Hilfe zur Trauerarbeit mit Kindern

„Plötzlich und unerwartet …“ kommt nicht nur der Tod, sondern kommen auch manchmal die Fragen der Kinder nach Sterben und Tod. Wir fühlen uns hilflos, sind vielleicht noch im Schockzustand und wissen keine Antwort. Der Tod gehört zu den großen Lebensfragen und unweigerlich wird die Auseinandersetzung damit auf Eltern und Erziehungspersonen zukommen. Dann ist es gut, wenn man sich vorher damit befasst und sich überlegt hat, was man sagen kann. (…)

Trauerarbeit

Wie Erwachsene durchlaufen auch Kinder die typischen Stufen der Trauer, allerdings manchmal zeitversetzt durch die Affektisolation, d. h. Jahre später trauern sie gefühlvoll. Meistens lassen sich drei Stufen der Trauerarbeit erkennen:

1. Eine kurze Zeit des Schocks von der Kenntnis des Todes bis nach dem Begräbnis.

In dieser Zeit läuft vieles mechanisch ab, ohne dass besondere Gefühle gezeigt werden. Die Erwachsenen sind stark von den Trauerformalitäten in Anspruch genommen, die normalen Abläufe der Familie geraten durcheinander, man hat keine Zeit für die Kinder. Sie sind verwirrt, quengelig und fühlen sich abgeschoben und allein gelassen. Bei Trauerbesuchen sollte man deshalb die Kinder mit einbeziehen und sie nicht wegschicken, denn so können sie erfahren, wie gemeinsame Trauer, Gebet und Zuspruch stärken. Es ist gut, mit den Kindern eine Form des Abschieds zu finden (z. B. dass sie dem Verstorbenen noch ein Geschenk machen oder etwas mit zum Friedhof nehmen). Kinder ab drei Jahren können mit zum Friedhof gehen, wenn sie wollen. Es hilft ihnen, wenn sie sehen, dass viele den Opa oder die Oma lieb gehabt haben. Es wäre gut, wenn sie jemanden an der Seite haben, der ihnen die Vorgänge erklärt.

2. Es folgt die Zeit des schmerzlichen Kummers.

Auch bei Kindern sind Reaktionen wie unruhiger und mangelnder Schlaf, Appetitlosigkeit, häufiges Weinen, Interesselosigkeit, Klammern, Unfähigkeit zum selbstständigen Spiel zu beobachten. Meistens können sie nicht erklären, was mit ihnen los ist. Jungen werden häufig aggressiv, weil sie die Ohnmachtsgefühle abwehren wollen. Mädchen neigen eher zum Rückzug und zu Stimmungslabilität. Zu den Verlustgefühlen kommen auch Hassgefühle und Zorn, manchmal auch Wut auf Gott („Warum hat Gott nicht besser aufgepasst?“)
Viele Trauernde äußern auch Schuldgefühle: „Wenn ich lieber gewesen wäre, wäre Mama nicht fortgegangen“, „Warum hat uns Papa verlassen und in diese Not gebracht?“, „Mein Bruder ist gestorben, weil ich öfters gemein zu ihm war“ usw. Wir müssen Kindern helfen, diese Gefühle zuzulassen und zu äußern, ohne dass sie gewertet werden.
Wie in den Psalmen können wir im Gebet alle Gefühle vor Gott zum Ausdruck bringen. Er weiß ja, wie es uns geht. Auch Wut und Anklage gehören zur Trauerarbeit. Der Tod ist ein Feind, kein Freund.

3. Die Zeit der seelischen Heilung und Wiederherstellung.

Die Trauer klingt ab, früher zog man nach einem Jahr die Trauerkleidung aus und es wurden neue Dinge angepackt. Die seelische Stimmung der Kinder wird wieder ausgeglichener, sie weinen weniger, sind nicht mehr so anhänglich und sind wieder belastbarer. Es ist wichtig, dass vor allem die zweite Phase ausgelebt und begleitet wird. Wir können den Kindern helfen, ihre Gefühle zu äußern – z. B. durch Bilderbücher oder durch selbst gemalte Bilder, die wir mit ihnen besprechen. Jeder möchte in dieser Zeit gerne über den Verstorbenen reden. Deshalb sollten Sie mit den Kindern nach gemeinsamen Erinnerungen suchen, Fotos anschauen oder auch Orte besuchen, an denen man mit dem Verstorbenen war. Erinnerungsbücher oder Erinnerungskisten sind eine wichtige Hilfe für Kinder. Keiner sollte gedrängt werden, in dieser Phase Haltung zu bewahren, denn nur wer seinen Kummer ausgeweint hat, kann Leid bewältigen. Oft verarbeiten Kinder auch im Spiel, was sie erlebt haben oder fühlen. Viele spielen die Beerdigung nach oder geben eine Begründung, warum der Tote gestorben ist. Dies ist nicht pietätlos, sondern dient der Verlustbewältigung.
Wir sollten aber nicht nur unseren Kummer miteinander teilen, sondern auch unseren Glauben. Gerade in dieser Zeit können auch Kinder erleben, wie viel Trost und Kraft der Glaube an Gott gibt. Eine gute Möglichkeit ist das gemeinsame Gebet, der Dank, für den geliebten Menschen, für das, was er uns war, was er für uns getan hat, für sein Vorbild im Glauben und für die Gewissheit, dass er es jetzt bei Gott gut hat. Wenn Kinder fragen: „Wo ist der Tote?“, dann sollten wir nicht sagen: „Im Himmel“, weil es nicht der Himmel ist, den wir sehen.
Bei Glaubenden können wir sagen: „Er ist bei Gott. Er ist am Ziel seines Lebens!“ Bei Nichtglaubenden können wir sagen, dass wir es nicht wissen, weil wir keinem Menschen ins Herz schauen. Das wird Gott entscheiden. Wer mit Kindern die Fragen nach Tod und Sterben bearbeitet, kann auch sein Nichtwissen zugeben. Er wird aber merken, dass ehrliche Antworten die Beziehung stärken und Kinder reifen lässt.

Auszug aus „Timo findet Trost“ (Hier kannst du das Buch bestellen und Mission in Deutschland unterstützen)