Ehe und Bündnisse – Eine „Schutzzone“ schaffen (Leseprobe)

Viel gedankliche Vorarbeit war notwendig für die Planung und Errichtung einer „Schutzzone“, in der Herz- oder Gehirn-Chirurgen ihre riskante Arbeit durchführen können. Viel gedankliche Vorarbeit war notwendig für die Planung und Errichtung von Kernkraftwerken, in deren „Schutzzone“ kontrollierte nukleare Explosionen in Wärme und Elektrizität umgewandelt werden können. In ähnlicher Weise hat Gott eine „Schutzzone“ geplant und uns offenbart, in der eine die Seelen verbindende und liebevolle sexuelle Intimität wachsen und blühen kann. Die Bibel bezeichnet sie als den Ehe-Bund.

Die Ehe als ein Bund

Der Prophet Hesekiel verwendete die Analogie der Ehe, um Gottes Beziehung zu Israel zu erklären: „Und ich schwor dir und trat in einen Bund mit dir, spricht der Herr, HERR, und du wurdest mein“ (Hes 16,8). Ein Bund ist die stärkste Form eines Abkommens zwischen zwei (oder mehreren) Parteien. Bundesschlüsse sorgen für Stabilität von persönlichen Beziehungen und ganz allgemein innerhalb der Gesellschaft. In der Bibel finden wir horizontale Bündnisse – zwischen Einzelpersonen wie David und Jonathan (1Sam 23,18) sowie zwischen Familien und Völkern wie Abraham und Abimelech (1Mo 26,28-31). Aber es gibt auch vertikale Bundesschlüsse – zwischen Gott und einem Menschen – wie den Bund mit Noah (1Mo 6,18), zwischen Gott und einer Familie – wie den Bund mit der Familie von König David (2Chr 21,7), zwischen Gott und einem Volk – wie den Bund mit dem Volk Israel (2Mo 34,27) und den „Neuen Bund“ mit den Christen (Lk 22,20).

Interessanterweise besteht die „Schutzzone“ des Ehe-Bundes aus zwei Komponenten: einer horizontalen – dem Bund zwischen einem Mann und einer Frau – und einer vertikalen – dem Bund zwischen dem Ehepaar und Gott selbst. Ehe ist eindeutig nicht nur ein „Stück Papier“. Sie ist mehr als ein vorteilhaftes soziales Arrangement. Ehe ist eine sorgfältig geplante „Schutzzone“, in der Ehepaare frei und vertrauensvoll sie selbst sein können, ohne Ablehnung oder eine mögliche spätere Trennung befürchten zu müssen, in der sie völlig offen und verletzlich sein können, in der sie sich ganz hingeben können.

Die horizontalen und vertikalen Komponenten eines Bundes

Als einige Israeliten überlegten, sich von ihren Frauen scheiden zu lassen, sprach Gott durch den Propheten Maleachi zu ihnen und sagte: „Weil der HERR Zeuge gewesen ist zwischen dir und der Frau deiner Jugend, an der du treulos gehandelt hast, wo sie doch deine Gefährtin ist und die Frau deines Bundes“ (Mal 2,14). Gott bezeichnet sich hier als ein Zeuge. Er ist Zeuge, wenn sich ein Mann und eine Frau gegenseitig die lebenslange exklusive Treue versprechen – das ist die horizontale Komponente des Ehe-Bundes. Aber Gott ist mehr als nur ein Zeuge. Es ist Gott selbst, der in gewisser Weise einen Mann und seine Ehefrau vereinigt. In diesem besonderen Moment der Eheschließung geschieht etwas Bemerkenswertes: „… sodass sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ (Mt 19,6). Vielleicht wird der Ehe-Bund wegen dieser aktiven Rolle Gottes bei der Vereinigung des Ehepaares auch als Bund Gottes bezeichnet (Spr 2,17). Wir versprechen auch Gott, dass wir uns lieben und dem/der Partner/in, den/die er uns gegeben hat, treu sein werden – das ist die vertikale Komponente des Ehe-Bundes.

Du hast vielleicht bemerkt, dass traditionelle christliche Eheversprechen gewöhnlich sowohl die vertikale als auch die horizontale Komponente beinhalten. Das Ehepaar steht zunächst mit dem Gesicht zu demjenigen, der die Trauzeremonie durchführt. Beiden werden mehrere Fragen gestellt, wie etwa: „Willst du Katja/Daniel als deine/n rechtmäßige/n Ehefrau/Ehemann annehmen, für sie/ ihn sorgen usw.?“ Darauf antworten der Mann und die Frau: „Ja, ich will.“ – Das ist das Versprechen gegenüber Gott – die vertikale Komponente des Ehe-Bundes. Dann wendet sich das Paar einander zu, sieht sich ins Gesicht und gibt sich weitere Versprechen, etwa in dieser Form:
„Ich nehme dich zu meiner Ehefrau (oder Ehemann), um dich von diesem Tag an zu haben und festzuhalten, in guten und schlechten Tagen, in Reichtum oder Armut, in Krankheit und Gesundheit, dich zu lieben und zu ehren, bis der Tod uns scheidet, nach Gottes heiligem Gesetz. Das ist mein feierliches Versprechen, so wahr Gott mir helfe.“ Das ist das Versprechen, das man sich gegenseitig gibt, mit Gott, Familie und Freunden als Zeugen – die horizontale Komponente des Ehe-Bundes. Und dann erklärt derjenige, der die Hochzeitszeremonie leitet, das glückliche Paar zu Ehemann und Ehefrau!

 

(Das Buch ist erhältlich unter www.cb-buchshop.de)

Kommentare sind geschlossen.