Etwas ändern? Problematisch …

„Das haben wir noch nie so gemacht!“

Du hast die Führung des Herrn gesucht und führst nun sein Volk in eine neue Richtung seines Dienstes. Aber du kannst dich darauf verlassen, dass es Widerstand gegen Veränderungen geben wird!

Natürlich kann Veränderung in eine falsche Richtung gehen – zum Beispiel beim Ausprobieren der neuesten verrückten Idee, die die christliche Welt umkrempeln soll. Veränderung ist falsch, wenn sie biblische Prinzipien oder Lehren gefährdet. Aber es kann auch der Herr sein, der Veränderungen in den Arbeitsmethoden angeregt. Der visionäre Älteste sehnt sich danach, die kreative Haltung von Paulus anzunehmen: „Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette“ (1Kor 9,22).

Jeder Leiter entdeckt irgendwann, dass Widerstand gegen neue Ideen und Methoden normal ist. Es dauert nicht lange, dann fällt selbst eine neue Gemeinde der Neigung der Menschen zum Opfer, sich gegen Veränderungen zu wehren. Eine Art der Evangelisation, die einmal innovativ war, kann nach ein paar Jahren zum „So machen wir es in unserer Gemeinde!“ werden – und der Versuch, Veränderungen vorzunehmen, wird zu einem großen Kampf. Temperamente prallen aufeinander, Sturheit bricht durch, und die Einheit ist gefährdet!

Wo einst ein Kanu der einzige Weg war, um eine abgelegene Volksgruppe zu erreichen, machen heute Flugzeuge aus dem Reiseerlebnis eine Kleinigkeit. Der Christ, der an die Überlegenheit des Paddels glaubt und oberflächlich die „neuen Wege“ anprangert, ist zu bedauern!

Die meisten Leiter sind mit den üblichen Einwänden gegen Veränderungen vertraut:

  • „Diese Methode ist nicht nach Gottes Sinn!“
  • „Gottes Wort und seine Wege ändern sich nie.“
  • „Es hat früher funktioniert, es wird auch jetzt funktionieren – wir müssen uns nur mehr anstrengen.“
  • „Wir sehen keine Früchte mehr, weil die Gemeinde heute weltlich ist.“
  • „Veränderungen könnten zu Spaltungen führen, und Gott wünscht sich doch Einheit!“

Alle diese Punkte haben einen wahren Kern, aber ob sie das eigentliche Problem erfassen, hängt von der Veränderung ab, um die es geht. Hilfreicher ist es, die zugrundeliegenden Ursachen für den Widerstand zu suchen – dann sind echte Lösungen und gute Reaktionen einfacher zu erkennen. Mögliche Erklärungen sind z.B.:

1. Gott könnte den Widerstand benutzen wollen, um mir etwas beizubringen.

Petrus‘ Scheinheiligkeit wurde von Paulus abgewehrt (Gal 2,11-14). Bileam wurde von einem Esel herausgefordert (Num. 22). Einfach ausgedrückt: Wir können uns irren, wenn wir eine bestimmte Veränderung anstreben oder eine an sich gute Veränderung auf eine bestimmte Weise anstreben! Gott kann gottesfürchtige, aber auch halsstarrige Werkzeuge benutzen, um uns mit unseren eigenen Schwächen zu konfrontieren. Eine demütige Selbstanalyse ist der erste Schritt, um auf den Widerstand zu reagieren. Einige der wichtigsten Lektionen in der Leiterschaft werden auf diese Weise gelernt!

2. Selbst geistliche Menschen sind manchmal sehr uneins, was Methoden betrifft.

Paulus‘ Dienstmethode brauchte Männer, die keine „Drückeberger“ waren. Barnabas‘ Methode gab einem „Versager“ eine neue Chance. Beide blieben bei ihren Standpunkten und gingen getrennte Wege – und wir lesen nichts davon, dass Gott den einen oder den anderen verurteilte (Apg 14,36-41). Manchmal sind getrennte Dienste besser als anhaltende Konflikte.

3. Diejenigen, die sich gegen Veränderung wehren, könnten sich bedroht fühlen.

Einige könnten die Veränderung so verstehen, dass das, was vorher getan wurde, falsch war, oder dass ihre Leiterschaft nutzlos ist. Wenn Menschen sich mit ihrem Dienst identifizieren, ist es schwierig etwas loszulassen, in das sie so viel von sich selbst hineingesteckt haben. Und je mehr sie investiert haben, desto schwieriger ist es für sie, sich zu verändern.

Diesen Mitarbeitern musst du demütig deinen Respekt zeigen. „Alle aber umkleidet euch mit Demut im Umgang miteinander!“ (1Petr 5,5b). Du musst bestätigen, dass der vorherige Weg sehr wertvoll war und vom Herrn gesegnet wurde. Und du musst ihnen helfen zu verstehen, dass Methoden kommen und gehen – jede ist für eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort sinnvoll. Was einmal hilfreich war, kann unwirksam werden, wenn sich die Umstände ändern.

Wir brauchen Hingabe – aber nicht an unsere Methoden, sondern an unseren Auftrag: Menschen für Christus zu erreichen und ihnen zu helfen, im Gehorsam gegenüber dem Herrn zu wachsen (Mt 28,18-20). Eine gute Leitung wählt mit Weisheit die beste Methode zur richtigen Zeit. Schon die ersten Diakone sollten „voll Geist und Weisheit“ sein (Apg 6,3). Ihre Aufgabe war es, den Dienst an vernachlässigten Witwen zu organisieren – etwas, das noch nie zuvor getan worden war!

4. Eine Methode hat den Stellenwert von „So spricht der Herr!“ angenommen.

Sicherlich ordnet Gott manche Methoden an, wie z.B. gemeinsame Ältestenschaft. Aber manche geben allzu schnell bestimmten Traditionen oder persönlichen Anwendungen den Rang einer „biblischen Methode“. In der Ältestenschaft müssen wir vieles entscheiden, ohne einen klaren biblischen Auftrag dafür zu haben. Wir müssen den anderen jedoch helfen, damit sie nicht das, was einmal eine gute Art war Dinge zu tun, auf die Ebene allgemeiner biblischer Prinzipien heben. Sorgfältige Lehre über die Flexibilität und Vielfalt der neutestamentlichen Gemeinde ist unerlässlich.

Die entsprechende gegenteilige Auffassung ist: „Diese Methode finden wir nicht in der Bibel!“ – Autos finden sich auch nicht in der Bibel, und trotzdem können wir sie in unserem Dienst gut gebrauchen.

Sorgfältiges Bibelstudium und mutige Anwendung der Schrift sind unbedingt erforderlich, um Widerstände dieser Art zu überwinden.

5. Das eigentliche Problem könnten die Sünden des Stolzes oder der Sturheit sein.

Das ist besonders schwierig, wenn es bei einem der „Macher“ der Gemeinde auftritt. Das sind solche, die immer die Richtung vorzugeben scheinen, obwohl sie nicht wirklich geistlich reif sind. Sie können zurückhaltend und untätig wirken, benutzen aber dezente, wohlgezielte Bemerkungen, um die Begeisterung zu dämpfen. Sie können auch offen, ja sogar streitlustig erscheinen. Paulus hatte seine Judaisten, Johannes hatte seinen Diotrephes. Du wirst auch deine Kritiker haben. Solche Menschen müssen öffentlich zurechtgewiesen werden (3Joh 1,9).

Für Veränderungen im Dienst, die vom Herrn kommen, braucht es mutige Männer Gottes, die bereit sind, den Widerstand der Ungeistlichen zu hinterfragen.

6. Die Sünden der Gleichgültigkeit und Faulheit.

Einige sträuben sich gegen Veränderungen, weil sie das Gleichgewicht in der Gemeinde stören. Beim Status quo weiß jeder, wo er hingehört, wer wann und für was verantwortlich ist. Der Dienst ist bequem, und es ist am einfachsten, innerhalb der eigenen Komfortzone zu bleiben. Jede Veränderung bringt Unruhe; man muss die Trägheit überwinden. Das aus der Physik bekannte Prinzip: „Der Körper in Ruhe neigt dazu, in Ruhe zu bleiben“ trifft auch hier zu.

7. Angst vor dem Unbekannten.

Menschen mit einer negativen Lebenseinstellung, pessimistischen Ansichten oder ungesunder Angst vor der Zukunft werden sich gegen Veränderungen wehren, weil sie ein ganz neues Ausmaß an Unsicherheit mit sich bringen.

Und nun?

Der weise Leiter wird, wenn er mit Widerstand gegen Veränderungen konfrontiert wird, um Urteilsvermögen und Verständnis für die zugrundeliegenden Ursachen beten. Dann wird er besser in der Lage sein, auf gottgefällige Weise darauf zu reagieren, damit das Werk des Herrn unter Seinem Segen Fortschritte machen kann.