Vermeidbare Fehler in der Gemeindegründung

(Fortsetzung des Artikels über Gemeindegründung mit Jahresteams)

In jeder Gemeindegründungsarbeit gibt es vermeidbare Fehler. Einige der am häufigsten vorkommenden Fehler sind:

1. Ein schlechtes Beispiel

Das schlechte Beispiel eines Teams führt zu einer schlechten Gemeinde. Dasselbe kann aber auch geschehen, wenn nur eine Missionarsfamilie da ist, deren Familienleben nicht in Ordnung ist. Wir können Vorbilder sein in dem, wie wir handeln, lehren und was wir von Neubekehrten erwarten. Wir werden immer ernten, was wir gesät haben.

2. Falsche Anfänge

Aus unserer Erfahrung in Gemeindegründungsarbeit möchte ich drei Beispiele falscher Anfänge aufzeigen:

In der ersten Gemeindegründungsarbeit wurde die Jugendarbeit überbetont. Infolgedessen hatte die Gemeinde eine große Jugend, aber keine Ehepaare. Wenn die Jugendarbeit dein Schwerpunkt ist, kannst du dich schnell in einer Situation wiederfinden, in der du viele junge Menschen hast, aber niemanden, zu dem diese jungen Leute gehen können, als allein zu dir, dem Gemeindegründer. Du wirst überbelastet sein mit den Problemen und Fragen der jungen Leute. Diese Gemeinde durchlebte einige schwierige Jahre, bis einige der jungen Leute heirateten. Langsam stabilisierte sich die Gemeinde und die Probleme wurden gelöst.

Das zweite Beispiel eines falschen Anfangs in der Gemeindegründungsarbeit ist eine Gemeinde, die von Anfang an schwierige „Sozialfälle“ angezogen hat. Wir predigen ein Evangelium der Liebe. Menschen, die an den Randzonen der Gesellschaft leben, erkennen, dass sie bei uns persönliche Annahme und Zuwendung erfahren. Dadurch werden sie zu uns gezogen. Wenn ein Team jedoch mit mehreren solcher Menschen anfängt, wird die Gemeindearbeit davon geprägt sein und andere Menschen werden dieser Gemeinde gegenüber zurückhaltend sein. Es ist viel besser, mit „normalen“ Leuten anzufangen. Man kann sich später um die „Sozialfälle“ bemühen. Natürlich hat die Gemeinde eine Verantwortung gegenüber diesen Randgruppen der Gesellschaft, aber wir müssen zuerst eine Gemeinde haben, bevor die Gemeinde sich dieser Menschen annehmen kann.

Das dritte Beispiel eines falschen Anfangs ist, wenn der Gemeindegründer sich bemüht, „religiöse Springer“ zu sammeln. In einer Stadt hatten sich mehrere Leute den Zeugen Jehovas angeschlossen, als die Zeugen Jehovas eine Gruppe aufbauten. Dann verließen sie die Zeugen Jehovas wieder. Als die Mormonen in die Stadt kamen, schlossen sich diese „religiösen Springer“ den Mormonen an, verließen aber nach einiger Zeit diese Gruppe wieder. Dann kamen wir, und sie kamen zu uns. Dann „wusste“ die ganze Bevölkerung, dass wir auch nur eine andere Sekte sind. Es ist deshalb nicht ratsam, gleich mit einem Sonntagsgottesdienst, sondern mit einem Hausbibelkreis anzufangen, um dieses Problem zu vermeiden.

3. Das ausländische Gepräge

Wenn Nordamerikaner auf dem europäischen Kontinent Gemeinden gründen, haben sie oft ein „ausländisches Gepräge.“ Einfühlungsvermögen und Empfindsamkeit für die Kultur sind deshalb sehr wichtig.

4. Falsche Schwerpunkte

Hier denke ich an die Überbetonung einzelner Lehren. Ich habe Männer gekannt, die versucht haben, eine Gemeinde zu gründen, die aber am Ende immer über die Wiederkunft Jesu sprachen, gleichgültig über was sie predigten. Dies war das einzige Thema ihrer Bibel.

5. Schwache Nacharbeit

Viele Evangelisten und Gemeindegründer wissen zwar, wie man das Evangelium verkündigt, aber das ist auch alles. Das Resultat davon ist eine Kerngruppe Neubekehrter, die schwach bleiben, da der Gemeindegründer ein Evangelist, aber kein Lehrer ist.

In einem Gebiet kamen die Leute nach zwei Jahren zum Gemeindegründer. Sie sagten ihm: „Es ist besser für dich, wenn du gehst, denn wir haben schon alles gehört, was du zu sagen hast.“ Wir müssen fähig sein, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen. Wenn wir das nicht selbst tun können, müssen wir Mitarbeiter finden, die fähig sind, uns zu ergänzen.

6. Schwache Mitarbeiterschulung

Eine große Schwachheit besteht oft in der Schulung ortsansässiger Leiter. Gemeindeälteste sind in der Gemeindegründungsarbeit sehr wichtig, denn sie repräsentieren die biblische Autorität in der Gemeinde, sie kennen die örtliche Situation und Kultur. Sie sind die Leute, die wir ausbilden und zurüsten müssen. Fortbildung der Gemeindeältesten ist auch notwendig, nachdem der Gemeindegründer schon weggegangen ist.

7. Zu spätes Einsetzen örtlicher Leiter

Wenn der Gemeindegründer zu früh die Gemeinde verlässt, lässt er einen schwachen, ums Überleben kämpfenden Säugling zurück und es wird lange dauern, bis stetes Wachstum einsetzt. Wenn der Gemeindegründer zu lange bleibt und es versäumt, örtliche Leiter früh genug einzusetzen, kann er selber zu einem Hindernis für die Gemeinde werden. „Für andere Platz machen“ ist ein wichtiger Schritt der Missionsarbeit.

8. Mangelnde Gemeindezucht

Besonders am Anfang stehen wir in der Gefahr, die Gemeindezucht (Gemeindedisziplin) zu vernachlässigen. Warum? Weil die Gruppe klein ist und wir Angst haben, einen oder zwei zu verlieren, wenn wir biblische Gemeindezucht praktizieren. Was wir hiermit in Wirklichkeit tun, ist Quantität über Qualität zu stellen.

Diese Denkweise ist total falsch, weil wir so den Respekt der Leute verlieren und der Ruf Christi darunter in der Stadt leidet. Dies wird später dann sehr schwer zu überwinden sein. Es ist viel besser, dem Beispiel Jesu zu folgen, der zu seinen Jüngern sagte: „Wollt ihr auch weggehen?“ worauf die Antwort des Petrus war: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“

Was ist unser Ziel?

Auch wenn wir diese Schritte sorgfältig befolgen und die offensichtlichsten Hindernisse umgehen, sind wir trotzdem mit der Frage konfrontiert: Wie soll die Gemeinde in 15 oder 20 Jahren aussehen?

Unser Ziel und unser Blick dürfen nicht nur darauf gerichtet sein, eine Gemeinde aufzubauen, die ihr Umfeld evangelisiert und die eine weltweite Sicht hat. Wir müssen Gemeinden aufbauen, die das Bild Christi widerspiegeln. Solche Gemeinden werden unseren großen Gott anbeten, die Gegenwart des Reiches Gottes darstellen und durch ihr Leben das Ziel Gottes für seine Schöpfung offenbaren.

Dies ist das höchste Ziel, das wir anstreben müssen. Lasst uns beten, dass Gott die Sicht für die Gründung von Gemeinden, die das Ebenbild Christi widerspiegeln, vermehrt!