Grüne Damen und Herren – ganz praktisch Licht sein! (Interview)

Liebe Wenke, du gehörst zu den „Grünen Damen“. Soweit mir bekannt ist, hat das nichts mit einer Partei zu tun, auch nicht mit einer Gärtnerei. Was sind das für Leute, die Grünen Damen?

Grüne Damen – oder wie es offiziell heißt: die evangelische (bzw. manchmal auch ökumenische) Krankenhaushilfe – sind Leute, die ehrenamtlich in Krankenhäusern und Altenheimen tätig sind und sich um Belange der Patienten kümmern, für die das Pflegepersonal keine Zeit hat. Wie z.B. Zeit für Gespräche, kleine Besorgungen, Begleitung zu Untersuchungen, u.ä.

Warum ausgerechnet „Grüne Damen“ und nicht Blaue, Rote, Weiße, oder…?

Die Bezeichnung „Grüne Damen“ rührt daher, dass die Mitarbeiter traditionell im Dienst einen grünen oder grüngestreiften Kittel tragen, und so optisch schon direkt erkennbar sind.

Seit wann bist du Grüne Dame, und warum bist du eine geworden?

Ich bin seit Oktober 2011 dabei, und warum ich das mache, hat mehrere Gründe. Zum einen habe ich schon öfter in verschiedenen Krankenhäusern selber als Patient den guten Dienst der Krankenhaushilfe erlebt und immer gedacht, so etwas könnte ich mir auch vorstellen zu tun. Dann ist mir im Frühjahr 2011 Matthäus 5,14-16 für mich und mein Leben wichtig geworden:

„Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Eimer, im Gegenteil, man stellt sie auf den Lampenständer, damit sie allen im Haus Licht gibt. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten: Sie sollen eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Ich habe mich gefragt, wie das gehen kann. Wie kann ich ganz praktisch Licht für die Welt sein und wie können Menschen an meinen guten Taten Gott erkennen und ihn ehren? Gleichzeitig gab es in unserer Tageszeitung im Abstand von einigen Wochen gleich zweimal einen Bericht über den Dienst der Grünen Damen im hiesigen Krankenhaus – mit Werbung um neue Mitarbeiter und Telefonnummer des Verantwortlichen. Ich fühlte mich angesprochen und hatte den Eindruck, dass ich das mit den Grünen Damen mal ausprobieren sollte, dass das vielleicht tatsächlich meine Aufgabe wäre.

Gibt es auch Grüne Herren?

Ja. Die Mehrheit der Mitarbeiter sind zwar nach wie vor Grüne Damen, aber es gibt auch Grüne Herren. Bei uns im Team z.B. drei.

Welche Aufgabenbereiche gibt es für Grüne Damen und Herren?

Grundsätzlich sind die Aufgaben sehr vielfältig, wobei es nicht in allen Kliniken dasselbe Angebot gibt. Die Bandbreite reicht von Zeit für Gespräche über Begleitung zu Untersuchungen bis hin zur Betreuung einer Patientenbibliothek und manches andere mehr. Welche Arbeitsbereiche es vor Ort tatsächlich gibt, ist u.a. abhängig vom Bedarf und den Möglichkeiten des Hauses und von der Personalstärke der Grünen Damen und Herren. Je mehr Leute mitmachen, umso mehr Dienste kann man ggf. anbieten. Wichtig ist dabei immer, Zeit zu haben für den Menschen!

Bei uns im Krankenhaus gibt es derzeit drei verschiedene Arbeitsbereiche wo man sich einbringen kann:

  • der Besuchsdienst, das ist der Aufgabenbereich, den die meisten Menschen vor Augen haben, wenn sie an „Grüne Damen“ denken. Die Kollegen besuchen die Patienten direkt auf ihrem Zimmer, führen Gespräche, bieten kleine Hilfeleistungen an, oder beten auch schon mal mit den Patienten.
  • das „Einladeteam“, das ist ein kleiner Kreis, der zusammen mit dem Krankenhauspfarrer die wöchentlich stattfindenden Andachten vorbereitet, sowie Patienten dazu einlädt und ggf. auch dorthin begleitet. Dazu gehört außerdem ein Technikteam, das sich darum kümmert, dass die Gottesdienste aus der Krankenhauskappelle regelmäßig in die Krankenzimmer übertragen werden.
  • der Lotsendienst.

Was ist deine Aufgabe, und in welchem zeitlichen Umfang bist du tätig?

Ich gehöre zu den „Lotsen“. Unsere Hauptaufgabe liegt in der Begleitung neuer Patienten zu den verschiedenen Stationen auf dem Weg von der Aufnahme bis zu ihrem Zimmer (also z.B. zum EKG, Blutentnahme, etc.). Im Gegensatz zum Besuchsdienst auf den Stationen hat man hier nur jeweils kurz mit den Patienten zu tun, also keine Zeit für lange tiefgründige Gespräche. Doch viele Patienten sind sehr dankbar für unseren Dienst. Vor allem ältere Leute fühlen sich oft überfordert und sind froh, wenn in dieser Ausnahmesituation „Krankenhaus“ jemand an ihrer Seite ist und sich kümmert.

Für mich persönlich hat sich dabei jedoch der Fokus meines Dienstes im Laufe der Zeit immer mehr vom Patienten weg und auf die Mitarbeiter hin verlagert. Als Lotsen sind wir bei uns im Krankenhaus im Bereich der (Not-) Aufnahme stationiert, und dort geht es oft ziemlich hoch her. Viel Arbeit, manchmal Hektik, wenig Personal – wie fast überall. Deshalb liegt mein Augenmerk inzwischen mehr darauf: Wo kann ich durch Kleinigkeiten Mitarbeiter entlasten? Wie kann ich vielleicht so ein bisschen „ruhender Pol“ sein? Wenn man den Lotsendienst eine Weile macht, blickt man automatisch auch ein bisschen hinter die Kulissen des Krankenhausbetriebes und bekommt mit, wo das System kränkelt, wo Mitarbeiter dauerhaft überlastet sind, oder für welche akute Situation Gebet gut wäre.

Zum zeitlichen Aufwand: ich wechsle mich mit einer Kollegin ab und bin alle vierzehn Tage Dienstagsvormittags von 8:00 bis etwa 13:00 im Einsatz.

Besteht auch die Möglichkeit den Menschen etwas von der „Frohen Botschaft“ weiterzugeben?

Ja, die gibt es. Und hierfür ist es sicherlich hilfreich, dass wir als Gruppe der Grünen Damen und Herren organisatorisch zur „evangelischen Krankenhaushilfe“ (eKH) gehören. D.h., wir sind an der Stelle nicht an die „Neutralität“ des Krankenhauses gebunden.

Wie schon gesagt, wir im Lotsendienst haben immer nur kurzen Kontakt mit den Patienten. Das heißt, man muss sich etwas einfallen lassen, wie man Möglichkeiten nutzen kann. Da ich selbst nicht der große Redner bin, und es mein Anliegen ist, mit guten Taten auf Gott hinzuweisen, ist es mir wichtig, einfach kleine Impulse zu geben. Deshalb trage ich im Dienst ganz bewusst eine Halskette mit Kreuz. Als Signal. Was auch schon als Gesprächsanfang gedient hat. Und ich habe immer kleine Karten mit Bibelvers und mutmachenden Worten in der Tasche (z.B. von Marburger Medien), die ich den Patienten als Gruß überreiche. Natürlich freue ich mich, wenn es auch mal zu einem „richtigen Gespräch“ kommt und nicht nur zu einem kurzen Plausch. Aber das ist nicht mein Hauptanliegen. In erster Linie will ich Gutes tun und so ein Zeichen setzen. Mein Wunsch und Gebet ist es jede Woche neu, dass ich irgendwie einem Menschen zum Segen sein möge. Und den Rest überlasse ich dann Gott.

Gibt es Erfahrungen und Erlebnisse, über die du dich freuen kannst?

Nun, von großartigen Erlebnissen kann ich nicht berichten. Das ist aber ja auch gar nicht mein Ziel. Worüber ich mich jedoch immer wieder freue, sind die dankbaren Reaktionen der Patienten, Angehörigen und Mitarbeiter. Es ist schön, Gott zur Ehre Gutes tun und helfen zu dürfen, und natürlich ist es auch schön, wenn Menschen das bemerken.

Wie ist der „Ansturm“ für diese ehrenamtliche Tätigkeit? Könnten noch mehr Grüne Damen und Herren zum Wohl von Bedürftigen aktiv werden?

Nun, bei uns im Haus sind wir derzeit ganz gut aufgestellt. Trotzdem kann ich die Frage sicher mit einem deutlichen JA beantworten. Wie schon gesagt, je mehr Leute mitmachen, desto mehr Dienste kann man anbieten, oder die vorhandenen ausweiten, zum Beispiel von einmal wöchentlich auf täglich. Außerdem gibt es auch noch genügend Krankenhäuser und Altenheime, in denen es noch überhaupt keine ehrenamtlichen Helfer gibt, die aber auch gut welche gebrauchen könnten.

Natürlich weiß ich, dass eine Hürde die Tatsache ist, dass der Dienst der Grünen Damen und Herren tagsüber stattfindet, und damit für viele Berufstätige schwierig zu realisieren ist. Ich selbst habe auch noch einen Vollzeitjob und bin daher froh, dass ich mit meinem Chef eine Regelung gefunden habe, die den Krankenhausdienst möglich macht. Manchmal muss man einfach mutig sein und anfragen…

Liebe Wenke, vielen Dank für die Einblicke in deine Arbeit als Grüne Dame und viel Segen für deine Arbeit!

Das Interview führte Hermann Fürstenberger von Diakonie Persis.
www.diakonie-persis.de
www.diakonie-für-christus.de