Bevor du gehst …

Eine der schmerzlichsten Entscheidungen im Leben eines Christen ist es, seine Heimatgemeinde zu verlassen – eine Gemeinde, deren Teil man für viele Jahre gewesen ist. Es gibt viele Gründe für einen Wechsel: ein berufsbedingter Umzug, Gottes Ruf in eine andere Gemeinde oder einen anderen Dienst, Meinungsverschiedenheiten mit der Leitung, unterschiedliche Sichtweisen, ungelöste Konflikte, Veränderungen in der Lehre, fehlende Seelsorge, die eigenen Bedürfnisse werden nicht befriedigt, es gibt nur wenig andere in der gleichen Lebensphase … usw. Manches sind berechtigte Bedenken, andere könnten Symptome für tiefer liegende Probleme sein. Egal was der Grund ist – ein möglicher Wechsel der Gemeindefamilie ist keine einfache Sache und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Wie kannst du dir sicher sein, dass es richtig ist zu gehen? Und wenn es richtig ist: Wie kannst du auf eine Weise gehen, die freundlich ist und Gott ehrt? Es folgen einige Impulse, die dir helfen können, deine Optionen zu durchdenken.

Acht Dinge, die es zu beachten gilt:

  1. Wenn du schon längere Zeit aktiv in deiner jetzigen Gemeinde eingebunden bist, ist sie deine geistliche Familie. Gemeinde ist keine Organisation wie ein Verein oder eine Firma. Was du tust, wird erhebliche Auswirkungen sowohl auf dich als auch auf die Gemeinde haben. Zwei Indizien dafür, dass Gott hinter deiner Entscheidung zu wechseln steht, sind: (a) Du hast andere gefunden oder ausgebildet, die deine Aufgaben übernehmen werden, und (b) du hast klargemacht, dass du nicht andere mit dir wegziehen möchtest.
  2. Kannst du die Gründe, die dich über einen Wechsel nachdenken lassen, klar benennen? Und hast du dich selbst gefragt: „Reichen diese Gründe aus, um die Gemeinschaft mit meiner Gemeindefamilie aufzukündigen? Mit diesen Menschen, mit denen ich im Lauf der Jahre so viel erlebt habe?“
  3. Hast du Rat bei gottesfürchtigen Menschen und reifen Gläubigen gesucht? Ihre freundlichen Hinweise sind unbezahlbar und werden dir helfen, deine Fragen und die Vor- und Nachteile eines Wechsels zu durchdenken. Deine Ratgeber müssen nicht zu deiner derzeitigen Gemeinde gehören, aber es sollten geistlich reife Menschen sein.
  4. Gehst du wegen eines ungelösten Konflikts mit jemandem? Matthäus 18,15 (NeÜ) sagt, dass ein Christ einen anderen unter vier Augen zur Rede stellen soll. „Wenn er mit sich reden lässt, hast du deinen Bruder zurückgewonnen.“ Du läufst Gefahr, das Problem, das zu dem ungelösten Konflikt geführt hat, in jeder neuen Gemeinde zu wiederholen. Konflikte können jedoch ein großartiges Werkzeug zu geistlichem Wachstum sein – wenn wir nicht vor ihnen davonlaufen! Sie helfen uns, mehr Gnade und Barmherzigkeit zu entwickeln. Wäre es nicht besser den Konflikt zu lösen statt ihm auszuweichen? Wenn du dabei Hilfe brauchst, suche weisen, göttlichen Rat.
  5. Wenn du die Gemeinde verlassen möchtest, weil du ihren Dienst als unzureichend ansiehst oder eine Lehre für falsch hältst, ist es am besten, mit den Ältesten oder Leitern der Gemeinde zu reden. Deine Rückmeldung könnte wertvoll für sie sein. Außerdem ist es nicht gut zu gehen, ohne ihnen Gelegenheit zu geben auf deine Bedenken einzugehen.
  6. Geht es dir um den Musikstil, die Art der Anbetung? Für manche ist das der entscheidende Faktor. Es stimmt, dass das Singen ein Hinweis auf das Leben und die Freude der Gemeinde sein kann, aber das ist eine sehr subjektive Empfindung und muss deshalb sorgfältig geprüft werden. Ein professionelles musikalisches Programm am Sonntag sagt noch nichts über den geistlichen Tiefgang einer Gemeinde aus. Andererseits kann es tatsächlich ein Hinweis auf eine träge Leiterschaft oder eine gesetzliche Einstellung sein, wenn der Musikdienst vernachlässigt wird.
  7. Bist du vielleicht zu einem „Gemeinde-Springer“ geworden – du hast schon zu einer ganzen Reihe von Gemeinden gehört und hast an jeder etwas auszusetzen? Das ist keine gesunde Einstellung. Natürlich ist jede Gemeinde unvollkommen, denn sie bestehen alle aus unvollkommenen Menschen. Auch die Leiter haben Fehler. Die Gemeinde besteht aus Sündern, die aus Gnade errettet wurden und immer noch den Geruch der Sünde genauso an sich haben wie den Duft der Gnade Gottes. Das wird so bleiben bis der Herr wiederkommt. – Könnte es sein, dass der Herr im Umgang mit den Unvollkommenheiten und Sünden anderer in dir einen gnädigen und vergebungsbereiten Charakter entwickeln will? Vielleicht wäre es eine gute Idee, das mit deinen derzeitigen Leitern zu besprechen, bevor du in eine andere Gemeinde gehst.
  8. Hast du ernsthaft über deine Entscheidung gebetet? Ja, Gott kennt dein Herz und will dir helfen, eine weise Entscheidung zu treffen. Deine Entscheidung hat erhebliche Auswirkungen auf dich und deine Familie, aber auch auf deine jetzige und auf deine zukünftige Gemeinde. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass du mit deinen Überlegungen zu gehen im Einklang mit dem Geist Gottes bist.

Und jetzt? Was ist, wenn du nach all diesen Gedanken das Gefühl hast, dass Gott dich weg führt?

Geh in Frieden

Triff dich zuerst mit einem oder mehreren der Ältesten, um deine Bedenken zu besprechen. Sei offen für ihre Antwort; achte auf ihre Lasten, Kämpfe und Gedanken. Vielleicht liegt ein Missverständnis oder eine offene Meinungsverschiedenheit vor – aber es muss Klarheit herrschen! Wenn sie mit deiner Einschätzung nicht übereinstimmen, heißt das nicht, dass sie sich verteidigen. Denke daran, dass ein Gespräch keine Einbahnstraße ist! Wenn der persönliche Austausch keine Lösung bringt und du immer noch denkst, dass es richtig ist zu gehen, dann schreib den Ältesten einen Brief (keine Email, das könnte zu unpersönlich wirken), der Folgendes enthalten sollte:

  • Gib eine kurze Rückmeldung zu dem, was Gott durch die Gemeinschaft der Gemeinde in deinem Leben bewirkt hat. (Es ist immer gut, erst einmal „gute Nachrichten“ vor den schlechten zu bringen.) Vergiss nicht, ihnen für ihren Beitrag zu deiner geistlichen Entwicklung zu danken. Selbst wenn du mit ernsthaften Bedenken gehst, hat Gott die Gemeinde doch sicher auch zu deinem Segen gebraucht, oder?
  • Erkläre, wie du mit deinen Bedenken umgegangen bist – zum Beispiel, dass du mit einem oder mehreren der Leiter gesprochen hast, dass du versucht hast Änderungen zu bewirken usw.
  • Wenn du negative Gründe für den Wechsel hast, dann beschreibe deine Bedenken deutlich, aber ohne zu sehr ins Detail zu gehen – nur so viel, dass sie wissen, warum du deinen Weggang für die sinnvollste Lösung hältst. Schieb ihnen nicht die Schuld in die Schuhe, sondern erkläre einfach deine Lage. Du willst die Brücken hinter dir nicht abbrechen, sondern den Grundstein für weitere Gemeinschaft und Freundschaft für die Zeit nach deinem Abschied legen. Vielleicht möchtest du ja eines Tages zurückkommen! Teile den Ältesten mit, was du für Pläne für den nächsten Abschnitt deiner geistlichen Reise hast. Es wird ihnen ein Anliegen sein, dass du nicht in die Welt abdriftest, sondern eine gute Gemeinschaft findest, in der du wachsen kannst.

Tu, was du kannst, um die Auswirkungen deines Weggangs klein zu halten. Reserviere Zeit, um Ersatz für deine bisherigen Aufgaben zu finden.

Verpflichte dich, deine bisherige Gemeinde nicht zu zerstören, indem du Klatsch oder Unzufriedenheit verbreitest. Denke daran, dass Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat – sei also vorsichtig mit dem, was du über seinen Leib sagst! Wenn du dich mit anderen Gemeindegliedern unterhältst, sollen deine Worte mit Gnade gewürzt sein. Versichere der Leitung, dass du vorhast, friedlich und mit möglichst wenig negativen Auswirkungen auf die Gemeinde zu gehen.

Wenn eine öffentliche Stellungnahme ratsam erscheint, schlage vor, dass die Ältesten mit dir zusammen eine sorgfältig formulierte Erklärung entwerfen, mit der die übrige Gemeinde deutlich und freundlich informiert wird. Dadurch wird sichergestellt, dass alle die gleichen Informationen haben. Zeige dem Leib Christi Respekt durch die Art und Weise, wie du gehst – geh schweigend, wenn das gewünscht wird, schreibe der Gemeinde einen Brief, oder gib eine öffentliche Erklärung ab. Was auch immer du tust, tu es so weit wie möglich in Absprache mit den Leitern. Gib Satan keine Möglichkeit Zwietracht zu säen!

Wenn die Leiter oder Ältesten auf deine Angebote nicht oder in einer fleischlichen Art reagieren, wähle den Höhenweg der Gnade. Ihr Verhalten kann viele Gründe haben; du kannst nicht wissen, was sie denken. Deshalb ist es besser, mit Gnade und Sanftmut zu reagieren.

Verpflichte dich, aufrichtig für die Gemeinde, ihre Leiter und ihre Glieder zu beten!