Biblische Vorbilder im Gebetsdienst

„Und Seth, auch ihm wurde ein Sohn geboren, und er gab ihm den Namen Enosch¹. Damals fing man an, den Namen des HERRN anzurufen.“
(1Mo 4,26)

Mit dieser Feststellung beginnt die „Geschichte des Gebets“. Die Menschen reagierten damit auf die Erfahrung von Schwachheit, Krankheit, Vergänglichkeit und Tod. Als Folgen des Sündenfalls sind das unsere ständigen Begleiter. Seitdem ist das Gebet für jeden wahrhaft Glaubenden eine echte Stütze im Umgang mit den traurigen Auswirkungen der Sünde.

Im Gebetsleben Abrahams erkennen wir aber, dass es nicht nur um die Bewältigung von Problemen geht. Sein Gebet für die Bewohner von Sodom (1Mo 18,22-33) zeigt, wie gut er seinen Gott kannte. Er wusste sowohl um Gottes Gerechtigkeit und Heiligkeit als auch um seine Liebe und Gnade. Obwohl ihm klar war, dass dieser Gott dem bösen Treiben nicht länger zusehen konnte, betete er trotzdem um Schonung für die Menschen. Dabei vergaß er aber nie, mit wem er es zu tun hatte.

Samuel war ein Beter, dem die Fürbitte so wichtig war, dass er es für Sünde hielt, im Gebetsdienst nachzulassen: „Auch ich – fern sei es von mir, gegen den HERRN zu sündigen und aufzuhören, für euch zu bitten“ (1Sam 12,23). Wenn man sich das Gebet seiner Mutter Hanna ansieht (1Sam 2,1-10), liegt der Schluss nah, dass Samuel das Beten zuerst bei ihr lernte. Damit stellt sich die ernste Frage, ob und wie unsere Kinder lernen, was uns der Gebetsdienst bedeutet!

Von David, dem Mann nach dem Herzen Gottes, wurden viele Gebete, aus denen wir lernen können, überliefert. Er wusste um seine Hilflosigkeit und betete oft „Soll ich …?“ – „Leite mich …!“ (1Sam 23,2; 30,8; 2Sam 2,1 u.w.). Gott erhörte seine Gebete. Dadurch wuchs sein Glaube und trieb ihn ständig zu neuen Höhen des Ruhmes und der Anbetung Jahwes. Seine Gebete lehren uns aber auch, dass unser Gebetsdienst vor Gott ehrlich sein muss. Schonungslos bekannte er: „Denn ich kenne meine Übertretungen, und meine Sünde ist beständig vor mir. Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt, und ich habe getan, was böse ist in deinen Augen; damit du gerechtfertigt wirst, wenn du redest, für rein befunden, wenn du richtest. Siehe, in Ungerechtigkeit bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen“ (Ps 51,5-7). Im Wissen um die Verdorbenheit seines Herzens flehte er zu seinem Gott und erlebte Vergebung und Heilung (Ps 32,1-2).

Daniels Gebetsleben war sowohl von tiefer Gottes- und Selbsterkenntnis als auch von hoher Beständigkeit geprägt (Dan 6,11). Am Ende der 70 Jahre des babylonischen Exils stellte er sich unter die Schuld seiner Vorfahren und des ganzen Volkes (Dan 9,5-6). Wie sehr dieses Gebet das Herz Gottes erfreute, bezeugte ihm der Engel Gabriel: „Du bist ein Vielgeliebter“ (Dan 9,23).

Eines der größten Vorbilder für Gebetsdienst im Neuen Testament ist Paulus. Sein erstes Gebet bestand in der einfachen Frage: „Wer bist du, Herr?“ (Apg 9,5). Sollten wir nicht ebenso betend fragen? Wie gut kennen wir ihn denn wirklich? Spätere Gebete sind geprägt von echter Dankbarkeit und Beständigkeit. In fast jedem seiner Briefe dankt er ohne nachzulassen dem Herrn für die Geschwister und rühmt sein Werk an ihnen. In der Fürbitte geht es ihm vor allem um das geistliche Wachstum der Gläubigen, z. B.:

  • Gabe des Geistes der Weisheit
  • Erleuchtete Herzensaugen für das Erbe
  • Erfahrung göttlicher Auferstehungskraft (Eph 1,15f.)
  • Kraft für den inneren Menschen
  • Innewohnung des Christus
  • In Liebe gegründet und gewurzelt, um mit allen Heiligen die Liebe zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt (Eph 3,14f.)
  • Überströmende Liebe und die damit verbundene Fähigkeit, das Bessere vom Guten zu unterscheiden (Phil 1,9f.)
  • Erkenntnis des Willens Gottes in aller Weisheit und Einsicht, um würdig des Herrn zu wandeln, Frucht bringend, wachsend durch die Erkenntnis Gottes, u. v. m. (Kol 1,9f.)

Wir wollen den Mut aufbringen, unseren Gebetsdienst mit dem der biblischen Vorbilder zu vergleichen! Welchen Stellenwert haben Anbetung, Lob und Dank in unseren Gebeten? Wie intensiv beten wir für unsere Mitmenschen, die noch verloren sind? Geht es uns um das „äußere Wohlergehen“ oder um geistliches Wachstum, damit unser Leben unseren Herrn Jesus verherrlicht?

Die Qualität unseres Gebetsdienstes zeigt, wie wir wirklich zu dem stehen, der versprochen hat:

„Und um was irgend ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde in dem Sohn. Wenn ihr um etwas bitten werdet in meinem Namen, werde ich es tun.“
(Joh 14,13-14)

 

Anmerkung:

1. „Enosch“ = „schwacher (o. hinfälliger) Mensch“ (Fußnote zu 1Mo 4,26 – Elberfelder Übersetzung Edition CSV 2005)