Ganzheitlich auftanken in der „Tankstelle“

Thomas, wie ist die Tankstelle entstanden? Was waren deine/eure Beweggründe, eine Tankstelle zu eröffnen?

Zunächst war die Ursprungsidee der „Tankstelle“, einen Ort zu haben, um geistlich aufzutanken und um mehr Gemeinschaft mit Glaubensgeschwistern zu pflegen. Meine Frau und ich fingen an, dafür zu beten und die Türen unseres Hauses zu öffnen. Durch einen Umzug nach Kreuzlingen schenkte uns der Herr in dieser Zeit am neuen Ort auch einige Kontakte zu Menschen, die noch nicht viel vom Evangelium und der frohen Botschaft von Jesus Christus wussten. So wurde uns sehr bald klar, zu was uns der Herr eigentlich gebrauchen wollte:

  • Einen Ort zu haben, wo Menschen das Evangelium von Jesus Christus hören können und ganz offen Fragen dazu stellen können.
  • Ein Ort, an dem Menschen unverbindlich und vorbehaltslos angenommen sind und wo ihnen mit Liebe begegnet wird. Einen Ort, an dem sie ihre Zweifel, Ängste, Sorgen und Nöte zum Ausdruck und ins Gebet bringen können.
  • Ein Ort zum Auftanken an Seele, Geist und Körper.

Wie würdest du die „Tankstelle“ in einem Satz beschreiben wollen?

Ein Ort, um über Glaubensfragen ins Gespräch zu kommen und ganzheitlich aufzutanken.

Wer kommt in die Tankstelle?

Die unterschiedlichsten Menschen. Wir hatten Abende, an denen Obdachlose und Ärzte auf der Suche nach dem Sinn in ihrem Leben in der Runde saßen. Sowohl intellektuelles Publikum als auch viele Menschen mit psychischen Einschränkungen, körperlichen und seelischen Gebrechen und Suchtproblematiken sind immer wieder Gäste. Menschen aus ganz unterschiedlicher Herkunft haben die Tankstelle schon besucht. Das macht die Abende spannend und herausfordernd zugleich. Allen Menschen soll die frohe Botschaft der Errettung durch Jesus Christus bekannt gemacht werden.

Wie läuft so ein Tankstellenabend ab und was sind eure Angebote?

Der Inhalt und das Programm der Abende hat sich je nach Publikum unterschiedlich verändert und entwickelt. Unser Wunsch ist es, dass das Evangelium immer einen Platz hat für Leute, die auf der Suche nach der Wahrheit sind, aber auch Glaubensgeschwister in ihrem Glauben und praktischen Alltag gestärkt und begleitet werden können.

Als die Tankstelle entstand, gaben einzelne Christen einfach Zeugnis von dem, was sie mit Jesus erlebt hatten und wie er ihr Leben verändert hatte. Danach konnten noch Fragen gestellt werden. Im Anschluss gibt es immer die Möglichkeit, sich noch bei einem Snack oder Getränk persönlich auszutauschen.

Im Lauf der letzten Jahre haben wir auch schon zwei Bibelkurse vorgestellt.

Im Moment kommen ca. 20 Gäste und wir beginnen mit einem kurzen evangelistischen Impuls als Einleitung. Anschließend gibt es eine Zeit, in der jeder, der möchte, ein Erlebnis oder eine Gebetserhörung zur Ermutigung oder auch ein Anliegen, eine Sorge oder eine Not nennen darf, für die wir im Anschluss beten können. Dann nehmen wir momentan meist einen Bibeltext zur Hand, zu dem wir einfache Fragen stellen und das Evangelium erklären.

Wodurch sind Menschen auf die Tankstelle aufmerksam geworden und wie bekommen sie Tankstelleninformationen?

Durch Büchertische in der Innenstadt, persönliche Einladung im Bekannten- und Verwandtenkreis, Weitersagen von Gästen…

Gibt es eine Verbindung von Tankstelle und Christlicher Gemeinde?

Ein Gemeinschaftstreffen, wie es die „Tankstelle“ anbietet, kann ein gutes Sprungbrett für Menschen sein, um Anschluss in die Gemeinde zu finden. Der Vorteil ist, dass es ein neutraler und persönlicher Ort ist, an den Menschen mit weniger Vorurteilen kommen können. Es gibt auch immer wieder Menschen, die auf Anhieb mit dem Gemeindeleben überfordert wären oder auch Gemeinden selbst, die mit dem Lebensstil von Menschen an ihre Grenzen kommen könnten. So kann die Tankstelle als gute Vorbereitung dafür dienen.

Wo ist die Tankstelle und wann ist sie geöffnet?

Begonnen hat die Tankstelle in unserem Haus. Als wir dann immer mehr Gäste bekamen, konnten wir nach ca. einem Jahr in den Musiksaal einer Schule ausweichen. Nun durften wir einen weiteren attraktiven Standort finden, an dem wir ab November 2019 sein dürfen. Ein gemütliches Café mitten in der Fußgängerzone der Innenstadt von Kreuzlingen. Dieser zentrale Ort ist in der Stadt sehr bekannt und gut erreichbar.

Wir treffen uns alle 14 Tage freitagabends um 20 Uhr. Eine halbe Stunde vorher kommen immer noch einige Geschwister zum Gebet für die Abende zusammen.

Möchtest du uns noch an einem besonderen Erlebnis teilhaben lassen?

Ja, es gab schon sehr viele herausfordernde, lustige und auch schöne Momente in der Tankstelle. Aber das vielleicht schönste Erlebnis war mit einem Mann, den ich bei einem Spaziergang im Park kennenlernen durfte. Er war auf der Suche nach Gemeinschaft und dem Sinn des Lebens und hatte viele Fragen. Wir verabredeten uns zunächst einfach nur zum Joggen und um gemeinsam Aktivitäten mit unseren Kindern durchzuführen. Zum richtigen Zeitpunkt durfte ich ihm erklären, dass wir Christen sind und für alle Entscheidungen beten und glauben, dass Gott die Gebete hört. Er war sehr interessiert und so konnte ich ihn zur Tankstelle einladen. Er kam ca. ein Jahr regelmäßig und hörte immer wieder das Evangelium. In einer Notsituation auf seiner Arbeit kam dann der entscheidende Moment, an dem er seine Schuld bekannte und sein Leben ganz unserem Herrn Jesus anvertraute. Ein Bruder aus der Gemeinde nahm sich seiner an und las mit ihm regelmäßig in der Bibel. Durch diese Zweierschaft konnte er wachsen und im Glauben gestärkt werden. Er kam dann regelmäßig in die Gemeinde und ließ sich ein paar Monate später taufen. Nun sind ca. drei Jahre vergangen und dieser Freund steht selbst fröhlich und von Gott verändert mit christlichen Schriften in der Hand in der Fußgängerzone und möchte Menschen für Jesus Christus gewinnen. Was für ein Segen, wenn Gott in ein Leben eingreift. Dafür allein lohnt es sich!

Lieber Thomas, herzlichen Dank für den Einblick in die Tankstellenarbeit. Unser Gott möge weiterhin schenken, dass noch viele Menschen bei euch „ganzheitlich“ aufanken können.

 

Das Interview mit dem Tankstelleninitiator und „Betreiber“ Thomas Bommel führte Hermann Fürstenberger von Diakonie Persis.
www.diakonie-persis.de