Gottes Gnadenkette (Leseprobe)

Wie kann es sein, dass Gott mich liebt? Er kennt doch mein ganzes Leben: meine Taten, meine Worte, sogar meine Gedanken. Viele Menschen können nicht fassen, dass Gott sie trotzdem liebt. Welchen Wert habe ich denn schon?

Ein aktueller deutscher Kinofilm stellt diese Frage: Was bin ich wert? Erschreckende Aussagen kommen ans Tageslicht: Der „Materialwert“ eines Menschen beträgt rund 1.500 €. Versicherungen und das Gesundheitssystem berechnen den „Wert eines Menschen“ in harter Währung: Zahlt es sich aus, bei einem alten Menschen eine teure Behandlung oder Operation vorzunehmen – oder rechtfertigt die verbliebene Lebenserwartung die Kosten der Behandlung vielleicht doch nicht mehr? Verliert der Mensch an Wert, wenn er krank, behindert oder arbeitslos wird?

Sollte ich mich in meiner Lebenssitution nun wertlos fühlen? Zweifellos, ich bin eine (finanzielle) Belastung in unserem Gesellschaftssystem. Ich leide an einer unheilbaren und tödlichen Krankheit – und das schon gegen alle Erwartungen seit vielen Jahren. Jahr für Jahr, Monat für Monat gibt meine Krankenkasse erheblich mehr Geld für mich aus, als ich jemals eingezahlt habe. Aus medizinischer Perspektive besteht keinerlei Aussicht auf Besserung meines Gesundheitszustandes oder gar auf Heilung. Teure Hilfsmittel und aufwendige Pflege … lohnt sich das eigentlich?

Ich denke, diese Frage ist falsch gestellt. Es ist ein fataler und verkehrter Ansatz, den Wert eines Menschen berechnen zu wollen.

Wert ist ganz allgemein immer eine Frage der Definition. Was ist wertvoll? Ein Klumpen Gold … ein geschliffener Diamant … eine Münze aus Edelmetall – all diese Dinge kann man mit Geldwert ausdrücken. Aber warum? Warum ist ein Stück Gold wertvoller als ein Stein? Natürlich, Gold ist viel seltener als Steine und außerdem sieht es viel ästhetischer aus, doch im Grunde hat man willkürlich irgendwann festgelegt, was einen hohen Wert hat und was nicht. Papiergeld oder sogar virtuelles Geld, das rein rechnerisch von einem Konto auf ein anderes verschoben werden kann, hätte in sich keinerlei Wert, wenn seine Kaufkraft nicht einfach definiert würde.

Jeder Mensch hat Dinge, die nur für ihn persönlich von Wert sind. Beispielsweise werden bei einem Einbruch einige Dinge gestohlen: Schmuck, Kreditkarten und Bargeld. Der Verlust ist bitter, doch der Geldwert wird von der Versicherung ersetzt. Viel schlimmer empfindet man es, wenn der Dieb persönliche Erinnerungsstücke entwendet oder zerstört: Die ersten Milchzähne meines Kindes oder eine alte Postkarte, die mein Urgroßvater persönlich geschrieben hat. Wertvoll sind diese Gegenstände nur für mich.

Gott gibt mir in der Heiligen Schrift wunderbare Zusagen, und er selbst, der allmächtige Gott, definiert meinen Wert: „Ja, mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dir meine Güte bewahrt“ (Jeremia 31,3). Gott begründet seine Entscheidung mit seiner göttlichen Liebe: „Weil du teuer bist in meinen Augen und wertvoll bist und ich dich lieb habe“ (Jesaja 43,4). Wenn der Herr selbst jeden einzelnen Menschen auf dieser Welt erschaffen hat und unendlich liebt – selbst mich! –, dann hat niemand das Recht, den Wert eines Menschen willkürlich oder gar mit Geldwert festzulegen. Junge, gesunde und leistungsfähige Personen haben vor Gott nicht mehr Wert als alte, kranke und hilfsbedürftige Menschen. Allein die Wertschätzung Gottes entscheidet über Wert und Würde!

Es ist ein kaum fassbares Wunder der Gnade Gottes, dass er durch die Kraft seiner Liebe jedem einzelnen Menschen einen unvorstellbar hohen Wert beimisst. Doch die Bibel sagt es klar und deutlich: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3,16).

Das Heil des Menschen – jedes einzelnen Sünders – ist es Gott wert, dass sein geliebter Sohn, unser Herr Jesus Christus, am Kreuz starb. Er liebt mich; nur deshalb habe ich trotz aller meiner Fehler einen unschätzbaren Wert in seinen Augen. Er selbst legt meinen Wert fest. Ganz gleich, was Menschen mir weismachen wollen: Wenn der allmächtige Schöpfer bestätigt, dass ich wertvoll bin für ihn, kann und darf ich dann noch denken oder gar behaupten, ich sei wertlos?