Debatte ohne Ende? Der gegenwärtige Stand des Konflikts zwischen Schöpfung und Evolution

Streitet heute noch jemand über Schöpfung und Evolution? Keine Frage: In der akademischen Welt, in staatlichen Ausbildungsstätten und in den einflussreichen Medien ist die Evolutionsanschauung unangefochten und alternativlos. Das gilt auch schon lange für die Großkirchen und zunehmend auch für viele Freikirchen. Wer sich heute noch für den biblischen Schöpfungsglauben, für die Schöpfung aus dem Nichts durch Gottes Wort oder gar für die textgemäße Sechs-Tage-Schöpfung stark macht, scheint auf verlorenem Posten zu stehen.

Oder vielleicht doch nicht? Auch nach dem Ausklingen des Medienhypes nach dem Darwin-Jahr 2009 gelangt das Thema „Evolution“ immer wieder auf die Tagesordnung in der Öffentlichkeit, und es wird überraschenderweise vor einem angeblich wachsenden Einfluss der Kreationisten gewarnt. Nichts Geringeres als das Fundament unserer Gesellschaft sei dadurch bedroht.¹ Die Hüter der evolutionären Wahrheit sind offenbar allein durch die Tatsache alarmiert, dass es eine kleine Minderheit in der Gesellschaft gibt, die Kritik an Evolution öffentlich äußert. Da bereitet es manchem Sorge, dass sogar einige Prozent der Biologiestudenten Evolution nicht akzeptieren und an einen Schöpfer glauben.

Wie kann man diese paradoxe Situation – wo doch die Evolutionsanschauung in den Lehrplänen und Studienplänen unangefochten ist – verstehen? Offenbar ist die Evolutionslehre nicht nur ein Bündel naturwissenschaftlicher Theorien, sondern hat auch eine gleichsam religiöse Dimension: Ein bedingungsloses Bekenntnis zu einer evolutionären Weltsicht wird gefordert; Widerspruch wird nicht geduldet und als wissenschafts- oder gar gesellschaftsfeindlich gebrandmarkt. Manch ein Biologiestudent musste schon von seinem Professor hören, dass er das falsche Studienfach gewählt habe, wenn er Evolution nicht akzeptiere. Wäre dagegen die Begründung für Evolution eine gewöhnliche wissenschaftliche Theorie, müsste auch begründete Kritik – auch an den grundlegenden Aussagen – erlaubt und sogar gewünscht sein, denn Kritik ist eines der Kennzeichen von Wissenschaft. Aber Evolution als Paradigma für den Zugang zur Naturgeschichte ist grundsätzlich mehr als Wissenschaft, genauso wie Schöpfung. Hier stehen sich zwei fundamental verschiedene Weltsichten gegenüber, von denen in Wissenschaft und Bildung aktuell nur eine zum Rennen zugelassen wird.

Diese Situation der unbedingten Festlegung auf Evolution steht in merkwürdigem Kontrast zu einer wachsenden Anzahl von wissenschaftlichen Befunden, die nicht den Vorhersagen des Evolutionsparadigmas entsprechen. Die Frage nach den Mechanismen der Makroevolution (Entstehung konstruktiver Neuheiten mit neuartigen Funktionen) ist offener denn je – das wird von vielen Evolutionsbiologen ausdrücklich festgestellt. Sie verlassen deswegen das Evolutionsparadigma zwar nicht (s. o.), aber es gäbe guten Grund, genau das zu tun und stattdessen auch einen Ansatz zu verfolgen, der von geschaffenen und mit Variationsmöglichkeiten programmierten Grundtypen ausgeht. Der Fortschritt der Forschung offenbart zunehmend, dass die Informations- und Regulationssysteme in den Zellen, Organen und den ganzen Organismen uferlos viel komplexer, ausgeklügelter und verschachtelter sind, als man noch vor wenigen Jahrzehnten ahnen konnte. Durch den Fortschritt der Forschung verschwinden auch zunehmend die Beispiele angeblicher Konstruktionsfehler, die einem Schöpfer nicht unterlaufen würden und auf Flickschusterei der Evolution zurückgehen sollen – so zum Beispiel geschehen bei der sogenannten „junk-DNA“ („Erbgut-Abfall“), die sich mittlerweile als wichtiger Teil regulatorischer Elemente entpuppt hat. Der vormalige vermeintliche evolutionäre „Abfall“ war zuvor einfach noch unverstanden gewesen.

Weil die Lebewesen von Gott mit „Kraft, Weisheit und Einsicht“ geschaffen sind (Jer 10,12), kann man intelligente Einrichtungen bei den Lebewesen erwarten. Das war für viele Forscher in der Vergangenheit eine starke Motivation und ist es bis heute, auch wenn viele Wissenschaftler sich dessen gar nicht bewusst sind.

Aktuelle Forschungsergebnisse liefern also guten Grund, offensiv den biblischen Schöpfungsglauben auch in der wissenschaftlichen Diskussion zur Sprache zu bringen. Lassen wir uns nicht von den Mehrheitsverhältnissen verunsichern! Beispiele aus der Schöpfung bieten viele Möglichkeiten, den heute gängigen Glauben an die Selbsterschaffung der Natur infrage zu stellen. Die Spuren des Schöpfers sind da und sind auch heute noch Wegweiser auf den Schöpfer. Das wiederum ist eine gute Basis, um dann auch das Evangelium zur Sprache zu bringen, das wir in Gottes Wort, der Heiligen Schrift, finden.

 

Fußnote:

(1) siehe z. B. https://hpd.de/artikel/kreationismus-fundament-unserer-gesellschaft-bedroht-15349 oder https://www.morgenpost.de/vermischtes/article213625319/Kreationistische-Bewegung-draengt-an-deutsche-Schulen.html