Du bist ein Priester Gottes!

Ich halte das rote „Büchlein“ in der Hand. Meine Tochter hat mir diesen besonderen Bestseller empfohlen. „Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944“ steht in schwarzen Lettern auf dem Cover. Im Vorwort schon heißt es: ‚Die Deutschen sind ein merkwürdiges Volk …‘ Wenn die Sache nicht zu ernst wäre, müsste man schmunzeln …

Das Priestertum aller Gläubigen

In diesem Artikel geht es um einen „kleinen Leitfaden“ für Christen in Bezug auf das „Priestertum aller Gläubigen“. Für manche Leser klingt diese Formulierung zu sehr nach „frommer Sprache Kanaans“ und erzeugt einen abstrakten und vielleicht sogar merkwürdigen Beigeschmack. Unvoreingenommen wollen wir aber das herausfordernde und aktuelle Thema für uns hoffentlich neu entdecken.

Ein kurzer Gang durch die biblische Geschichte

Ein kurzer Gang durch die alttestamtliche Geschichte zeigt uns, dass es bis zur Gesetzgebung (um 1400 v.Chr.) auf dem Sinai „einzelne“ Priester bzw. Männer gab, die diesen priesterlichen Dienst in ihren Häusern und Sippen ausübten. Dazu gehören Kain, Abel, Seth, Noah, Abraham und weitere verschiedene Männer.
Eine besondere Stellung im Alten Testament hat der „Priester in Ewigkeit“ – Melchisedek. Er war schon vor dem levitischen Priestertum (Hebr 7), das auf dem Sinai eingesetzt wurde, „Priester Gottes, des Höchsten“ (1Mo 14,18). Melchisedek ist eine herausragende Persönlichkeit, die in seinem Wesen auf den wahren und wirklichen Priester Jesus Christus hinweist.
Nach der Gesetzgebung, den Anweisungen für den Opferdienst, den Bau der Stiftshütte etc. sollte das Volk Israel als Nation ein Königreich von Priestern sein.
Gott wollte ursprünglich alle männliche Erstgeburt für sich haben (2Mo 13,1-2): „Heilige mir alles Erstgeborene, was die Mutter bricht unter den Kindern Israel, an Menschen und an Vieh; es ist mein!“

Doch Israel als Volk hörte in seiner Gesamtheit nicht fleißig auf die Stimme Gottes und hielt nicht seinen Bund. Damit disqualifizierte sich Israel selbst, dem lebendigen Gott ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation zu sein. In 2. Mose 19,4-6 lesen wir: „Ihr habt gesehen, wie ich euch getragen auf Adlers Flügeln und euch zu mir gebracht habe. Und nun, wenn ihr fleißig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein aus allen Völkern, denn die ganze Erde ist mein; und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.“ Gott formuliert in diesen Versen einen dreifachen Anspruch an sein Volk und gleichzeitig gibt er seine Wertschätzung Israel gegenüber bekannt:

a) … euch zu mir gebracht
b) … ihr seid mein Eigentum
c)  … ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.

Gottes Anspruch an das ganze Volk Israel wird schließlich auf den Stamm Levi gelegt.

Wir spannen den Bogen vom AT zum NT, vom Sinai (Berg des Gesetzes) zu Golgatha (Berg der Gnade). Da finden wir:
Alle wiedergeborenen Gläubigen sind Priester, sowohl Männer als Frauen.
In ihrer Stellung vor Gott sind beide Geschlechter gleichwertig. Es gibt keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im Blick auf die Kindschaft Gottes, die Erlösung, das Erbe im Himmel, die Mitherrschaft im Tausendjährigen Reich (Königtum), das heilige, königliche Priestertum und die Ewigkeit.
Das heilige und königliche Priestertum ist eine Stellung vor Gott, vor der unsichtbaren Welt und vor den Menschen. Diese Stellung zeigt sich durch das Leben der einzelnen „Priester“ in allen ihren Lebensbereichen. Paulus formuliert Grundsätzliches, wenn er schreibt: „Ein Diener Christi Jesu zu sein für die Nationen, der priesterlich am Evangelium Gottes dient, damit das Opfer der Nationen angenehm werde, geheiligt durch den Heiligen Geist“ (Römer 15,16).

„Du bist ein Priester Gottes!“ – 7 Leitfäden

Wir wollen uns durch 7 Leitfäden ermutigen lassen, die Besonderheiten bezgl.
der Tatsache „Du bist ein Priester Gottes“ für uns persönlich wahrzunehmen.

1.  … weil Gott dich auserwählt hat aus Gnade

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, … der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat“ (1. Petrus 2,9).
Denke daran: Die Grundlage deiner Erwählung ist unverdiente Gnade!

2.  … weil Gott dich erkauft hat durch das Blut

„Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ (Offenbarung 1,5b.6).
Denke daran: Den höchsten Preis für deine Erlösung bezahlte der Herr Jesus mit seinem Blut für dich, um dich zu erwerben. Sein erklärtes Ziel ist, dass du ein Teil des Königtums und der Priesterschaft für Gott bist.

3.  … weil Gott dich gesalbt hat mit seinem Geist

„Und du sollst sie salben, wie du ihren Vater gesalbt hast, damit sie mir den Priesterdienst ausüben. Das soll geschehen, damit ihnen ihre Salbung zu einem ewigen Priesteramt sei, in all ihren Generationen“ (2. Mose 40,15).
„Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und habt alle das Wissen“ (1. Johannes 2,20; siehe auch Vers 27).
„Der uns aber mit euch festigt in Christus und uns gesalbt hat, ist Gott, der uns auch versiegelt und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben hat“ (2. Korinther 1,21.22).
Schon im AT wurden die Priester symbolisch mit Öl gesalbt. Im NT ist es der Heilige Geist, der in uns und durch uns wirken will.
Denke daran: Diese Salbung hat eine bleibende Wirkung, solange du als Priester auf dieser Erde Gott dienst.

4. … weil Gott dich befreit zur Hingabe

„Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott hochwillkommen durch Jesus Christus!“ (1. Petrus 2,5).
Priester haben in der Regel die Hauptaufgabe, Gott Schlachtopfer darzubringen. Das große Vorbild ist dabei Jesus selbst (Epheser 5,2). Verschiedene geistliche Schlachtopfer werden uns im Neuen Testament genannt.

•  Das Leben (Römer 12,1)
•  Der Glaube (Philipper 2,17)
•  Das Geld (Philipper 4,18)
•  Die Werke (Hebräer 13,16)
•  Das Lob (Hebräer 13,15)

Denke daran: Die Hingabe deines ganzen Lebens als Schlachtopfer an Gott macht dich bereit zum Dienst in Gottes Haus.

5.  … weil Gott dich befähigt zur Anbetung

„Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus!“ (1. Petrus 2,5).
Wir sind als Christen lebendige Steine, weil wir am Eckstein Jesus angeschlossen sind. Wir sind ein geistliches Haus, weil wir die Salbung, den Heiligen Geist, haben. Wir sind ein heiliges Priestertum, weil wir von Gott für Gott abgesondert sind. Deswegen sind wir als Priester Anbeter.
„Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen! Das ist: Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Das Wohltun und Mitteilen aber vergesst nicht! Denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen“ (Hebräer 13,15.16).
Denke daran: Das ist ein besonderes Schlachtopfer; lobsinge deinem Gott, bete ihn an! Ein heiliger Priester ist ein Anbeter.

6.  … weil Gott dich sendet zur Verkündigung

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat“ (1. Petrus 2,9).
Wir sind heilige Priester. Wir sind königliche Priester! Beides gehört zusammen. Das eine ohne das andere wird nicht funktionieren. Der heilige Priester lebt in der vertikalen Ausrichtung zu Gott. Er betet an. Der königliche Priester hat die horizontale Aufgabe der Verkündigung der Charaktereigenschaften Gottes an Menschen.
Denke daran: Du bist ein königlicher Priester, wenn du die Wohltaten Gottes und seine hervorragenden Qualitäten erzählst.

7.  … weil Gott dich bestimmt zum Mitherrschen

„Und hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!“ (Offenbarung 5,10).
„Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen die tausend Jahre“ (Offenbarung 20,6).
Denke daran: Priester Gottes sind Menschen mit einer wirklichen Zukunft. Deswegen werden sie als glückselig bezeichnet.

Schluss

Erinnere dich immer wieder in aller Demut an diese hohe Auszeichnung: Du bist ein Priester Gottes! Denke daran, wenn du mit einem vollen und anbetenden Herzen das Lied singst:
„Dem, der uns liebt und uns von unsern Sünden gewaschen hat in seinem Blut, und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen, Amen!“