Die Liebe ist der Weg!

1. Korinther 12-14

Das schrieb Paulus an Christen, mit denen er eine Menge Schwierigkeiten hatte. Gerade waren Besucher bei ihm eingetroffen und hatten von den neuesten Streitigkeiten in der Gemeinde berichtet. Bei diesen Gläubigen in Korinth strotzte es nur so von Widersprüchen. Einerseits hatten sie sehr viel geistliche Erkenntnis geschenkt bekommen, sie hatten keinerlei Mangel an Gaben des Heiligen Geistes, ja, sie strebten nach den größten davon. Außerdem warteten sie voller Hoffnung auf das Wiederkommen des Herrn. Anderseits zankten sie sich darum, wer der größte Apostel für sie wäre, sie stritten sich vor weltlichen Gerichten um Dinge des täglichen Lebens und duldeten gleichzeitig einen krassen Fall von Unsittlichkeit in der Gemeinde. Ja, diese Frommen hielten sich selbst für stark im Glauben und brachten andere gerade dadurch zu Fall. Sie meinten, Christen sei alles erlaubt, und manche von ihnen saßen sogar betrunken beim Brotbrechen.

Wenn man dass alles bedenkt, muss man sich wundern, mit welcher Liebe der Apostel ihnen den Brief schreibt, den wir als den 1. Korintherbrief im Neuen Testament haben. Mit großer Geduld erklärt er ihnen den Stellenwert der geistlichen Gaben in Kapitel 12. Viele von den Korinthern kamen ja aus einem heidnischen Hintergrund und hatten es erlebt, wie sie mit unwiderstehlicher Gewalt zu den Götzenbildern hingezogen wurden und manchmal gezwungen waren, sehr eigenartige Dinge auszusprechen. Sie mussten jetzt verstehen lernen, dass der Geist Gottes ganz anders wirkt:

  1. Alle geistlichen Gaben kommen von demselben Geist, demselben Herrn und demselben Gott.
  2. Der Heilige Geist will sich grundsätzlich zum Nutzen der Gemeinde offenbaren.
  3. Der Geist hat jedem seine besondere Gabe zugeteilt, wie er es beschlossen hat.
  4. Alle Gaben sollen sich so ergänzen wie die verschiedenen Glieder und Organe eines Körpers.
  5. Gott hat bestimmt, wer welche Gaben hat. Es haben nicht alle dieselben Gaben und Aufgaben!

Weil die Korinther nicht richtig verstanden hatten, dass die Gaben sich einander ergänzen müssen und eigenwillig nach den größeren Gaben strebten, zeigte Paulus ihnen jetzt in Kapitel 13 einen sehr viel besseren Weg – den Weg der Liebe.

(Anmerkung: Der erste Satz von 1Kor 12,31 kann wie in der NeÜ als Aussage bzw. leichte Frage verstanden werden, aber auch als Aufforderung an die Korinther: „Eifert um die größeren Gnadengaben!“)

Im darauf folgenden Kapitel 14 sagte er ihnen noch einmal, dass sie diesem Weg der Liebe unbedingt folgen sollen, und zwar gerade im Zusammenhang mit den Gaben. Anschließend machte er ihnen 24 Verse lang klar, welche Gabe die wichtigste für die Gemeinde ist.

Der über alle Maßen bessere Weg

Die Liebe war und ist der Weg von Gott zu den Menschen und dann auch von den Menschen zu Gott. Die Liebe ist ebenso der Weg von Mensch zu Mensch. Nur auf dem Weg der Liebe erreiche ich andere Menschen. Und nur auf diesem Weg „funktionieren“ auch die Gaben in einer Gemeinde. Schauen wir uns an, wie der Apostel es den Gläubigen in Korinth und damit auch uns erklärt.

Damit wir das aber nicht falsch verstehen: Liebe meint hier kein Gefühl („Schmetterlinge im Bauch“), nicht einmal Sympathie, sondern Liebe ist etwas, das von mir ausgehen soll. Die Liebe ist der Weg, auf dem ich die Schritte zu meinem Nächsten gehen muss. Die Kraft dazu kommt aber nicht aus meinem Ich oder meinen Gefühlen, sondern immer nur von Gott, denn Gott hat uns mit dem Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat, auch seine Liebe ins Herz ausgegossen (Rö 5,5).

Ohne Liebe haben alle Gaben keinen Wert

„Wenn ich die Sprachen von Menschen und Engeln sprechen könnte, aber keine Liebe hätte, wäre ich ein schepperndes Blech, eine lärmende Klingel.“ (1Kor 13,1)

Paulus spielt im ersten Vers von Kapitel 13 deutlich auf die Sprachengabe an. Er meint damit aber nicht irgendwelches unartikuliertes Stammeln, sondern richtige menschliche Sprachen, wie das schon zum ersten Pfingstfest in Jerusalem geschah. Übrigens haben Engel immer die Sprachen verwendet, die von den Angesprochenen verstanden wurden.

Ohne Liebe zu Gott und zu den Geschwistern macht das Reden in Fremdsprachen nur unangenehmen Lärm. Für die Gläubigen ist es ohne Übersetzung unverständlich und deshalb lieblos, und vor Gott ist es wertlos, weil es nicht aus Liebe geschieht, denn er achtet sehr genau auf unser Herz.

Und wenn ich weissagen könnte und alle Geheimnisse wüsste; wenn ich jede Erkenntnis besäße und einen Glauben, der Berge versetzt, aber keine Liebe hätte, wäre ich nichts.“ (1Kor 13,2)

Die Gabe der prophetischen Rede (manchmal auch mit Weissagung übersetzt) hat nichts mit Wahrsagung zu tun. Der Prophet ist ein Sprecher Gottes, der Gottes Botschaft empfangen hat und weitergibt. Wie wichtig das dem Apostel ist, erklärt er im nächsten Kapitel. Mit dem Wort ‚Geheimnis‘ werden offenbar solche Gaben wie Weisheit oder Geisterunterscheidung umschrieben. Die Gabe der Erkenntnis zeigt biblische Zusammenhänge auf und vermittelt wichtige Einsichten. Eine besondere Glaubenskraft, die meist mit anhaltendem Gebet verbunden ist, vertraut auch in schwierigsten Umständen auf Gott.

Alle diese großartigen Gaben sind vor Gott völlig wertlos, wenn sie nicht mit Liebe verbunden sind. Der Mensch, der sie ohne Liebe ausübt, hat für Gott keine Bedeutung. Und auch die Menschen merken sehr bald, dass da etwas nicht stimmt.

„Und wenn ich meinen ganzen Besitz zur Armenspeisung verwendete, ja wenn ich mich selbst aufopferte, um verbrannt zu werden, aber keine Liebe hätte, nützte es mir nichts.“ (1Kor 13,3)

Wer für andere Menschen den Besitz und sich selbst völlig aufopfert, kann sich damit keinerlei Verdienst bei Gott anrechnen. Besonders dann nicht, wenn er damit Ruhm erwerben will, wie es in anderen Handschriften heißt.

Was echte Liebe kennzeichnet

Der Besitz geistlicher Gaben und selbst ein großartiger Dienst an anderen Menschen ist noch lange kein Beweis für Liebe. Wie Liebe wirklich aussieht, zeigen die nächsten vier Verse. Vollkommen gelebt hat das nur unser Herr Jesus Christus. Wenn das auch bei uns sichtbar werden soll, kann es nur in enger Verbindung mit ihm geschehen.

„Liebe hat Geduld. Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid. Sie macht sich nicht wichtig und bläst sich nicht auf; sie ist nicht taktlos und sucht nicht sich selbst; sie lässt sich nicht reizen und trägt Böses nicht nach; sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, sie freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Sie erträgt alles; sie glaubt und hofft immer. Sie hält allem stand.“ (1Kor 13,4-7)

Wenn man hieraus einen Anti-Text formulieren wollte, wird dieser uns schnell mit einer unangenehmen Wirklichkeit konfrontieren:

„Ich bin ungeduldig, unfreundlich und neidisch. Es ist mir wichtig angesehen zu sein. Ob andere durch meine Worte verletzt werden, ist mir egal, Hauptsache ich setzte mich durch. Ich ärgere mich oft über andere und werde ihnen heimzahlen, was sie mir angetan haben. Und wenn sie dann endlich mal was drauf kriegen, freue ich mich. Sie haben es bestimmt verdient …“

Es ist erschreckend, wenn das Gegenteil des biblischen Wortes mein Verhalten beschreibt. Aber vielleicht ist es auch heilsam, weil es mich wieder zu Christus treibt.

Was bleibt, ist die Liebe

Im Gegensatz zur Liebe werden geistliche Gaben aufhören. Sie verlieren irgendwann ihre Bedeutung – oder haben sie schon verloren, wie andere meinen. Über den Zeitpunkt des Aufhörens gibt es allerdings heftigen Streit. Die einen behaupten, die genannten Gaben zu praktizieren, die anderen bezweifeln deren Echtheit. Für unser Thema hat das keine Bedeutung, denn Paulus will nur deutlich machen, dass die Liebe, die Gott in unsere Herzen ausgegossen hat, niemals aufhört.

„Die Liebe wird niemals aufhören. Prophetische Eingebungen werden aufhören, Sprachenrede wird verstummen, die Gabe der Erkenntnis wird es nicht mehr geben. Denn wir erkennen und weissagen ja nur einzelne Dinge. Wenn dann aber das Ganze kommt, wird alles Unfertige beseitigt werden.“ (1Kor 13,8-10)

Es gibt noch ein weiteres Missverständnis über das sogenannte Stückwerk. Meist wird das als etwas Schwaches oder sogar Negatives angesehen. Aber in der Bibel ist das nicht so. Ein Stück Torte ist ja auch nichts Unvollkommenes, aber eben nur ein Teil vom Ganzen. Mit zwei weiteren Bildern bekräftigt der Apostel das noch:

„Jetzt sehen wir wie in einem blank polierten Stück Metall nur rätselhafte Umrisse, dann aber werden wir alles direkt zu Gesicht bekommen. Jetzt erkenne ich nur Teile des Ganzen, dann werde ich alles erkennen, wie auch ich völlig erkannt worden bin.“ (1Kor 13,12)

Und die größte davon ist die Liebe

Paulus schließt mit der christlichen Trilogie, die dreimal innerhalb eines einzigen Verses in der Bibel auftaucht: 1Thess 1,3; 5,8 und 1Kor 13,13: Glaube, Hoffnung und Liebe. Es sind die drei Gottesgeschenke, die unser Leben als Christen mehr oder weniger bestimmen.

Glaube beginnt nach Hebr 11,1 mit dem Überführtsein von der Wirklichkeit Gottes und führt zum Vertrauen auf Gott und seine Worte. Glaube ist die Basis unserer Beziehung zu Gott. Gleichzeitig ist der Glaube nach Hebr 11,1 auch die Grundlage und Substanz unserer Hoffnung. Und in dieser Hoffnung werden wir nicht enttäuscht, weil Gott uns nach Rö 5,5 mit dem Heiligen Geist auch seine Liebe ins Herz ausgegossen hat.

Die vorübergehenden Gaben hat Gott den Gläubigen zum Dienst an anderen Menschen gegeben, wie Paulus in Kapitel 12 und 14 deutlich zeigt. Die bleibenden Gaben Glaube, Hoffnung und Liebe sind dagegen für den Christen persönlich bestimmt. Es sind die grundlegenden Elemente für sein Christsein hier auf der Erde.

„Was bis dahin bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Und die größte davon ist die Liebe.“ (1Kor 13,13)

Im Himmel wird der Glaube der Gläubigen zum staunenden Schauen werden und ihre Hoffnung wird sich erfüllt haben, doch ihre Liebe wird bleiben. Nicht nur deshalb ist die Liebe das Größte, sondern auch, weil sie in einzigartiger Weise das Wesen Gottes beschreibt. Glauben und Hoffen gehört nicht zu den Wesenszügen Gottes, sehr wohl aber die Liebe.

 

Zur Vertiefung:

  • Was lehren uns 1Thess 1,3 und 5,8 außerdem noch über die christliche Trilogie?
  • Überlege, wie du einzelne Kennzeichen der Liebe aus 1Kor 13,4-7, die du gerade bei dir vermisst, mit dem Herrn leben kannst.