Gegensätze ziehen sich an: Interkulturelle Beziehungen und ihre besonderen Herausforderungen

In unseren Großstädten leben heute verschiedene Kulturen dicht beieinander. Fast überall kannst du Menschen aus anderen Kulturen treffen: in der Schule, auf der Arbeit, im Sportverein, in der Gemeinde. Du musst nicht mehr in die Ferne reisen, um dich in jemanden aus einer anderen Kultur zu verlieben.

Außerdem bieten viele christliche Organisationen kürzere oder längere Einsätze in der Außenmission an. Das kann sehr bereichernd sein, besonders wenn man Völker und Kulturen kennenlernt, die sich stark von der eigenen unterscheiden. Während solcher Aufenthalte ist es möglich, sich in eine andere Kultur zu verlieben – und manchmal auch in eine Person aus dieser anderen Kultur.

Nirgends verurteilt oder missbilligt die Bibel romantische Beziehungen zwischen Menschen aus verschiedenen Rassen oder Kulturen. Jeder Mensch ist aus Gottes Sicht gleich geliebt und wertvoll.

Als die Israeliten in ihr verheißenes Land kamen, erhielten sie das Gebot, sich nicht mit den Einwohnern des Landes zu verheiraten, „denn sie würden deine Söhne von mir abwenden, dass sie anderen Göttern dienen“ (5Mo 7,3-4). Das Problem war dabei nicht ihre Rasse oder Kultur, sondern ihre völlig anderen religiösen Praktiken und Überzeugungen. Als Christen sind wir frei, einen Menschen aus einer anderen Rasse oder Kultur zu heiraten, solange er oder sie auch wiedergeborene Christen sind (2Kor 6,14-16). Er oder sie muss „im Herrn“ sein, also dem Herrn gehören (1Kor 7,39).

Interkulturelle Ehen können beglückend und bereichernd sein, aber man muss die kulturellen Unterscheide ernst nehmen. Liebe ist ein starkes Band, aber Liebe beseitigt nicht die Auswirkungen tief verwurzelter kultureller Unterschiede und die damit zusammenhängenden Erwartungshaltungen. Auch die gemeinsame Liebe zum Herrn Jesus oder zu einem besonderen Dienst sind starke Bindungskräfte, aber auch sie beseitigen nicht die Wirkungen tiefgehender kultureller Unterschiede und die daraus entstehenden Erwartungen.

Was ist „normal“?

Unsere eigene Kultur fühlt sich immer „normal“ an. Du musst der Versuchung widerstehen zu denken, dass deine eigene Kultur „gut“ und andere Kulturen ein Stück weit „schlecht“ oder „fehlerhaft“ sind. So einfach ist das Leben nicht! So etwas wie eine „vollkommene“ Kultur gibt es nicht. Satan hat es geschafft, alle Kulturen zu verzerren – deine eigene eingeschlossen. Deshalb hat jede Kultur ihre guten, aber auch schlechte und böse Elemente. Nicht alles, was dich in einer anderen Kultur irritiert, ist „falsch“. Vielleicht ist es das. Aber vielleicht hast du auch nur eine andere Art, Dinge anzugehen und zu tun – und ihre Art ist genauso gültig wie deine eigene.

Wenn du über eine interkulturelle Beziehung nachdenkst, musst du also darauf vorbereitet sein, einige einschneidende persönliche Anpassungen vorzunehmen. Die Erwartung, dass der/die Andere sich verändern und genauso „normal wie ich“ werden wird, führt zu lang anhaltender Enttäuschung. Garantiert! Es ist eine Tatsache, dass Menschen jeder Kultur ihr eigenes Muster tief verwurzelter Werte und Erwartungen in sich tragen, und wenn du weise bist, wirst du hier langsam und vorsichtig vorgehen. Interkulturelle romantische Beziehungen tragen einzigartige Freuden in sich, aber auch spezielle Gefahren.

Bevor wir uns einige davon näher ansehen, wollen wir zuerst darüber nachdenken, wie wir die Kultur einer anderen Person verstehen können. In welcher Weise beeinflusst der kulturelle Hintergrund deines Freundes oder deiner Freundin sein/ihr Denken, Fühlen und Verhalten?

Sind wir wirklich so verschieden?

Die Unterschiede zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen können groß, mittelgroß oder klein sein. Zum Beispiel wird man in Beziehungen zwischen Menschen aus Afrika, Westeuropa, Asien oder Lateinamerika ein hohes Maß an kulturellen Unterschieden erleben. Mittelgroße kulturelle Unterschiede kann man in Beziehungen zwischen Menschen aus Ländern wie Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder Italien erfahren. Und in deutlich kleinerer Form werden kulturelle Unterschiede in Beziehungen zwischen Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen im gleichen Land erlebt, zum Beispiel zwischen erfolgreichen Berufstätigen und Menschen, die von Sozialhilfe abhängig sind, zwischen Großstädtern und Leuten aus kleinen Bauerndörfern, zwischen Christen aus verschiedenen Gemeindetraditionen und so weiter. Welche Kultur bringst du mit hinein in eine romantische Beziehung?

Kultur erforschen und verstehen

Fangen wir einmal mit unserer eigenen Kultur an. Du wurdest in eine bestimmte Kultur hinein geboren, meistens ist das die Kultur deiner Eltern. Du bist dir deiner eigenen Kultur wahrscheinlich kaum bewusst, denn die Art, wie du denkst und dich verhältst, fühlt sich für dich „normal“ an. Die meisten Menschen sind blind für ihre eigene Kultur. Tatsächlich glauben wir alle, dass die Welt wirklich so ist, wie wir sie sehen!

Wissenschaftler, die verschiedene Kulturen studieren und vergleichen, sagen uns, dass jede Kultur zwei Schichten hat – eine an der Oberfläche und eine darunterliegende. Die obere Schicht beschreibt, wie wir uns verhalten. Die untere Schicht besteht aus den Werten, Einstellungen und Überzeugungen, die uns zu diesem Verhalten führen. Wenn du dieses Konzept begreifst, wird dir das sehr helfen, deine eigene und die Kultur deines Freundes/ deiner Freundin zu verstehen – warum er oder sie manchmal etwas Seltsames sagt, emotional auf eine ‚komische’ Art reagiert, oder etwas tut, das dich überrascht oder sogar verletzt. Wenn du ernsthaft in Betracht ziehst, auf eine interkulturelle Ehe hinzuarbeiten, werden die folgenden Gedanken euch beiden helfen, die Bereiche herauszufinden, über die ihr euch aussprechen, euch anpassen oder auch einfach entscheiden müsst, gewisse Unterschiedlichkeiten zu akzeptieren.

Die Oberfläche

Die Oberfläche einer Kultur ist das, was sie für den Tourismus interessant macht. Um eine Kultur auf dieser Ebene kennenzulernen und zu verstehen, musst du deine Aufmerksamkeit auf drei Elemente richten. Zuerst einmal ihre Sitten und Gebräuche: wie sie sich anziehen, was sie essen, wie sie sprechen, ihre Dichtung und Musik und so weiter. Dann ihr Gedankengut: über welche Themen sie reden, ihre Geschichte, beliebte Sportteams, bekannte Fernsehprogramme… Und drittens ihre Produkte: wie sie wohnen, die Transportmittel, was sie produzieren und wie sie Dinge gebrauchen. Besucher können sich sehr leicht nur aufgrund von Besonderheiten der oberflächlichen Schicht in eine Kultur ‚verlieben’. Aber wenn du planst in dieser neuen Kultur zu leben, oder darüber nachdenkst jemanden aus dieser Kultur zu heiraten, wird es weise sein sich die Kultur näher anzusehen. Erst nachdem du für einige Zeit mit einer Kultur in Kontakt warst – einige Monate, vielleicht sogar 2, 3 oder mehr Jahre – wird dir bewusst, dass ihr auf einer viel tieferen Schicht unterschiedlich sind.

Die tiefere Schicht

Kulturforscher sagen uns, dass diese tiefe Schicht einer Kultur ebenfalls aus drei Elementen besteht. Zunächst die Überzeugungen – was die Menschen als wahr und falsch ansehen, ihre Sicht von der Realität, was es gibt oder nicht gibt. Zum Beispiel glauben Menschen aus manchen Kulturen an die Existenz von Vitaminen, obwohl sie nie welche gesehen haben. Mit der gleichen tiefen Überzeugung glauben Menschen aus anderen Kulturen an Dämonen oder die geistige Gegenwart ihrer Vorfahren in ihren Häusern. Zweitens ihre Gefühle – was sie als hübsch oder hässlich, als bescheiden oder aufdringlich, als erwünscht oder unerwünscht ansehen. Wie sie ihre Gefühle ausdrücken – Freude und Traurigkeit, Annahme und Ablehnung, Liebe und Hass, Verachtung, Trauer und so weiter. Gefühle sind ein sehr wichtiger Teil einer Kultur. Du kannst andere tief verletzen oder dich selbst verletzt fühlen, wenn du nicht verstehst, wie Gefühle in einer bestimmten Kultur ausgedrückt oder wahrgenommen werden! Und schließlich die Werte, nach denen sie die Erfahrungen des Lebens beurteilen – ihr Verständnis von dem, was anständig ist, ihr Verhältnis zur Obrigkeit, ihre Arbeitsmoral, ihre Familienwerte, ihr Konzept von Gerechtigkeit, was sie als richtig oder falsch, besser oder schlechter, gut und böse ansehen. In manchen Teilen von Indien wird zum Beispiel ein Zornausbruch als ein schlimmeres Vergehen angesehen als sexuelle Unmoral. In manchen afrikanischen Kulturen wird es nicht als Diebstahl gesehen, wenn du einer anderen Person etwas wegnimmst, was du brauchst. Auch Lügen wird ganz unterschiedlich eingestuft. In manchen europäischen Kulturen ist es ein ernsthaftes soziales Fehlverhalten, wenn man zu spät zu einer Verabredung kommt oder jemanden zu Hause besucht, ohne eingeladen zu sein.

Um eine unterschiedliche Kultur kennenzulernen und besser zu verstehen, musst du deine Ohren und Augen weit offen halten! Beobachte, wie die Menschen miteinander umgehen, und stelle dann vorsichtige Fragen zu ihren Überzeugungen, Gefühlen und Werten. Wenn du einmal angefangen hast, eine Kultur in dieser tieferen Schicht zu verstehen, wirst du auch anfangen zu verstehen, warum dein Freund / deine Freundin bestimmte Entscheidungen trifft, warum sie sich so verletzt oder verlegen fühlt, warum er so wütend aussieht oder dich meidet. Leute aus anderen Kulturen sind nicht „komisch drauf“, sie sind nur darauf programmiert, nach einer anderen kulturellen Software zu laufen als du. Unsere kulturelle Software kann nicht „mal eben“ ausgetauscht werden. Manches davon wird sich nie verändern. Deshalb nimm den kulturellen Hintergrund deines Freundes / deiner Freundin ernst!

Erwartungen und Kultur

Wenn es um Beziehungen zwischen Mann und Frau, um romantische Liebe und Ehe geht, hat jede Kultur ein tief verwurzeltes Muster von Abläufen und Erwartungen. Du wirst gut daran tun sie gründlich kennenzulernen. Jede Kultur kennt ein angemessenes Verhalten für Männer und Frauen vor und nach der Hochzeit. Was z.B. für einen christlichen Mann oder eine christliche Frau als passende Bekleidung angesehen wird, kann sich in verschiedenen Kulturen erheblich unterscheiden.

Einige der Erwartungen, die in einer interkulturellen Beziehung eine Rolle spielen:

Die Erwartungen der Familie des Freundes / der Freundin

Wenn du deinen Freund / deine Freundin aus einer anderen Kultur heiraten möchtest, werden seine oder ihre Eltern und die erweiterte Familie etwas von dir erwarten – etwas, was jeder in ihrer Kultur als „normal“ ansieht. Du bist klug, wenn du das herausfindest, bevor du dich auf eine romantische Beziehung einlässt. Zum Beispiel heiratest du in manchen Kulturen nicht einfach ein einzelnes Mädchen, sondern du heiratest in ihre gesamte Verwandtschaft hinein. Ganz selbstverständlich und ernsthaft wird von dir erwartet, dass du jeden Bedürftigen unter ihnen finanziell und materiell unterstützt. Sie könnten erwarten, dass sie über einen längeren Zeitraum bei euch zu Besuch sein dürfen. Das ist nicht gut oder schlecht, sondern in ihrer Kultur einfach eine normale Sache. Das muss dir bewusst sein. Du musst dich daran fröhlich anpassen und damit leben können. In manchen Kulturen ist es beleidigend, wenn die Frau einen besser bezahlten Job hat als ihr Mann. In anderen Kulturen sind die Männer für das Reden zuständig und die Frauen für die Arbeit. In manchen Kulturen ist es normal, dass die Großeltern die Kinder aufziehen, während die Eltern beide arbeiten gehen und für die Großfamilie sorgen. Frag nach. Informiere dich. Beobachte gut.

Die Erwartungen deines Freundes / deiner Freundin

Was erwartet er oder sie, außer der gegenseitigen Zuneigung und einer schönen Zeit zusammen, noch von dir? Es ist wichtig, darüber zu sprechen. In manchen Kulturen ist männliche Dominanz die Norm. Sogar Christen aus solchen Kulturen werden die Bibel zitieren, um eine solche Überlegenheit zu unterstützen. Das ist für Menschen, die aus „Wir-Kulturen“ kommen, ein sehr heikles Thema. Was versteht er oder sie und die erweiterte Familie unter „Unterordnung“? Wie wird die von dir erwartete Rolle als Ehemann oder Ehefrau aussehen, wenn du heiratest? Welche „Freiheiten“ musst du nach seinen Erwartungen aufgeben? Erwartet sie, dass sie ihre Mutter und ihre Schwester mitbringen kann, um auf Dauer bei euch zu wohnen? Erwartet dein Freund von dir, dass du seine Sprache lernst? Erwartet sie, dass du schließlich umziehst und in ihrem Heimatland lebst?

Deine eigenen Erwartungen

Erwartest du unbewusst, dass dein Freund / deine Freundin sich verändert, dass er oder sie die eigene Kultur aufgibt und sich an deine anpasst? Bist du gewillt ihn zu akzeptieren, so wie er ist, und dich an seine Kultur anzupassen? Bist du darauf vorbereitet dich zu ändern? Beinhaltet die Kultur deines Freundes / deiner Freundin einige Elemente, die du einfach nicht akzeptieren kannst? Diese tief verwurzelten, „natürlichen“ kulturellen Erwartungen verändern sich nicht automatisch dadurch, dass jemand Christ geworden ist. Diese Unterschiede müsst ihr herausfinden, anerkennen und darüber sprechen. Wenn du nicht gewillt bist, die notwendigen einschneidenden persönlichen Anpassungen vorzunehmen, dann ist wohl es das Beste, eine romantische interkulturelle Beziehung zu vermeiden. Du wirst sonst nur dich selbst und den/die Andere/n frustrieren und verletzen.

Kommunikation und Kultur

In allen unseren Beziehungen kommunizieren wir nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gesten, Gesichtsausdrücken und Verhaltensweisen. Kulturelle Unterschiede können diesen Kommunikationsprozess bereichern, aber sie können ihn auch schwieriger machen. Mach dir diese möglichen Unterschiede bewusst! Einige Beispiele: Wenn du sagst: ‚Sollen wir Freunde werden’, meinst du etwas Bestimmtes, aber die Person aus einer anderen Kultur versteht vielleicht etwas ganz Anderes darunter. In manchen Kulturen gilt es als höflich, wenn man beim Sprechen einer anderen Person in die Augen sieht. In anderen Kulturen wird der Augenkontakt zu einer Person des anderen Geschlechts als sexuelle Annäherung verstanden. Wenn man das tut, sendet man eine bestimmte Botschaft aus. In manchen Kulturen ist es völlig normal, sich an den Händen zu halten oder kurz zu umarmen, in anderen Kulturen kann das eine Botschaft vermitteln, die du gar nicht beabsichtigt hast. Was bei dir einfach eine Möglichkeit, eine Vorstellung, ein Wunsch oder Verlangen ist, kann als deine feste Absicht oder sogar als ein Versprechen verstanden werden.

Deshalb pass gut auf, was du kommunizierst! Spiegele deinem Gegenüber zurück, was du meinst verstanden zu haben. Nimm dir Zeit und streng dich wirklich an, zu verstehen und verstanden zu werden. Missverständnisse können sehr schmerzhaft sein.

Gefühle kann man am besten in seiner Muttersprache ausdrücken. Gefühle wie Spaß und Lachen während der Zeit eures Kennenlernens mitzuteilen ist etwas völlig Anderes als deine Gefühle zu vermitteln, wenn du dich einsam, wütend, frustriert, zurückgewiesen oder krank fühlst oder wenn du Schmerzen hast. Unterschätze nicht die Barriere, die durch verschiedene Sprachen entsteht, besonders in Zeiten von Stress und Schwierigkeiten.

Wie und wann wir unsere Gefühle mitteilen, ist in verschiedenen Kulturen (sogar schon in verschiedenen Familien) sehr unterschiedlich. Dennoch ist dieses Mitteilen unverzichtbar für einen gesunden Bindungsprozess.

Die Gefahren interkultureller Beziehungen

Romantische interkulturelle Beziehungen haben ihre eigenen Freuden, bringen aber auch eine Reihe von Gefahren mit sich. Hier folgt eine Liste einiger solcher Gefahren – nicht um negativ zu sein oder dir Angst zu machen, sondern um dir Mut zu machen, langsam und mit weit offenen Augen vorwärts zu gehen!

Manche Leute fühlen sich vielleicht nicht deswegen zu dir hingezogen, weil du bist, wie du bist, sondern weil du für sie eine bestimmte Bedeutung hast. Die Beziehung zu dir könnte ihnen helfen, einer schwierigen Situation zu Hause zu entkommen. Vielleicht sehen sie in dir die Lösung für ihre finanziellen Probleme. Andere könnten eine Hochzeit mit dir als eine Möglichkeit sehen, einen bestimmten sozialen Status zu erreichen oder eine Aufenthaltserlaubnis in deinem Land zu bekommen. Natürlich werden viele nicht so berechnend denken, aber du tust gut daran diese Möglichkeiten im Hinterkopf zu behalten, besonders im frühen Stadium einer Beziehung und selbst dann, wenn du jemand im Umfeld einer christlichen Gemeinde getroffen hast.

Du hast vielleicht schon festgestellt, dass manche Leute in deinem Bekanntenkreis keinerlei Einfühlungsvermögen oder sehr geringe soziale Fähigkeiten haben. Sie sind sozial „komisch“. Natürlich kannst du dich entscheiden, so jemanden zu heiraten. Aber wenn du das tust, sollten dir die sozialen Begrenzungen dieser Person bewusst sein. In interkulturellen Beziehungen ist es eine mögliche zusätzliche Schwierigkeit, dass es nicht so einfach ist, sozial „seltsame“ Leute in einer anderen Kultur zu identifizieren. Du denkst vielleicht, dass die „Eigenartigkeit“, die du beobachtest, an der Kultur liegt und nichts mit der Person selbst zu tun hat. Du brauchst Zeit und die Hilfe von Menschen aus der anderen Kultur, um den Unterschied erkennen zu können.

Du hast wahrscheinlich schon bemerkt, dass sich Unterschiede oft anziehen. Laute, extrovertierte Leute fühlen sich oft zu ruhigen, friedlichen Introvertierten hingezogen – und umgekehrt. Das kann auch bei der anfänglichen Attraktivität von Menschen aus verschiedenen Kulturen eine große Rolle spielen. Eine Person aus einer anderen Kultur kann auf dich allein durch die großen Unterschiede attraktiv wirken. Aber mit der Zeit können einige dieser Unterschiede Anlass zu ernsthaften Spannungen werden!

Eine dauerhaft gesunde Beziehung wird durch Unterschiede bereichert, braucht  aber unbedingt eine ausreichend breite gemeinsame Basis.

Scheidungsraten in interkulturellen Beziehungen

Die unterschiedlichen Gebräuche und Erwartungen, die Menschen aus unterschiedlichen Kulturen in ihre Ehe hineinbringen, erhöhen ihr Risiko für eine Scheidung, verglichen mit Ehepaaren, die innerhalb ihrer eigenen Kultur geheiratet haben. Das ist eine statistische Tatsache. Zum Beispiel haben neue Studien in Amerika gezeigt, dass Ehen zwischen weißen Frauen und farbigen Männern, verglichen mit weißen Ehepaaren, ein doppelt so hohes Risiko haben, bis zum 10. Ehejahr in einer Scheidung zu enden. Ähnlich sieht es bei Ehen zwischen asiatischen Männern und weißen Frauen aus – die Wahrscheinlichkeit für eine Scheidung liegt um 59% höher. Weitere interessante Statistiken aus aktuellen Studien zu gemischt-rassigen Ehen und Scheidungsraten in Amerika sind frei zugänglich – zum Beispiel auf Wikipedia. Viele diese Studien beziehen sich auf Amerika, wo beide Ehepartner gut Englisch sprechen und eine ähnliche (amerikanische) Geschichte haben.

Aber wirklich interkulturelle Ehen müssen größere Unterschiede aushalten. Statistisch gesehen haben interkulturelle Ehen daher noch eine höhere Wahrscheinlichkeit, mit einer Scheidung zu enden.

Ein erfahrener Leiter eines internationalen christlichen Missionswerks schrieb mir einen Kommentar zum Manuskript dieses Artikels und bemerkte dazu: „Es ist alarmierend, wieviele Ehen zwischen Westeuropäern und Afrikanern, Arabern oder Latinos in einer Scheidung enden. Nach meiner Erfahrung scheitern die meisten dieser Ehen. Diese schmerzhafte Tatsache solltest du deinen Lesern nicht verschweigen.“

Du hast also jetzt diese Warnung gelesen. Vielleicht denkst du, dass das eine extreme Ansicht ist. Vielleicht denkst du, dass ihr die große Ausnahme seid. Vielleicht. Es ist dein Leben. Aber bitte nimm eine interkulturelle Beziehung nicht auf die leichte Schulter. Nimm dir viel Zeit. Und höre aufmerksam auf den Rat von Leuten, die dich gut kennen und dich lieben.

Die Freuden interkultureller Beziehungen

Meine Frau ist Holländerin. Ich selber habe zwei Kulturen, denn ich habe die eine Hälfte meines Lebens in Südamerika verbracht, die andere in Europa. Meine Frau und ich haben gelernt die Vielfalt zu genießen, die verschiedene Kulturen mit sich bringen. Wir stellen fest, dass unsere vier Kinder es auch genießen, ihre Zeit mit Menschen aus anderen Kulturen zu verbringen. In interkulturellen Beziehungen können wir das Beste aus zwei oder mehr Kulturen aussuchen und für uns auswählen.

Jede Kultur muss mit christlichen Werten „gesalzen“ werden. Zu Unrecht halten wir schnell unsere eigene kulturelle Art und Weise, gewisse Dinge zu tun, für die „christliche“. In einer gesunden christlichen interkulturellen Beziehung kann jeder Partner dem anderen dabei helfen, seine eigenen kulturellen Mängel zu sehen (es könnten sogar unmoralische und sündhafte Tendenzen sein), und die beiden können zusammen herausfinden, wie sie Salz und Licht für Jesus in diesen Kulturen sein können.

Eine Person kann seine oder ihre kulturellen Ausdrucksformen in der oberflächlichen Schicht ändern und sich damit an das Leben in einer anderen Kultur anpassen. Aber kulturelle Veränderungen in der tieferen Schicht – also Veränderungen in Überzeugungen, Gefühlen und Werten – erfolgen nur langsam und schwierig. Selbst wenn sich jemand wirklich ernsthaft verändern möchte, werden doch manche kulturellen Charakterzüge der tiefen Schicht bis zum Tod unverändert bleiben. Du solltest nicht in eine Ehe hineingehen in der Hoffnung, die andere Person verändern zu können. Wenn du die Besonderheiten der tiefen Schicht seiner oder ihrer Kultur kennst, bist du bereit, das zu akzeptieren, dich zu ändern und dich anzupassen?

Nach fast 30 Jahren Ehe stellen wir fest, dass wir eine gewisse Mischung unserer ursprünglichen Kulturen entwickelt haben. In manchen Dingen bin ich immer noch ziemlich britisch. In anderen Bereichen bin ich ganz Kolumbianer. Und meine Frau kann manchmal sehr holländisch sein. Unbeabsichtigt haben wir als Familie unsere eigene Mini-Kultur entwickelt, und wir genießen sie. Ich beobachte, dass andere interkulturelle Familien dasselbe tun.

Interkulturelle Ehen können viel Freude, Abenteuer und Abwechslung mit sich bringen. Aber sie erfordern viel gute Kommunikation, noch mehr Gnade, und eine aufrichtige Bereitschaft sich anzupassen.

 

Zum Weiterdenken

  • Wie gut kenne ich die Kultur der Person, von der ich mich angezogen fühle?
  • Was kann ich tun, um die tiefe Schicht seiner oder ihrer Kultur besser zu verstehen?
  • Erwarte ich, dass die andere Person meine Kultur übernimmt?
  • Bin ich offen dafür, Rat von Anderen anzunehmen, die diese andere Kultur kennen?
  • Hat die Kultur meines Freundes / meiner Freundin einige Aspekte, die ich einfach nicht akzeptieren kann oder will?
  • Bin ich gegebenenfalls bereit, eine andere Sprache zu lernen, in seinem oder ihrem Herkunftsland zu leben und mich an das Leben in seiner oder ihrer Kultur anzupassen?
  • Drängt der Heilige Geist mich dazu, im Blick auf dieses Thema etwas zu unternehmen?