Mach mal Pause!

Das alte Bild von der stumpfen Säge hat sich im Alltag als genauso wahr erwiesen wie im Dienst; ich kann euch meine eigene Geschichte dazu erzählen: Als ich vor vielen Jahren das erste Mal eine Kettensäge benutzte, war es eine wirkliche Herausforderung. Ich lieh sie mir von einem Freund, der mir empfahl, sie zuerst zu schärfen. Nun, die Aufgabe ein paar Bäume zu fällen wurde schnell zu einer Knochenarbeit. Der Schweiß floss in Strömen, die Muskeln verkrampften. Ich begann, mir eine größere Säge mit größerer Kraft zu wünschen. Und mit der Erschöpfung machten sich quälende Zweifel an meiner Männlichkeit in mir breit.

Als ich meinem Freund die Säge zurückgab, wollte ich nicht zugeben, wie schwer es mir gefallen war. „Hat es mit dem Schärfen geklappt?“, fragte er. Kleinlaut gab ich zu, dass ich es eilig gehabt hatte mit der Arbeit und das Schärfen nicht für nötig gehalten hatte. Ich hatte so schnell wie möglich mit dem Fällen anfangen wollen! Wenn ich mir die Zeit genommen hätte, die Säge zu schärfen, wäre die Arbeit sehr viel leichter gewesen. Ich lieh mir die Säge ein anderes Mal geschärft aus, und da lief das Fällen wie geschmiert.

Ältester zu sein, ohne jemals eine Pause zu machen, um unsere geistliche „Säge“ zu schärfen, kann unsere Effektivität verringern und uns an den Rand der Erschöpfung bringen. Da sind die vielen Besprechungen, Seelsorgefälle, Probleme, die gelöst, und Pläne, die erstellt werden müssen; da sind Angelegenheiten der Kommunikation und der Zusammenarbeit mit den Diakonen. Außerdem müssen immer wieder Prediger gefunden werden, Informationen an die Gemeinde gegeben und Konflikte gesteuert werden. Man ringt um biblische Auslegungen und deren Anwendung auf die Gemeinde usw. All das fordert das Durchhaltevermögen eines Ältesten auf‘s Äußerste.

Wenn Paulus sagt: „Lasst uns im Gutestun nicht müde werden, denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten“ (Gal.6,9), spricht er von einem Langstreckenlauf. Aber die zunehmenden Lasten fordern ihren Tribut. Als er die zwölf Jünger trainierte, nahm Jesus Rücksicht auf die, die müde wurden: Weil so viele Menschen kamen und gingen, dass sie nicht einmal Zeit zum Essen fanden, sagte Jesus zu ihnen: „Kommt mit an einen einsamen Platz, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!“ (Mk.6,31 NeÜ).

Es stimmt, manche suchen ein leichtes Leben (vgl. Luk.12,19), aber der Herr hatte etwas anderes im Sinn. Das griechische Word „anapauo“, hier übersetzt als „ruht ein wenig aus“, bedeutet ursprünglich „von körperlicher Arbeit ausruhen“ bzw. „schlafen“ (siehe Mt.26,45). Manchmal ist es unerlässlich, einen ausgewogenen Schlafrhythmus einzuhalten, um „Gutes tun“ zu können.

Aber in diesem Wort schwingt noch eine andere Bedeutung mit, nämlich die geistliche Erfrischung, die wir durch andere Christen bekommen. Paulus sagt von drei Mitarbeitern: „Sie haben meinen und euren Geist erquickt“ (1.Kor.16,18, s.a. 2.Kor.7,13). Solche Erfahrungen waren für ihn eine Auszeit von der geistlichen Last des Dienstes. Christen, die einem Diener des Herrn dienen, sind wie ein frischer Wind in der stickigen Atmosphäre anstrengender Arbeit.

Drei Dinge wurden klar, als Jesus seine Jünger zu dieser kurzen geistlichen „Klausur“ einlud:

  1. Jesus ist derjenige, der uns letztlich die Erfrischung gibt, die wir brauchen, um uns für unseren Dienst zu regenerieren.
  2. Er erkennt unseren Bedarf daran.
  3. Das erfordert eine Auszeit von den Menschen, denen wir dienen.

Wie es Jesus und den Zwölfen auch ergangen ist, werden die Menschen von dir mehr und mehr verlangen und dich dadurch hindern, dich zu erfrischen. Aber dass Jesus die Notwendigkeit des „Säge-Schärfens“ anerkannt hat, bleibt trotzdem gültig.

Ein Ältester verkündete mit einer gewissen männlichen Überheblichkeit: „Ich habe seit 15 Jahren keinen Urlaub mehr gemacht!“ Ich glaube, der Herr würde darüber die Stirn runzeln. Er liebt uns zu sehr – er will uns nicht rennen sehen, bis wir umfallen! Wir brauchen Auszeiten, in denen wir dem Herrn erlauben, uns zu dienen und zu erfrischen – um unseres Dienstes willen. Das ist kein Zeichen von Schwäche oder Faulheit. Nein, wir müssen eine „scharfe Kante“ behalten.

Wie lange? Wie oft? – Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse und Kapazitäten. Vergesst nicht, dass ein Berufstätiger, der ehrenamtlich als Ältester dient, zwei Arbeitsplätze hat! Unglücklicherweise plagen uns manchmal unbegründete Sorgen:

  • „Satan macht keine Pause, weshalb sollte ich es?“ – Gott sei Dank brauchen wir den Satan nicht als Vorbild für uns.
  • „Ich möchte lieber nicht rasten, damit ich im Dienst für den Herrn nicht roste.“ – Der Herr möchte lieber, dass wir durchhalten.
  • „Was werden die Leute denken?“ – Besser ist: „Was denkt der Herr?“

Meine Frau und ich sind gerade von einer Woche Urlaub zurückgekommen; wir haben unseren Wohnwagen an einem See aufgestellt und unsere Seelen erfrischt. Keine Termine, keine Anrufe, keine Emails (und keine schriftliche Aufgabe, an der ich arbeiten musste!). Wir entspannten und hörten auf den Herrn, indem wir lasen, beteten, Fahrrad fuhren, wanderten und – um ehrlich zu sein – einfach dasaßen und miteinander redeten. Ohne ehrgeiziges Studienprogramm für die Woche. Sehr erholsam! Am Ende waren wir bereit, uns wieder in den Dienst zu stürzen.

Ist für dich eine erholsame Auszeit vom Dienst dran? Du wirst erfrischt und im Geist geschärft zu deinen Aufgaben als Ältester zurückkehren.