter dem Ideal zurück, das man selbst für richtig hält. Da kann es eine Hilfe sein, wenn man ein Geländer hat, an dem man sich in seiner Bibel entlang bewegt.

Eine andere Erfahrung ist diese: Wenn man Bibel gelesen, vielleicht sogar gemeinsam gelesen hat und eigentlich über den Text reden möchte, weiß man nicht, wie man anfangen soll. Irgendwie fehlt der „Griff“, an dem man den Text anpacken kann.

Das sind die beiden Gründe, die maßgeblich zu dem Bibelleseprojekt „Vollkorn“ führten, das ab der Januar-Ausgabe 2016 der „G (Gemeinde Aktuell)“ ein Begleiter bei der persönlichen Bibellese sein kann.

Um die Entscheidung zu erleichtern, ob man mit diesem Vorschlag arbeiten will, erscheint hier schon einmal ein Steckbrief dieses Bibelleseplanes und Gesprächsführers.

1. Aufbau

Dieser Plan enthält 3 Bausteine:
1.  Einen Text für eine tägliche Bibellese.
2.  Fragen zu jedem Text, die zum persönlichen Nachdenken oder zum gemeinsamen Gespräch anregen sollen.
3.  Einen Lösungsteil (an anderer Stelle in der jeweiligen Nummer der „G“ platziert).

2. Prinzip

  • Pro Woche sind 6 Einheiten vorgesehen. Wer einen Tag verpasst – und in jedem Haus gibt es Tage, die etwas unüblich ablaufen – hat damit die Möglichkeit, den Anschluss wiederzugewinnen.
  • Der Textumfang ist so gewählt, dass man nicht mehr als fünf Minuten für die Textlese benötigt, wenn man den Text laut liest. Das ist etwa ein Kapitel. Bei inhaltlich dichten Texten ist der Umfang oft geringer.
  • In vier Jahren hat man die komplette Bibel gelesen (Ausnahme: Die beiden Chronik-Bücher)
  • Die Bücher werden immer als ganze Bücher gelesen. Lediglich längere Wiederholungen oder umfangreiche Geschlechtsregister werden übersprungen. Es gibt eine relativ willkürliche Mischung von Texten aus dem AT und NT. Lediglich die Psalmen und Sprüche sind in Gruppen zwischen anderen Texten platziert.
  • Jedes Buch beginnt am ersten Tag mit einer Einführung, die einige Informationen zur Zeit der Entstehung, zum Verfasser und einige Besonderheiten des Buches liefert. Außerdem findet sich dort ein Vers, der so etwas wie ein Leitvers des ganzen biblischen Buches ist.

3. Fragen

Sowohl für die Fragen als auch für die Antworten gab es bei der Konzeption von „Vollkorn“ ein festes Platzlimit. Deshalb sind sie recht knapp gehalten, aber man hat immerhin eine Orientierung, in welche Richtung sich die Gedanken bewegen können.
Die Fragen haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und können sich im „Typ“ unterscheiden. Es gibt Verständnisfragen, Anwendungsfragen, Querverweise usw. Die Fragen beziehen sich häufig auf Formulierungen, wie man sie in der Elberfelder Bibel findet. Deshalb ist die Verwendung dieser Übersetzung ratsam, aber keine Bedingung.
Aus Platzgründen ist es nicht möglich, in der „G“ eine Fläche für die individuelle Beantwortung der Fragen vorzusehen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es sehr ratsam ist, eine Antwort nicht nur zu denken, sondern auch zu notieren. Was man schon einmal geschrieben hat, hat man wirklich zu Ende gedacht. Besonders wenn irgendeine Gesprächsebene vorgesehen ist, bei der man die Antworten noch einmal benötigt, ist eine Niederschrift unverzichtbar.
Es gibt einige Fragen, die mit geographischen Gegebenheiten zu tun haben. Man sollte also eine brauchbare Karte griffbereit haben. Besonders in den geschichtlichen Büchern ist ein gelegentlicher Blick zur Landkarte fast unverzichtbar.

4. Anmerkungen für Gruppen

Das Material eignet sich gut für verschiedene Arten von Gesprächskreisen. Einer der Vorteile ist, dass sich die individuelle Bibellese und der Gesprächskreis mit dem gleichen Text befassen. Wenn Gruppen dauerhaft gut laufen sollen, ist die Beachtung von ein paar Regeln unverzichtbar:

Stabile Leitung

  • Die Gruppentreffen leiten: Anfang, Ende, Gebet, Gesprächsführung, Gesprächsinhalte festlegen.
  • Die Teilnehmer beobachten: Haben sie ihren Text bearbeitet? Gibt es Hindernisse, bei denen man ihnen helfen kann?
    Arbeiten sie kontinuierlich oder schreiben sie hastig eine Stunde vor dem Treffen ein paar Worte hin? Manchen muss man helfen, einen festen Zeitpunkt im Tagesrhythmus zu finden. Verstehen sie den Bibeltext? Haben sie die für sie passende Übersetzung?
  • Sollte ein Termin ausfallen, dann umgehend einen neuen organisieren und alle informieren.
  • Gesprächsführung: Der Gruppenleiter muss nicht besonders viel reden, aber gut führen. Die Vielredner etwas bremsen, die Vorsichtigen ermutigen.

Häufigkeit und Zeitrahmen

  • Da jeder täglich seine Bibel in der Hand hat, sind 14-tägige Treffen vollkommen ausreichend. Man hat dann Gesprächsstoff aus 12 Tagen – das passt gut.
  • Wie lange sollte ein Gruppentreffen sein?
    Für manche Leute ist Zeit ein wertvolles Gut. In der Regel wird es geschätzt, wenn es ein festes Zeitmaß gibt. Wir setzen meist 90 Minuten an, da bleiben nach 10-15 Minuten „Anlaufzeit“ immer noch 75 Minuten für konzentrierte Arbeit am Text.

Inhalte der Gruppengespräche

  • Es  ist nicht unbedingt erforderlich, dass jeder Teilnehmer zu jeder Frage seine Antwort vorträgt. Das kann man bei ausgewählten Fragen machen. Man kann auch die Teilnehmer fragen, was ihnen besonders aufgefallen ist. Wichtig ist auch, dass es Raum gibt für Fragen, die den Teilnehmern beim Lesen der Bibeltexte aufgefallen sind – selbst wenn sie nicht unmittelbar mit dem Text zusammenhängen. Manchmal sind das die wichtigsten Fragen.

Keine passiven Teilnehmer

  • Es sollten keine Leute am Gruppengespräch teilnehmen, die nicht auch individuell mit dem Material arbeiten. Wenn es doch geschieht, wird es bald unbefriedigend, weil die Ausgangslage zu unterschiedlich ist. Für die „Nichtleser“ müssen immer wieder Dinge erklärt werden, die sie wüssten, wenn sie den Text gelesen hätten. Das langweilt die „Leser“. Lässt man die Erklärungen für die „Nichtleser“ weg, verstehen sie vieles nicht. Deshalb: Nur Leute in die Gesprächsgruppe, die auch mit dem Text arbeiten (Wenn jemand ausnahmsweise seine Texte nicht gelesen hat, dann ist eine Teilnahme natürlich kein Problem. Im Gegenteil, sogar sehr erwünscht).

Wenn wir Gottes Wort lesen, dann nicht nur, um biblische Geschichte kennenzulernen, historische Bezüge zu finden oder die frühe Kirchengeschichte zu verstehen. Gottes Wort ist mehr. Es ist ein Nahrungsmittel, in dem Kraft steckt und das Menschen im Glauben aufbauen und aufrecht halten kann. Deshalb ist es nicht nur ein Hobby der ganz Frommen, täglich Bibel zu lesen, sondern ein Grundelement christlicher Existenz.

„Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, das die Kraft hat, aufzuerbauen …“ (Apg 20,32)