Geborgen

„Ich liege und schlafe und erwache; denn der Herr hält mich.“
(Psalm 3,6)

Mitten in einer Krise, auf der Flucht und umgeben von Verfolgern, angeführt von seinem eigenen Sohn, weiß sich David geborgen in Gottes Hand. Er bekennt: „Auch wenn ich mich niederlege, schlafe und erwache – also gerade dann, wenn ich mich selbst nicht schützen und verteidigen kann –, ist doch der Herr auf meiner Seite und beschützt mich.“

„Wie hat David das geschafft?“, fragen wir. Bei uns sind es oft schon Kleinigkeiten, die uns unruhig machen und schlaflose Nächte bereiten. Nun, ich denke, David hatte es in seinem bisherigen Leben immer wieder erfahren, dass Gott ihn gerade auch dort schützte, wo er selbst eigentlich schutzlos war. Dort, wo er den wilden Tieren auf der Weide ausgeliefert war oder dem unberechenbaren König Saul gegenüberstand. Auch später, als Saul ihn verfolgte und sie sich beide auf einmal in derselben Höhle einquartierten, beschützte Gott ihn. Als er später König geworden war und sein Sohn Absalom eine Revolte gegen ihn auslöste, befand er sich in Lebensgefahr und musste fliehen. Doch Gott lenkte die Geschicke, und im Kampfgeschehen, als Absalom seinen Vater verfolgte, verunglückte er an einer Eiche und wurde von Davids Leuten getötet. David selbst blieb unversehrt und konnte wenig später sein Amt als König fortsetzen.

Wahrscheinlich rechnete David manchmal damit, dass ihn in der Nacht ein Unglück treffen würde. Aber selbst dann wusste er: „Der Herr hält mich. Was können mir Menschen tun?“ Ob wir es immer spüren oder nicht – das Wort macht uns gewiss: Die Hand des Herrn ist gerade da stark, wo wir selbst schwach und hilflos sind. Er lässt uns nicht fallen. Und selbst dann, wenn ich mich ein letztes Mal zur Ruhe lege, hält er mich und leitet mich hinein ins Licht, in seine neue Welt. Welch ein Trost und welch eine Hoffnung!

 

Leseprobe aus:
Werner Schlittenhardt: Glücklich und dankbar. Entdeckungsreise durch 150 Psalmen.
CV Dillenburg 2019; 240 S.; € 14,90.
Erhältlich hier