Klipp und klar (Verständlich vom Glauben reden)

Wer evangelisiert, muss wissen, was das Evangelium ist. Petrus betont in seiner Predigt in Apostelgeschichte 3,12-26 drei Wahrheiten, die entscheidend dafür sind, das Evangelium richtig zu verstehen bzw. zu erklären.

„Männer von Israel“, beginnt er (3,12), was die Zielgruppe definiert. Entsprechend redet er so, dass ihn die jüdischen Männer verstehen. Auch wir müssen wissen, wen wir vor uns haben, wenn wir die Frohe Botschaft weitergeben.

1. Evangelisieren heißt, von Jesus zu reden

Petrus predigt nicht etwas, sondern jemanden. Er erzählt ausschließlich von Jesus – auch wenn sein Name in der ganzen Rede nur zweimal vorkommt. Wer ist Jesus? Nur einer, der moralische Prinzipien vertrat? Dann bräuchten wir uns lediglich zu entscheiden, ob wir einige dieser Prinzipien übernehmen wollen. Wenn Jesus aber der prophezeite Erlöser und Herr ist, wenn er nach Gottes Plan gekreuzigt und vom Tod auferweckt wurde, dann ist er zukünftig auch der Richter der Welt.

1.1. Um Jesus großzumachen, weisen wir eigene Ehre zurück

Petrus stellt zuerst klar, dass nicht Johannes und er es sind, denen ein ehemals Lahmer seine gesund gewordenen Knochen verdankt (3,12.16). Wenn Gott uns dazu gebraucht, dass Menschen geholfen wird, dann ist das niemals unser Werk. Was wäre ein Werkzeug ohne den, der es benutzt? Wir nehmen Jesus die Ehre, wenn wir uns selbst beklatschen lassen.

1.2. Um Jesus großzumachen, sagen wir den Menschen, wer er ist

„Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen (Lahmen) … stark gemacht …“ (3,16a). Die Juden haben Ehrfurcht vor dem Namen Gottes; so sehr, dass sie nicht wagen, ihn auszusprechen. Wenn sie in der hebräischen Bibel zu dem Namen „Jahwe“ kommen, sagen sie: „Adonaj“ („Herr“). „Der Name“ stand für Gott. Daher war es überaus provokativ, wenn Petrus von „Seinem Namen“ spricht und diesen mit Jesus identifziert.

Daneben verwendet Petrus unterschiedliche „Titel“ wie etwa „Knecht Gottes“ (3,13.26). Das Wort „Knecht“ stammt aus Jesaja 42,1 und 52,13, wo es im Folgenden um den leidenden Gottesknecht geht. Petrus nennt ihn auch „den Heiligen und Gerechten“ (3,14). Jesus war ohne Sünde. Nur so konnte er unser Stellvertreter werden. Petrus nennt Jesus weiter „den Fürsten des Lebens“, den „aber habt ihr getötet, den Gott aus den Toten auferweckt hat …“ (3,15). In „Fürst“ steckt das Wort „Anfang“ drin; „Fürst“ heißt „Erster“, „Oberster“, „Führer“. Das spricht von der Auferstehung: „Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen“ (1Kor 15,20). Zweimal spricht Petrus von „Christus“ (3,18.20). Christus heißt „Gesalbter“ („Messias“). Als solcher erfüllt er die messianischen Prophezeiungen. Petrus erklärt weiter, dass Jesus der „Prophet“ ist, den Mose vorausgesagt hatte: „Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören“ (3,22; 5Mo 18,15). Wie Mose ist Jesus Mittler eines neuen Bundes (Heb 9,15). Schließlich hat Jesus seinen Ursprung auch in Abraham (3,25). – Petrus hat seinen jüdischen Zuhörern Jesus eindrucksvoll vorgestellt.

1.3. Um Jesus großzumachen, sagen wir den Menschen, was er tat

Petrus erklärt, dass der Herr Jesus am Kreuz getötet und von den Toten auferweckt wurde (3,15), dass er in den Himmel aufstieg und wieder zurückkommen würde (3,21), um Gottes Verheißungen an Israel zu erfüllen und über alle, die ihn abgelehnt haben, zu richten. Es muss damals ein Raunen durch die Reihen gegangen sein. Der Hügel, wo Jesus wenige Wochen zuvor gekreuzigt wurde, lag direkt vor der Stadt. Etliche derer, die hier im Tempel zusammen waren, hatten geschrien: „Kreuzige ihn!“ Jetzt erfahren sie, dass Jesus der Messias ist – aber auch dass dies alles schon durch Gottes Propheten vorausgesagt worden war, „dass sein Christus leiden sollte“ (3,18b).

Wir als Sünder sind von Gott entfremdet und unfähig, etwas zu unserer Rettung beizutragen. Wenn Christus nicht für uns gestorben ist, sind wir verloren.

Doch das Grab konnte den „Fürsten des Lebens“ nicht halten. Petrus gibt zu Protokoll, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, „wovon wir Zeugen sind“ (3,15). Wenn der Leichnam noch in der Gruft gelegen hätte, oder die jüdischen Führer das Versteck gekannt hätten, hätte man Petrus ausgelacht. Die Tatsache aber, dass Petrus von der Auferstehung redet und 2.000 Menschen daraufhin diese Botschaft annehmen, beweist, dass die Auferstehung nicht nur ein Wunschtraum der Apostel war.

Vielleicht haben sich die Juden gefragt: „Wenn er auferstanden ist, wo ist er dann jetzt?“ Petrus erklärt, dass der Himmel ihn aufnehmen musste „bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat“ (3,21). Dies bezieht sich auf das Tausendjährige Reich, wenn Jesus die Verheißungen an Israel erfüllt.

2. Evangelisieren heißt, vor Sünde und Gericht zu warnen

Petrus redet von „Jesus …, den ihr überliefert und vor Pilatus verleugnet habt“ (3,13). In Vers 14 wiederholt er das: „Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet.“ Petrus selbst hatte die Erfahrung gemacht, dass sich Jesus nicht (ver)leugnen lässt. Indirekt sagt er: „Ich war nicht besser als ihr, aber heute weiß ich: Ihr könnt euch lossagen von Jesus, ihr könnt ihn sogar töten, aber ihr könnt nicht über ihn triumphieren; er ist der ‚Fürst des Lebens‘. Wie einen mit Sand gefüllten Boxsack könnt ihr ihn schlagen, aber er wird zurückkommen – mit Macht!“

Moderne Predigten klingen meist anders als die von Petrus. In vielen Gemeinden und Kirchen ist es lange her, dass man Begriffe wie „Himmel“, „Hölle“, „Satan“ oder „Weltgericht“ gehört hat. Sünde wird kaum mehr beim Namen genannt. „Rücksichtsvolle“ Pastoren lesen biblische Geschichten „als mythische Texte, die symbolische Wahrheit in sich tragen“, so kürzlich der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Petrus streichelt keine Seelen: „Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und gebeten, dass euch ein Mörder geschenkt würde; den Fürsten des Lebens aber habt ihr getötet … So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden“ (3,14-15.19). Wenn es eine Top-Ten-Liste der Dinge gäbe, die man nicht vor einem jüdischen Publikum sagen sollte, dann stünde ganz vorne: „Ihr habt den Messias umgebracht, den das Volk seit Jahrhunderten erwartet.“ Aber die Direktheit von Petrus stößt die Menschen nicht ab. Sie berührt ihr Gewissen und sie bekehren sich.

Wenn Sünde eine Bagatelle wäre, wozu dann ein Erlöser? Doch Jesus starb, weil Menschen Sünder sind und unter dem Zorn Gottes und Gericht stehen. Wer für die Sünde lebt und nicht für den Herrn, der macht es wie die Juden damals: Er entscheidet sich für einen Mörder statt für Christus. Vielleicht entscheidet er sich für Alkohol, Lust, Gier oder eine andere Sünde. Was auch immer die Sünde ist, es führt zum Tod. Sie ist ein Mörder.

„Und jetzt, Brüder, ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt, wie auch eure Obersten“ (3,17). – Es gibt das hebräische Konzept unbeabsichtigter Sünden (4Mo 15,22-31; 3Mo 4,2). Aber auch dafür mussten Opfer sterben … Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Alle Menschen sündigen und sind angewiesen auf das Opfer, das Jesus am Kreuz brachte.

Wir können die Gute Nachricht von Christus als Erlöser nicht präsentieren, ohne die Menschen mit der schlechten Nachricht von Sünde und deren Folgen zu konfrontieren. Aber glücklicherweise gibt es noch den dritten Punkt:

3. Evangelisieren heißt, die Gnade Gottes hervorzuheben

Nach Petrus’ Anklage hätte es auch so weitergehen können: „Ihr werdet in der Hölle schmoren, dafür dass ihr Jesus ans Kreuz gebracht habt.“ Stattdessen appelliert Petrus: „So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden“ (3,19). Wenn sie umkehren – das ist Voraussetzung –, würde Gott mit Jesus „Zeiten der Erquickung“ (3,20a) bringen und alle Dinge wiederherstellen (3,21). Es wird im Tausendjährigen Reich kurz vor der Wiederkunft Jesu eine große Erweckung in Israel geben (Rö 11,26). – Wenn Gott so gnädig ist, denen zu vergeben, die seinen Sohn gekreuzigt haben, dann reicht seine Gnade für jeden Sünder, der von seinem Weg umkehrt.

Was ist Buße? Es ist eine Veränderung des Inneren, die zu einer Veränderung des Äußeren führt. Es bedeutet, sich Gott zu- und von der Sünde abzuwenden. Umkehr ist, Sünden, die wir vorher geliebt haben, zu hassen und zu verlassen, und zu zeigen, dass wir ernsthaft bereuen, indem wir sie lassen. Egal wie schrecklich eine Sünde war, wer Buße tut, wird „Zeiten der Erquickung“ (3,20), der Ruhe, des Friedens von Gott her erleben.

Sag es klipp und klar!

Versuche in Glaubensgesprächen, den Herrn Jesus großzumachen. Ein Sünder muss wissen, wer Jesus ist und was er tat. Scheue dich nicht, Menschen mit ihrer Sünde zu konfrontieren und sie vor dem Gericht zu warnen. Und erzähle von Gottes Gnade und Vergebung. Vielleicht wenden sie sich dem Erlöser zu.

Ob Gott dich benutzt, um 2.000 zu erretten, wie Petrus, oder auch nur einen:

„… so wisst, dass der, welcher einen Sünder von der Verirrung seines Weges zurückführt, er dessen Seele vom Tode retten … wird“ (Jak 5,20a).