Auf der Kanzel – Hinweise nicht nur für Predigt-Anfänger (3)

Einige praktische Tipps aus vierzig Jahren Erfahrung im Hören und Halten von Predigten: Was man im Blick haben sollte, wenn man Wort Gottes verkündigt.

Teil 3: Der Prediger und sein Arbeitsplatz

1. Die Tücken der Technik

Wer mit technischen Geräten arbeitet, sollte vor der Predigt einen Test machen. Das trifft besonders zu, wenn man mit einem Beamer arbeiten will. Es kommt eben doch vor, dass die Projektion nicht sofort klappt. Das Signal kommt nicht an, das Bildformat passt nicht, oder es ist zu hell im Raum und macht eine teilweise Verdunklung erforderlich. Kann man von der letzten Reihe aus die Schrift lesen?

Besonders wenn man in einer fremden Gemeinde mit fremder Technik arbeitet, muss man früher da sein. Die Gegebenheiten sind sehr unterschiedlich, und genug Zeit für einen Test ist zwingend erforderlich. Es ist immer ratsam, Präsentationen mit dem Gerät zu zeigen, mit dem man sie erstellt hat. Dann kann man davon ausgehen, dass sie an der Wand so aussehen wie auf dem eigenen Bildschirm.

2. Segen und Fluch des Mikrofons

Um Inhalte zu verstehen, muss man den Prediger hören können. In den meisten Gemeinden gibt es eine Verstärkeranlage, die das Verstehen fördern soll. Das funktioniert aber nur, wenn der Prediger sich “mikrofontauglich” verhält. Dazu gehört, dass er möglichst kontinuierlich Richtung Mikrofon spricht und die Entfernung zum Mikrofon nicht zu sehr schwankt. Wer hinter der Kanzel hin- und herrennt, mag optisch beeindruckend sein, akkustisch ist das aber problematisch.

Es kann Gründe geben, weswegen man sich während der Rede kurz vom Mikrofon entfernen muss – man zeigt oder holt irgendetwas. Da hilft nur: Nicht sprechen, solange man weg ist, erst weiterreden, wenn man wieder hinter dem Mikrofon angekommen ist. Problematisch ist es auch, wenn man zwar hinter dem Mikrofon steht, sich aber zur Seite dreht, weil man z.B. eine Folie erklären will und dabei zur Projektionsfläche schaut.

Gelegentlich kann man auch beobachten, das Prediger leiser reden oder vom Mikrofon zurücktreten, wenn der Techniker die Verstärkung hochgeregelt hat. Man kann davon ausgehen, dass er das mit Absicht getan hat! Deshalb sollte der Redner nach solchen Korrekturen in der Lautstärke unverändert weitersprechen.

3. Der Beginn der Predigt

Irgendwann nach Begrüßung, Gebet und sonstigen Anfangsritualen macht sich der Prediger auf den Weg zur Kanzel und kommt dort auch an. Und was macht er dann? – Es gibt keine Verpflichtung, sofort loszureden. Er kann erst seinen Bibeltext aufschlagen, das Manuskript zurecht legen, die Leute anschauen und dann loslegen. Es irritiert, wenn jemand schon spricht, dabei aber noch in seinen Unterlagen wühlt und die Zuhörer nicht anschaut. Der Prediger sollte bei seinen ersten Sätzen wirklich selbst “anwesend sein”.

Natürlich ist es genauso verwunderlich, wenn die Prozedur der Einrichtung auf der Kanzel eine ganze Minute oder länger dauert. Schließlich geht ein Prediger nach vorn, um zu reden – darauf warten alle – und nicht, um Blätter zu sortieren.

4. Die Kanzel gehört noch zur alten Welt

Es gibt Brüder, die auf dem Weg zur Kanzel eine Art Metamorphose durchleben – es kommt dort ein anderer Mensch an als hier losgelaufen ist. Ansonsten umgängliche Menschen wirken auf einmal steif und “pastoral”, ansonsten lockere Erzähler können einen lebensfernen Wortschatz hervorholen. Man erkennt sie kaum als die Menschen, die sie sonst sind. Das ist höchst irritierend.

Wir dürfen auf der Kanzel nichts anderes sein als im Leben! Es ist besonders für Kinder glaubensschädlich, wenn sie eine unerklärliche Verwandlung ihres Vater erleben, wenn er in die Nähe der Kanzel kommt.

 

Siehe auch:

Teil 1: Der Prediger und seine Zuhörer

Teil 2: Der Prediger und seine Botschaft