„Toll, dass ihr da seid!“ – Engagierter Einsatz als Lesepatin

Viele Schulen, Kindergärten oder öffentliche Büchereien suchen „Lesepaten“, um Kindern Freude am Lesen zu vermitteln. Wir haben eine engagierte Mutter und Kindermitarbeiterin ihrer Gemeinde gefragt, wie und warum sie sich auch noch als Lesepatin einsetzt…

Petra, du bist „Lesepate“. Was macht so jemand?

Als Lesepate besuche ich einmal im Monat die Erstklässler aus unserer Grundschule am Ort. Wir treffen uns in der Bibliothek, die sich im Schulgebäude befindet. Während einer Unterrichtsstunde ist es meine Aufgabe, bei den Kindern die Freude am Lesen zu wecken, indem ich ihnen neue oder beliebte Bücher vorstelle. Manchmal wird in Absprache mit den Lehrkräften ein bestimmtes Thema beleuchtet, grundsätzlich habe ich jedoch freie Themen- und Buchwahl. Am Ende jeder Stunde gebe ich den Kindern immer ein bisschen Zeit, um selbstständig in den Regalen zu stöbern und Bücher anzuschauen.

Wie kamst du zu dieser Aufgabe?

Als 4-fache Mutter und Hausfrau ist es mir möglich, des Öfteren bei Schulveranstaltungen unserer Kinder, wie z.B. bei Projektwochen und Lesenachmittagen, mitzuhelfen. Dadurch wurde bei den Lehrern meine Vorliebe für gute Bücher (speziell Kinderbücher) bekannt. Von der Klassenleiterin unserer Jüngsten wurde ich empfohlen, als man für ein Vorleseprojekt des Landkreises Görlitz ehrenamtliche Lesepaten suchte. Nach einem Treffen mit der Koordinatorin des Projektes stand für mich fest, dass Gott mir diese Möglichkeit vor die Füße gelegt hatte, und ich sagte gerne zu.

Warum nimmst du dir die Zeit dafür?

Schon viele Jahre engagiere ich mich in der Kinderarbeit unserer Gemeinde, und wir merken, dass es immer schwieriger wird, Kinder zu Veranstaltungen in Gemeinderäume einzuladen. Deshalb mein Leitsatz: „Wenn die Kinder nicht zu dir kommen, geh dahin, wo die Kinder sind!“ Durch das Lesepaten-Projekt bekam ich die Möglichkeit, die Grundschulkinder in einem öffentlichen Rahmen mit der christlichen Botschaft zu erreichen. Sicherlich ist das nur in begrenztem Maß möglich, aber mein Ziel ist es, christliche Werte kindgerecht zu vermitteln und einzelne biblische Geschichten wie z.B. den „Barmherzigen Samariter“ oder die „Geschichte von den verlorenen Söhnen“ wieder bekannt zu machen. Es ist erschreckend, wie wenig die Kinder hier bei uns über Gott, die Bibel und christliche Feste und Feiertage wissen.
Inzwischen bin ich seit mehreren Jahren in jeder ersten Klasse unterwegs gewesen und die Kinder kennen mich. Das ist wiederum ein großes Plus bei anderen Veranstaltungen. So kommen die Kinder z.B. auf dem Weihnachtsmarkt gerne an unseren Gemeinde-Bücherstand, wo wir vermehrt Bücher anbieten, die ich schon vorgestellt habe.

Was machst du anders als du es ohne deinen Glauben an Jesus Christus tun würdest?

Viele ehemalige Lehrer und Bibliothekare engagieren sich in diesem Projekt mit dem guten Ziel, Kinder wieder mehr zum Lesen zu animieren. Das allein ist schon eine wichtige Aufgabe.

Meine Zielsetzung geht noch darüber hinaus und hat logischerweise großen Einfluss auf die Auswahl der Bücher, die ich vorlese. So kennen z.B. alle Grundschulkinder seit Jahren die Geschichten vom „Schlunz“. Andererseits werde ich manche Bücher – mögen sie noch so beliebt sein (z.B. Harry Potter) – nicht vorstellen.

Regelmäßig im Jahreslauf beachte ich die christlichen Feste. Ostern kindgerecht zu thematisieren ist immer wieder eine Herausforderung, die ich aber gerne angehen möchte.

Außerdem hat mir Jesus ein besonderes Herz für die Kinder gegeben, die Außenseiter sind. Durch Entwicklungsstörungen oder Sprachbarrieren weisen sie oft Lern- oder Verhaltensdefizite auf und haben wenig oder keine Freunde. Speziell für diese Kinder habe ich mir Themen ausgesucht wie Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Behinderung, Flüchtling sein, verschiedene Sprachen sprechen…, die den Blick auf solche Kinder und ihre Probleme lenken und die ganze Klasse sensibilisieren sollen.

Mein Glaube hilft mir, mich in dieser Arbeit klar zu positionieren. Ich möchte mich dabei nicht verbiegen. Sollte ich irgendwann nicht mehr selbst auswählen dürfen, welche Bücher ich vorstelle, werde ich diese Tätigkeit wohl beenden.

Welche Einstellungen oder Verhaltensweisen sind wichtig für jemanden, der selber Lesepate werden möchte? Wem würdest du diese Dienstmöglichkeit empfehlen?

Sicherlich ist es hilfreich, wenn man kontaktfreudig ist und schnell einen „guten Draht“ zu Kindern aufbauen kann. Kinder spüren einem sowieso ganz genau ab, ob man gerne mit ihnen zusammen ist und sie vorbehaltlos akzeptiert. (Wenn mir die Lehrerin bei der Begrüßung erklärt, dass die Kinder heute ganz schlimm sind, dann sage ich zu den Kindern als erstes, dass sie ganz toll sind und ich mich freue, dass sie gekommen sind.)

Sicher ist es nicht immer einfach und man braucht gute Nerven, aber mit der richtigen Geschichte mit gutem Spannungsbogen bekommt man die Kinder schnell zum Zuhören. Gute Zeiteinteilung und ein gewisses Maß an Spontanität sind dabei wichtig.

Ideal ist dieser Dienst für Eltern, die selbst Kinder im Grundschulalter haben und viel vorlesen, die sich also auskennen im Kinderbuch-Angebot der Verlage. Auch Omas und Opas können ihren Erfahrungsschatz mit den eigenen Enkeln in der Schule anwenden. Natürlich ist ein gewisses Maß an Zeit zur Vorbereitung nötig, das aber überschaubar ist. Und man muss sich einen Vormittag im Monat frei nehmen. Da es viele verschiedene Projekte dieser Art gibt, kann es auch sein, dass manche an den Nachmittagen angeboten werden. Dazu kann man sich einfach in der Bibliothek, der Schule oder dem Kindergarten erkundigen. Die meisten dieser Einrichtungen sind froh über ein solches ehrenamtliches Engagement.

Herzlichen Dank, Petra! Wir wünschen dir weiter Freude und Segen bei diesem Dienst!