Gemeindegründungs-Modelle (1): Jahres-Teams

In dieser Serie geht es um verschiedene Ansätze, mit denen im Lauf der Jahre in Europa neue Gemeinden gegründet wurden. Hier beschreibt Johan Lukasse, viele Jahre Leiter der Belgischen Evangelischen Mission, wie sie während ihrer elfjährigen Tätigkeit in Genk das Konzept der Gemeindegründung durch den Einsatz von Teams junger Christen entwickelt haben. Johan ist inzwischen im aktiven Ruhestand und lebt mit seiner Frau in Brüssel. Die Mitarbeiter seiner Mission haben bis heute 25 Gemeinden in Belgien gegründet.

Es gibt so viele verschiedene Wege das Evangelium weiterzusagen, wie Teammitglieder vorhanden sind. Manche fangen an, die Leute zu Versammlungen einzuladen. Andere beginnen Bibelkreise oder Gottesdienste. Manche bevorzugen es wiederum verschiedene Hausbibelkreise, in verschiedenen Stadtteilen, auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen anzufangen und beginnen erst später mit einer zentralen Versammlung.

Während des Teameinsatzes werden laufend Schulungen durchgeführt. Themen wie Gemeindegründung, Gemeindewachstumsprinzipien und effektive Evangelisation werden gelehrt. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Lernen durch die Praxis und der regelmäßigen Bewertung des Einsatzes.

Warum gründen wir Gemeinden auf diese Weise?

Wir sahen in der Vergangenheit, wie manche Teamarbeiten zu schnell abliefen. Die Leute arbeiteten in Dörfern und Städten und gingen wieder, ohne die Früchte ihrer Arbeit zu festigen. Infolgedessen haben wir in der Belgischen Evangelischen Mission viel gebetet und das Neue Testament studiert. Wir glauben, dass der Herr uns diese Arbeitsweise gezeigt hat.

Biblische Prinzipien

Unser erstes biblisches Prinzip kommt aus Matthäus 18,20: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“ Hier ist die Schlüsselfrage: Wie kann Jesus Christus in unserer Mitte sein? Er muss mehr als nur in unserem Herzen wohnen, er muss erkennbar sein. Er muss offenbar werden, wenn wir in seinem Namen zusammenkommen.

Betrachte Jesus während seines öffentlichen Dienstes. Er wählte zwölf Jünger und lebte mit ihnen Tag und Nacht. Er wandelte und redete mit ihnen in allen Lebensumständen. Und während der ganzen Zeit offenbarte er seinen Vater, denn das war einer der Hauptgründe, wozu er auf die Erde kam (Joh 1).

Als Jesus seine Jünger verließ, sagte er ihnen, dass sie einander lieben sollen, wie er sie geliebt hat, und „daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt.“ Wir müssen, wie er, diese Agape-Qualität der Liebe mitteilen. Wenn wir in Liebe handeln, wird die Welt aufhorchen und erkennen, dass wir Jünger Jesu Christi sind.

Das zweite biblische Prinzip ist das Prinzip der Einheit. In Joh 17,20-24 lesen wir: „… damit die Welt glaube, du habest mich gesandt.“ Die Welt wird das glauben, wenn wir eins sind, wie Jesus Christus und der Vater eins sind. Wie Jesus seinen Vater offenbarte, so sollen wir durch die Art, wie wir einander begegnen, Christus offenbaren.

In Philipper 2,1-4 und Philipper 1,27 sehen wir, wie dieses Prinzip von Liebe und Einheit ausgelebt wurde. In Apostelgeschichte 4,13 lesen wir, dass die Jünger als die erkannt wurden, „die mit Jesus gewesen waren“.

Diese Demonstration der Liebe und der Einheit ist nur in einer Gruppe möglich. Christus kann in unserer Mitte sein, wenn wir zwei, drei oder auch mehr sind. Auf diese Weise will er sich der Welt offenbaren, nicht nur durch unsere Worte – predigen, lehren und singen – sondern durch das Leben, das er durch uns lebt.

Ein Beispiel dafür ist Paulus und seine Mitarbeiter. Nirgends finden wir Paulus alleine. Paulus war immer im Team mit Mitarbeitern wie Silas, Timotheus und Lukas. In Apostelgeschichte 20,4- 5 sind die Namen von mindestens acht Mitarbeitern, die im Reiseteam des Paulus waren. Der einzige Platz, an dem Paulus alleine war, ist Athen – und die Bibel berichtet uns von keiner Gemeinde dort. Der große Gemeindegründer war Glied eines Teams.

Praktisch und effektiv

Wir glauben nicht nur, dass dieses Teamkonzept biblisch ist, wir fanden es auch praktisch und effektiv. Das Team gibt ein Beispiel. Es ist als Gruppe mehr oder weniger schon eine Gemeinde. Wenn Menschen sich bekehren, schließen sie sich dieser schon bestehenden Gemeinde an, was viel einfacher ist, als die ersten Bekehrten in einem Gebiet zu sein.

Die neuen Glieder folgen dem Beispiel des Teams. Sie singen, wie das Team singt und sie lesen die Bibel, weil sie sehen, dass die Teammitglieder die Bibel lesen. Sie bekennen ihre Sünden, weil sie hören, wie andere Teamglieder dasselbe tun. Sie wenden sich ihren Familien zu, weil sie bei den Teamgliedern sehen, wie sie sich Menschen zuwenden und ihnen von Jesus berichten. Das ist für sie das normale Christenleben.

Diese Methode ist nur so effektiv wie das Team. Das Prinzip der Vermehrung ist anwendbar. Es ist gleichzeitig der stärkste, aber auch der schwächste Punkt der Methode. Ein Team stritt endlos wegen irgendwelcher Einzelheiten. Einige sagten: „Wir müssen beten, bevor wir von Hauszu-Haus gehen.“ Andere sagten: „Nein, wir können beten, wenn wir zurückkommen. Jetzt ist die richtige Zeit, um von Haus-zu-Haus zu gehen.“ Heute ist in dieser Stadt eine kleine Gemeinde, und wisst ihr was sie dort tun? Sie streiten sich.

Ein starkes Team bedeutet jedoch einen starken Anfang für die neue Gemeinde. Einmal kam ein Mann in das Haus eines Teams, nur um festzustellen, ob wir „echt“ sind. Er kam morgens, mittags und abends, um jeweils zehn Minuten zu bleiben. Als er eines Abends kam, hatte der Leiter gerade den Anfang der Gebetsversammlung angesagt. Der Mann wollte wieder gehen. Ein Teammitglied bestand jedoch darauf, dass er dablieb. Als die Gebetszeit vorbei war, fragte der Mann: „Einige von euch beteten um einen ‘Kontakt’. Was ist ein ‘Kontakt’?“ Der Leiter antwortete: „Ein ‘Kontakt’ ist jemand, der das Evangelium gehört hat. Vielleicht hat er es ganz, vielleicht aber auch nur teilweise verstanden. Er hat jedoch sein Leben dem Herrn Jesus noch nicht übergeben. Solche Personen nennen wir einen ‘Kontakt’.“ Einige Wochen später bekehrte sich dieser Mann. Als er zur Gebetsversammlung kam, war sein erstes Gebet: „Herr, gib mir einen ‘Kontakt’.“ Dieser Mann, und andere Neubekehrte, schlossen sich der ersten Kerngruppe, dem Team, das in die Stadt kam, an. Nach einem Jahr ging diese erste Kerngruppe wieder weg. Die Neubekehrten blieben und machten unter der Leitung des Gemeindegründers weiter. Von diesem Zeitpunkt an waren sie das Team.

Ein Nebenprodukt dieses Teamkonzeptes ist die wertvolle, praktische Schulung junger Christen. Die Mitarbeit in einem Team dient auch der Klärung der Lebensaufgabe. Manche der Teammitglieder gewinnen die Überzeugung, dass sie für den Missionsdienst berufen sind. Andere werden im Team durch das Wirken des Herrn und durch andere Teamglieder ausgesondert; sie gehen nach Hause mit der Überzeugung, dass sie nicht für den Missionsdienst berufen sind und werden aktiv in ihrer örtlichen Gemeinde. Auf der anderen Seite gebraucht der Herr diese Teamarbeit, um Menschen für eine weitere Schulung und den Missionsdienst zu berufen.

Die Erfahrung zeigte, dass eine Teamarbeit, die ausschließlich von vollzeitlichen Missionaren durchgeführt wird, nicht so erfolgreich ist, wie die Teamarbeit, in der junge Christen mitarbeiten. Ein Grund dafür ist der „Ausländer“-Ruf, der dabei entsteht. In Folge dessen arbeiten manche Missionen mit gemischten Teams von jungen belgischen Christen und Missionaren. Diese Kombination erleichtert auch die Entstehung der „örtlichen Leitung“.

Wie wir arbeiten

Wie auch bei anderen Methoden der Gemeindegründung ist es wichtig, mit Menschen in Kontakt zu kommen und sie mit dem Evangelium bekannt zu machen. Wir wollen sie jedoch nicht nur zu Christus führen, sondern wir wollen sie auch sammeln aus der Welt, so dass sie eine ekklesia werden. Wie machen wir das?

1. Wir suchen Menschen, die offen sind

Anstatt zu versuchen, die ganze Stadt zu bekehren, ist es besser, Menschen zu suchen, die offen und empfangsbereit sind. Führe sie zu Christus, schule sie, und führe sie zusammen. Sie werden, wenn der Herr in seiner Gnade eine örtliche Gemeinde schenkt, das Evangelium den „schwierigeren Fällen“ bringen, mit denen das Team nur wertvolle Zeit verlieren würde.

Zum Beispiel beschäftigte uns, in einer unserer Gemeindegründungsarbeiten ein Mann stundenlang mit Fragen über die Evolution. Schließlich entschlossen wir uns, die Frage nicht mehr weiter mit ihm zu diskutieren. Darüber wurde er zwar zornig, aber wir blieben fest. Wir verloren diesen ‘Kontakt’. Vier Jahre später, als eine Gemeinde aufgebaut war, kamen einige Gemeindeglieder wieder in Kontakt mit diesem Mann und nahmen die Diskussion wieder auf. Nach längerer Zeit wurde der Mann gläubig, denn es gab jetzt eine Gemeinde, die diese Arbeit übernehmen konnte.

2. Wir bilden eine Kerngruppe

Paulus führte die Menschen nicht nur zu Christus. Er versammelte sie, um ihnen die Prinzipien des christlichen Lebens und die Bedeutung der Mitgliedschaft in der Gemeinde weiterzugeben. Paulus wollte nicht nur Bekehrte, er wollte Jünger.

Wir müssen die neue Gesellschaftsordnung innerhalb der alten Gesellschaftsordnung demonstrieren. Sie müssen den neuen Wein schmecken und Christi Macht und Liebe für die Welt demonstrieren. Eine Kerngruppe zu bilden bedeutet die Einübung des Lebens als Christ, durch unser Beispiel, durch den Segen, den wir empfangen, durch unser Versagen und durch unsere Siege.

3. Wir schulen sie

Übung bedeutet, einen Soldaten für die Schlacht vorzubereiten. „Üben“ ist „lernen durch tun“ und durch Wiederholung, d. h. an Schulungen teilzunehmen und das Gelernte zu praktizieren.

Schulung bedeutet auch zu lernen, den Glauben zu verteidigen. In Europa spielt die Verteidigung des Glaubens eine wichtige Rolle in der Schulung Neubekehrter. Denn die Neubekehrten werden oft wegen ihres Glaubens von ihrer Familie oder ihren Freunden angegriffen. Wenn sie diese für Christus gewinnen möchten, müssen sie zuerst eine Reihe schwieriger Fragen beantworten.

4. Beständige Schulung in der Jüngerschaft

Wir müssen Jünger machen, die selber früh lernen, wie man aus jemandem einen Jünger macht. Ich hatte das Vorrecht durch einen Hauskreis eine Gemeinde aufzubauen. Ich leitete den Hauskreis in dem Haus eines Christen, lehrte das Wort Gottes mit Begeisterung und forderte dazu auf, die Autorität des Wortes Gottes zu akzeptieren und gehorsam z u sein. Die Teilnehmer fingen an andere mitzubringen. Nach sechs Monaten begannen diese neuen Teilnehmer, die gleichen Fragen zu stellen, wie sie die ersten Teilnehmer gestellt hatten. Als wieder einmal eine Frage gestellt wurde, führte mich der Herr dazu, die zu fragen, die schon länger dabei waren: „Wer weiß die Antwort?“ Einer oder zwei begannen zu antworten, aber ich sagte: „Stopp, antwortet jetzt nicht. Ich werde um zehn Uhr Schluss machen und dann könnt ihr antworten. Ist das recht so?“ Alle gaben ihre Zustimmung.

Wir hatten mehrere Fragen an diesem Abend. Als das Bibelstudium zu Ende war, erinnerte ich sie, dass einige der Teilnehmer mehrere Fragen zu beantworten hätten. Und so begann das wirkliche Bibelstudium, als sie anfingen, einander zu lehren. Jünger, die andere zu Jüngern machten, während ich wiederum andere zu Jüngern machte.

5. Aus Jüngern Mitarbeiter…

Der nächste Schritt wäre dann, dass die Jünger zusammen mit dem Gemeindegründer eine Arbeitsgemeinschaft bilden. Die Christen in Thessalonich wurden nicht nur Nachahmer des Paulus, sie wurden selbst Vorbilder für andere.

6. … und Leiter werden lassen

Dies bedeutet, selber in den Hintergrund zu treten und ihnen Verantwortung und Autorität zu geben. Manchmal ist es notwendig, zurück zukommen, um ihnen weitere Schulung oder Hilfestellung im Bewältigen von Problemen zu geben. Aber du musst sie „ins Wasser werfen“, so dass sie ihre Gaben und das Gelernte aus- üben müssen. Oft werden sie die Aufgaben viel besser erfüllen, als wir das getan haben.

Die Belgische Evangelische Mission (www.b-e-m.org/de/) bietet weiterhin Mitarbeit in internationalen Evangelisationsteams, Jahresteams und Arbeitseinsätzen als auch für Praktikanten und als Vollzeit-Missionare an.